Chemophobie
Chemophobie bezeichnet die irrationale Angst vor chemischen Substanzen. Sie führt dazu, synthetische Stoffe pauschal als gefährlich einzustufen, während natürliche Inhaltsstoffe als automatisch sicher gelten: ein Trugschluss, den Fachleute als Naturalistic Fallacy bezeichnen.
Chemophobie beschreibt eine verbreitete kognitive Verzerrung, bei der das Wort 'Chemikalie' oder 'chemisch' automatisch mit Gefahr gleichgesetzt wird. Dabei besteht alles: einschließlich Wasser, Luft und menschlicher Zellen: aus chemischen Verbindungen. Das Konzept wurde unter anderem vom Chemiker und Wissenschaftskommunikator Joe Schwarcz geprägt, der beschreibt, wie diese Angst zu irrationalen Kaufentscheidungen und einer Fehlwahrnehmung von Risiken führt.
In der Kosmetikbranche zeigt sich Chemophobie besonders deutlich: Marketing mit 'frei von Chemie', '100 % natürlich' oder 'ohne synthetische Inhaltsstoffe' spielt gezielt mit dieser Angst. Dabei sind natürliche Substanzen nicht per se sicher (Rizin, Aconitum-Alkaloide, nikotinhaltige Pflanzenextrakte sind hochgiftig) und synthetische nicht per se gefährlich. Die Sicherheit eines Stoffs hängt von seiner Konzentration, dem Expositionsweg und der individuellen Empfindlichkeit ab: nicht von seiner Herkunft.
Für informierte Konsumentinnen und Konsumenten ist es hilfreich, Risikobewertungen auf Basis wissenschaftlicher Evidenz zu nutzen: Die SCCS-Gutachten, die CosIng-Datenbank und Publikationen des BfR bieten sachliche Einschätzungen zu einzelnen Inhaltsstoffen. Chemophobie-geprägtes Marketing lässt sich oft daran erkennen, dass es auf Assoziationen und Emotionen statt auf belegte Daten setzt.
Auch bekannt als
- Chemikalienangst
- Chemikalienfeindlichkeit
- Chemophobia