Merinowolle

Besonders feine Wolle vom Merinoschaf mit außergewöhnlichen Temperaturregulierungs- und Geruchshemmeigenschaften, die jedoch durch das Mulesing-Verfahren ethisch umstritten ist.

Merinowolle stammt vom Merinoschaf, einer ursprünglich aus Spanien stammenden Rasse, die heute vor allem in Australien, Neuseeland und Südamerika gezüchtet wird. Die Fasern sind mit einem Durchmesser von 15 bis 24 Mikrometer außergewöhnlich fein: zum Vergleich: Ein menschliches Haar hat 50 bis 70 Mikrometer. Diese Feinheit sorgt dafür, dass Merinowolle direkt auf der Haut getragen werden kann, ohne zu kratzen. Die Faser reguliert die Körpertemperatur sowohl in der Kälte als auch in der Wärme, transportiert Feuchtigkeit von der Haut weg und hemmt Gerüche auf natürliche Weise.

Die ethische Seite der Merinowolle ist komplex. In Australien, dem weltgrößten Merinowolle-Produzenten, ist das Mulesing weit verbreitet: Lämmern werden im Alter von wenigen Wochen Hautfalten rund um den After ohne ausreichende Betäubung entfernt, um einen Fliegenmadenbefall zu verhindern. Neuseeland hat diese Praxis seit 2018 gesetzlich verboten, in Australien gibt es bisher nur freiwillige Verzichtserklärungen einzelner Betriebe.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher bieten mehrere Zertifizierungen Orientierung: Der Responsible Wool Standard (RWS) schließt Mulesing aus und prüft Tierwohl sowie Landmanagement. Das ZQ Merino-Label setzt ebenfalls strenge Tierwohl- und Nachhaltigkeitsstandards. GOTS-zertifizierte Merinowolle garantiert zudem die ökologische Verarbeitung und soziale Standards entlang der gesamten Produktionskette. Beim Kauf lohnt es sich, explizit nach 'mulesing-frei' zu fragen oder auf entsprechende Siegel zu achten.

Auch bekannt als

  • Merino
  • Merinogarn
  • Merino-Faser
  • Schurwolle Merino