Easterlin-Paradox

Befund des Ökonomen Richard Easterlin (1974): Innerhalb eines Landes macht mehr Einkommen glücklicher, aber zwischen Ländern und über Zeit hinweg entkoppeln Wirtschaftswachstum und subjektives Wohlbefinden.

Richard Easterlin, damals Professor an der University of Pennsylvania, veröffentlichte 1974 den Aufsatz 'Does Economic Growth Improve the Human Lot? Some Empirical Evidence'. Seine zentrale Beobachtung: Innerhalb eines Landes sind reichere Menschen im Durchschnitt glücklicher als ärmere, aber wenn das gesamte Land reicher wird, steigt das durchschnittliche Glücksniveau kaum. In den USA etwa blieb das subjektive Wohlbefinden zwischen 1946 und 2014 trotz einer Verdreifachung des Realeinkommens nahezu konstant.

Das Paradox hat drei Ebenen. Querschnittlich (innerhalb eines Landes zu einem Zeitpunkt): Mehr Geld korreliert mit mehr Glück. Ländervergleichend (zwischen Ländern): Reichere Länder sind im Durchschnitt glücklicher, aber der Zusammenhang ist schwächer als innerhalb von Ländern und schwer von anderen Faktoren zu trennen. Zeitreihen (innerhalb eines Landes über Zeit): Wachsendes Einkommen bringt nach dem Überschreiten eines Schwellenwerts kaum noch Zugewinne im Wohlbefinden. Easterlin führt das auf relative Einkommensvergleiche zurück: Glück hängt weniger vom absoluten Niveau ab als davon, wie man im Vergleich zur eigenen Bezugsgruppe dasteht.

Das Paradox ist in der Glücksforschung umstritten. Betsey Stevenson und Justin Wolfers veröffentlichten 2008 im Brookings Paper on Economic Activity eine viel diskutierte Gegenanalyse und fanden einen robusteren positiven Zusammenhang zwischen Einkommen und Wohlbefinden auch im Zeitverlauf. Easterlin hat seine Position in späteren Arbeiten verteidigt und auf methodische Unterschiede hingewiesen. Die Debatte ist noch nicht abgeschlossen, hat aber grundlegende Fragen darüber aufgeworfen, was Wirtschaftswachstum eigentlich leistet.

Für nachhaltige Konsumdebatten ist das Easterlin-Paradox aus zwei Gründen bedeutsam. Erstens untergräbt es die Rechtfertigung von Wachstum durch Wohlstandssteigerung: Wenn mehr Konsum nicht zu dauerhaft mehr Wohlbefinden führt, verliert das Wachstumsimperativ seine wichtigste gesellschaftliche Legitimation. Zweitens eröffnet es Raum für die Frage, welche Faktoren Wohlbefinden tatsächlich stabil erhöhen. Die Psychologie zeigt hier auf: soziale Einbindung, Selbstwirksamkeit, Sinn und Zeitsouveränität; alles Dinge, die nicht unbedingt mehr Konsum erfordern.

Auch bekannt als

  • Easterlin Paradox
  • Glücks-Einkommens-Paradox
  • income-happiness paradox