Direct Air Capture

Technologisches Verfahren, das CO2 direkt aus der Umgebungsluft absaugt und dauerhaft speichert. Gilt als permanente technische Senke, ist aber aktuell sehr energieintensiv und mit 400 bis 1.500 US-Dollar pro Tonne CO2 noch sehr kostenintensiv.

Direct Air Capture (DAC) bezeichnet Technologien, die CO2 direkt aus der Umgebungsluft entziehen: im Unterschied zur Abscheidung an der Punktquelle, die Abgase von Kraftwerken oder Fabriken filtert. Beim DAC wird Luft durch Filtermedien geleitet, die CO2 chemisch binden. Das gewonnene Gas wird anschließend entweder dauerhaft in geologischen Formationen gespeichert (Carbon Capture and Storage) oder für industrielle Prozesse genutzt. Da CO2 in der Atmosphäre nur 0,04 Prozent der Luftmasse ausmacht, erfordert das Verfahren enorme Luftmengen und entsprechend viel Energie.

Die Schweizer Firma Climeworks betreibt seit 2021 in Island die weltweit erste kommerzielle DAC-Anlage namens Orca und seit 2024 die größere Anlage Mammoth. Das abgeschiedene CO2 wird in basaltischem Gestein mineralisiert: eine der sichersten Speichermethoden mit nahezu unbegrenzter Permanenz. Carbfix, das isländische Unternehmen, das die Speichertechnologie entwickelt, nutzt die Reaktion von CO2 mit Basalt, die innerhalb weniger Jahre zu festem Karbonatgestein führt. Die Kosten liegen 2024 bei 1.000 bis 1.300 US-Dollar pro Tonne.

Klimamodelle des IPCC gehen davon aus, dass das 1,5-Grad-Ziel ohne massiven Einsatz von Carbon Removal kaum erreichbar ist. Direct Air Capture gilt dabei als skalierbare Technologie für schwer vermeidbare Restemissionen. Das Problem: Aktuelle Anlagen sind noch weit von der nötigen Skalierung entfernt. Climeworks' Generation-3-Technologie zielt auf Kosten von 250 bis 350 US-Dollar pro Tonne bis 2030. Analysen der ETH Zürich warnen jedoch, dass die Kostensenkungen langsamer verlaufen könnten als erhofft.

Für den freiwilligen CO2-Markt bietet DAC den Vorteil hoher Permanenz und Messbarkeit: Jede abgeschiedene Tonne lässt sich genau verfolgen, ein Additionalitätsproblem existiert kaum, da die Projekte ohne die Zertifikatseinnahmen nicht rentabel wären. Wegen der noch hohen Kosten richten sich DAC-Zertifikate aktuell vor allem an Unternehmen, die die höchste verfügbare Qualitätsklasse für ihre Restemissionen anstreben.

Auch bekannt als

  • DAC
  • Direkte Luftabscheidung
  • Atmosphärische CO2-Abscheidung
  • Carbon Removal