NATURLEDER IVN zertifiziert

NATURLEDER IVN zertifiziert ist der einzige europäische Standard für nachhaltig produziertes Leder und verbietet Chromgerbung sowie alle Schwermetallgerbverfahren vollständig. Er umfasst die gesamte Produktionskette vom Schlachthof bis zum fertigen Produkt und fordert neben strengen Chemikalienverboten auch soziale Mindeststandards.

Auf einen Blick

Vollständiger Name
NATURLEDER IVN zertifiziert
Geltungsbereich
Naturleder aus pflanzlicher oder Wet-White-Gerbung, Lederschuhe und Lederaccessoires, Lederbekleidung und Ledertaschen, Kleinlederwaren (z. B. Uhrenarmbänder, Gürtel)
Kategorie
Textil
Gegründet
2001
Region
Europa
Geprüft durch
Unabhängige staatlich akkreditierte Prüfinstitute im Auftrag des IVN e.V. (jährliche Kontrollen, unangemeldete Stichproben möglich)

Was wird geprüft?

  • Verbot der Chromgerbung: Chrom, Zirkonium und Aluminium als Gerbmittel sind vollständig ausgeschlossen: nur pflanzliche und Wet-White-Verfahren sind erlaubt
  • Rohstoffherkunft als Fleischnebenprodukt: Rohhäute dürfen ausschließlich aus der Fleischproduktion stammen, nicht aus reiner Lederwirtschaft
  • Chemikalienverbote bei Finish und Beschichtung: Acrylate, PVC, PU, synthetischer Kautschuk, Silikonverbindungen und Nitrocellulose sind als Oberflächenbeschichtungen untersagt
  • Vollständige Rückverfolgbarkeit: Jede Stufe der Produktionskette: vom Schlachthof über Gerberei bis zum Fertigprodukt: muss von akkreditierten Prüfstellen zertifiziert sein
  • Lösemittelfreie Verarbeitung: Halogenierte Lösemittel und PVC-haltige Weichmacher sind in der gesamten Verarbeitung verboten
  • Soziale Mindeststandards: Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen (Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, Vereinigungsfreiheit, faire Entlohnung) entlang der Lieferkette

Stärken

  • Einziger europäischer Lederstandard mit Siegelklarheit-Bewertung 'Sehr gute Wahl': Als bisher einziges Ledersiegel erhielt es die höchste Empfehlung des staatlichen deutschen Bewertungsportals
  • Lückenlose Kettenverantwortung: Schlachthof, Gerberei, Verarbeitung und Handel müssen alle einzeln zertifiziert sein: es gibt keine Black-Box-Zwischenstufen
  • Kombination Umwelt und Soziales: Anders als reine Schadstoffsiegel deckt der Standard auch Tierschutz, Arbeitsrechte und Abwasserbehandlung ab

Grenzen

  • Sehr geringe Marktdurchdringung: Die aufwändige Zertifizierung jeder einzelnen Produktionsstufe führt dazu, dass nur wenige Hersteller und Produkte das Siegel tragen
  • Keine Bio-Tierhaltung vorgeschrieben: Bevorzugt werden Häute aus biologischer Tierhaltung, eine Pflicht besteht jedoch nicht: der Fokus liegt auf der Gerbung und Verarbeitung

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Quellen