Allelopathie
Biologisches Phänomen, bei dem Pflanzen chemische Verbindungen abgeben, die Keimung, Wachstum oder Entwicklung benachbarter Pflanzen hemmen oder fördern. Erklärt wissenschaftlich, warum manche Pflanzenkombinationen im Garten nicht harmonieren.
Der Begriff Allelopathie wurde 1937 von dem österreichischen Botaniker Hans Molisch geprägt und beschreibt die chemische Beeinflussung von Pflanzen untereinander. Die beteiligten Wirkstoffe heißen Allelochemikalien: niedermolekulare sekundäre Pflanzenstoffe wie Phenole, Terpene, Glykoside und organische Säuren. Pflanzen geben diese Verbindungen auf verschiedenen Wegen ab: über Wurzel-Exsudate direkt in den Boden, über den Abbau von Blättern und Pflanzenresten sowie über flüchtige Verbindungen in der Luft. Die Wirkung kann hemmend (inhibitorisch) oder fördernd (stimulierend) sein: der Begriff umfasst ausdrücklich beides.
Klassische Beispiele machen die Bandbreite deutlich. Der Fenchel gilt als einer der stärksten allelopathischen Gemüsepflanzen: sein Wirkstoff Anethol hemmt die Keimung vieler Nachbarpflanzen und macht ihn zu einem schlechten Nachbarn im Mischkulturbeet. Sonnenblumen geben Sesquiterpene und Phenolika ab, die das Wurzelwachstum benachbarter Pflanzen bremsen. Das bekannteste Beispiel ist die Schwarznuss (Juglans nigra): Ihre Gewebe enthalten Hydrojuglon, das nach Freisetzung im Boden zu dem toxischen Juglon oxidiert. Allerdings zeigt die Forschungslage hier ein differenzierteres Bild: WSU-Forscherin Linda Chalker-Scott wies nach, dass Laborversuche die Wirkung oft überschätzen, weil reale Böden Allelochemikalien durch Mikroorganismen, Tonpartikel und organische Substanz schnell binden und abbauen. Roggen als Gründüngung ist dagegen ein Positiv-Beispiel: Die Allelochemikalien aus absterbendem Roggen hemmen zuverlässig die Keimung von Beikräutern.
Für die Praxis im Garten liefert Allelopathie die wissenschaftliche Erklärung für das Phänomen der 'schlechten Nachbarn' in der Mischkultur. Viele überlieferte Pflanzempfehlungen lassen sich heute auf allelopathische Wechselwirkungen zurückführen. Gleichzeitig gilt: Im lebendigen Boden mit aktiver Mikrobiologie sind die Effekte oft weniger stark als in Laborversuchen mit sterilisierten Böden oder Petrischalen. Die landwirtschaftliche Forschung untersucht, wie allelopathisch aktive Deckfrüchte gezielt zur biologischen Unkrautunterdrückung eingesetzt werden können: als ökologische Alternative zu chemischen Herbiziden.
Auch bekannt als
- Allelopathische Wirkung
- chemische Pflanzenwechselwirkung
- Pflanzenchemie