Duftstoffallergie

Eine Duftstoffallergie ist eine durch Duftstoffe ausgelöste allergische Kontaktdermatitis (ICD-10 L23.2). Sie zählt zu den häufigsten Kontaktallergien in der Dermatologie: Beim IVDK reagieren rund 5 Prozent der getesteten Patienten positiv auf den Duftstoff-Mix I, knapp 3 Prozent auf den Duftstoff-Mix II.

Eine Duftstoffallergie ist eine erworbene Typ-IV-Sensibilisierung: Das Immunsystem reagiert nach wiederholtem Hautkontakt verzögert auf einzelne Duftstoffmoleküle, typischerweise 12 bis 72 Stunden nach Anwendung. Auf der Haut zeigt sich das als Rötung, Juckreiz, Bläschen oder Ekzem an den Stellen, mit denen das Produkt in Kontakt kam. Medizinisch fällt das Krankheitsbild unter die allergische Kontaktdermatitis durch Kosmetika (ICD-10 L23.2). Daneben gibt es Menschen, die auf Duftstoffe respiratorisch oder als Migräne-Trigger reagieren: das ist medizinisch keine klassische Allergie, sondern eine Duftstoffintoleranz oder als Multiple Chemical Sensitivity (MCS) beschrieben.

Die Häufigkeit ist gut dokumentiert: Der Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK) wertet jährlich Epikutantests aus 56 Zentren aus. 2018 reagierten 5,4 Prozent der getesteten Patienten positiv auf den Duftstoff-Mix I und 3,2 Prozent auf den Duftstoff-Mix II. Das wichtigste Einzelallergen ist Isoeugenol; im Mix II führt Hydroxyisohexyl-3-cyclohexen-carboxaldehyd (HICC), das die EU seit 2021 in Kosmetika verboten hat. Von den 26 deklarationspflichtigen EU-Duftstoffallergenen lösen elf bei mehr als einem Prozent der Getesteten Reaktionen aus.

Diagnostisch sichert ein Epikutantest (Patch-Test) beim Dermatologen die Sensibilisierung: Die Standardreihe der Deutschen Kontaktallergie-Gruppe (DKG) enthält den Duftstoff-Mix I und II als Suchtest, bei Verdacht werden Einzelstoffe nachgetestet. Therapeutisch gibt es keine Heilung: die Sensibilisierung bleibt lebenslang bestehen. Wirksam ist konsequente Karenz: parfümfreie Produkte, INCI-Listen lesen, im Akutfall lokale Glukokortikoide nach ärztlicher Anweisung. Naturkosmetik ist nicht automatisch verträglicher: Ätherische Öle enthalten von Natur aus Linalool, Limonene, Geraniol und weitere deklarationspflichtige Allergene.

Im Alltag bei Verdacht ist die Reihenfolge wichtig: Erst beobachten, wann und wo das Ekzem auftritt: typisch sind Hals, Dekolleté, Achselhöhlen, Handgelenke und Gesicht, also Stellen mit Parfum-, Deo- oder Cremekontakt. Zweitens das verdächtige Produkt komplett aussetzen und die INCI-Liste fotografieren, damit beim Dermatologen-Termin die enthaltenen Duftstoffe gezielt nachgetestet werden können. Drittens den Epikutantest abwarten, bevor Produkte dauerhaft gewechselt werden: ohne Diagnose ist die Karenz oft zu breit oder zu eng gefasst. Symptome lassen sich akut mit kühlenden, parfumfreien Cremes und gegebenenfalls verschreibungspflichtigen Glukokortikoiden lindern; die langfristige Behandlung besteht aber im konsequenten Meiden der individuell identifizierten Allergene. Die 26 deklarationspflichtigen EU-Duftstoffe stehen jeweils mit Einzelnamen auf der Verpackung: sie sind dadurch deutlich leichter zu identifizieren als Sammelbegriffe wie „Parfum" oder „Fragrance".

Auch bekannt als

  • Parfümallergie
  • Kontaktallergie gegen Duftstoffe