Mulesing
Chirurgischer Eingriff in der australischen Schafzucht, bei dem Lämmern Hautfalten rund um den Hinterbereich abgeschnitten werden, um Fliegenmaden-Befall zu verhindern. Das Verfahren ist tierschutzrechtlich umstritten und in wachsender Zahl von Ländern und Unternehmen verboten.
Mulesing ist eine Praxis in der Merinowolle-Schafzucht, die hauptsächlich in Australien verbreitet ist. Dabei werden Lämmern im Alter von wenigen Wochen mit einer Schere Hautfalten rund um den After entfernt: oft ohne Betäubung. Ziel ist es, glatte Narbengewebe zu erzeugen, die für Schmeißfliegen (Lucilia cuprina) weniger attraktiv sind, da diese ihre Eier in feuchten Hautfalten ablegen. Der daraus entstehende Madenbefall (Myiasis) kann für Schafe lebensbedrohlich sein.
Der Eingriff ist schmerzhaft und tierschutzrechtlich umstritten. Neuseeland hat Mulesing 2018 verboten, in Australien ist es trotz freiwilliger Selbstverpflichtungen der Industrie noch legal. Alternativmethoden wie genetische Züchtung auf weniger Hautfalten, das Einsäumen der Wollhosen mit einer Schere (Bare-breech shearing) oder Insektenschutzmittel werden als Ersatz erprobt. Der Responsible Wool Standard (RWS) verbietet Mulesing explizit, ebenso der ZQ Merino Standard.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist 'mulesing-frei' ein wichtiges Tierschutzmerkmal beim Kauf von Merinowolle-Produkten. Siegel wie RWS, ZQ Merino oder GOTS garantieren mulesing-freie Wolle. Auch ohne explizites Siegel geben viele Outdoor-Marken an, ausschließlich mulesing-frei gequellte Wolle zu verwenden. Wer ganz sichergehen möchte, wählt Wolle aus Neuseeland oder Europa, wo das Verfahren nicht praktiziert wird.
Auch bekannt als
- Mulesing-frei
- mulesing free
- Non-Mulesed
- Mulesierung