Degrowth

Internationaler akademischer und politischer Diskurs für die geplante, demokratische Reduktion von Produktion und Konsum in reichen Ländern als Antwort auf sozial-ökologische Krisen.

Degrowth (französisch: Décroissance) ist ein internationaler Forschungs- und Bewegungszusammenhang, der eine bewusste Reduktion wirtschaftlicher Aktivität in reichen Ländern als notwendige Bedingung für ökologische Nachhaltigkeit und globale Gerechtigkeit fordert. Der Begriff geht auf den Sozialphilosophen André Gorz zurück, der 1972 fragte, ob das Gleichgewicht der Erde mit dem Überleben des kapitalistischen Systems vereinbar sei. Als akademische Strömung etablierte sich Degrowth ab 2008, als in Paris die erste internationale Degrowth-Konferenz stattfand.

Serge Latouche, französischer Ökonom und Anthropologe, ist einer der bekanntesten Vordenker der Bewegung. Er kritisiert die automatische Gleichsetzung von Wachstum mit Verbesserung und zeigt, dass das dominante Wachstumsparadigma auf der Ausbeutung von Menschen und Natur beruht. Die 2007 gegründete Forschungsorganisation Research & Degrowth hat seitdem internationale Konferenzen begleitet und die akademische Debatte institutionalisiert.

Degrowth unterscheidet sich vom deutschen Begriff Postwachstum vor allem in seiner politischen Radikalität und internationalen Ausrichtung. Während Postwachstum stärker auf individuelle Lebensstilveränderungen und lokale Subsistenz setzt, betont Degrowth strukturelle Veränderungen: Arbeitszeitverkürzung, Begrenzung von Einkommen und Vermögen, demokratische Planung von Produktion und Konsum. Die Adressaten sind nicht nur Individuen, sondern Staaten und internationale Institutionen.

In der Textilindustrie, einer der ressourcenintensivsten Branchen weltweit, findet die Degrowth-Perspektive besondere Relevanz: Fast Fashion produziert jährlich mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke bei stark steigender Tendenz. Degrowth-Positionen fordern keine sauberere Produktion, sondern deutlich weniger Produktion insgesamt. Zertifizierungen für nachhaltigere Herstellung sind aus dieser Perspektive nur sinnvoll, wenn sie mit Mengenbegrenzungen verbunden sind.

Auch bekannt als

  • Décroissance
  • Degrowth-Bewegung
  • décroissance