Die Blätter färben sich, Kürbisse stapeln sich auf Wochenmärkten und morgens hängt Nebel über den Feldern. Der Herbst ist mehr als eine Übergangszeit. Er ist die ergiebigste Jahreszeit für alle, die nachhaltiger leben wollen.
Trotzdem tappen viele in dieselben Fallen: Das Laub landet in der Restmülltonne, im Supermarkt liegen Winter-Erdbeeren neben heimischen Äpfeln, und die Heizung läuft auf Stufe fünf, obwohl ein Pullover mehr reichen würde.
Dabei braucht es keine großen Investitionen oder komplizierte Projekte. Saisonal essen, Laub sinnvoll einsetzen, bewusst heizen und die Ernte für den Winter bewahren: vier Bereiche, in denen kleine Änderungen sofort wirken.
Dieser Ratgeber führt dich durch alle vier. Konkret, alltagstauglich und ohne erhobenen Zeigefinger. Das meiste davon spart nicht nur Ressourcen, sondern auch Geld.
Warum gerade der Herbst so viel Potenzial hat
Keine andere Jahreszeit bietet so viele Gelegenheiten für einen nachhaltigeren Alltag auf einmal. Vier Dinge kommen zusammen.
Erntezeit
Äpfel, Birnen, Kürbis, Kohl, Rüben, Kartoffeln: Jetzt wächst vieles in der Region, und das zeigt sich in der Klimabilanz. Ein regionaler Apfel kommt im Herbst laut einer Studie des ifeu-Instituts auf 0,3 Kilogramm CO2-Äquivalente je Kilogramm, ein Apfel aus Neuseeland auf 0,8. Kürbis und Kartoffeln liegen bei 0,2 Kilogramm, Karotten und Weißkohl bei 0,1.[1]
Natürliches Recycling
Laub, Fallobst, Pflanzenreste: Der Herbst produziert jede Menge organisches Material. Richtig eingesetzt, wird daraus Winterschutz für Pflanzen, ein Quartier für Tiere und im Frühjahr Humus für das Beet.[2]
Beginn der Heizperiode
Eine gesetzlich festgelegte Heizperiode gibt es nicht. Wie co2online zur Heizperiode und zum richtigen Heizbeginn erklärt, läuft sie üblicherweise vom 1. Oktober bis zum 30. April und kann je nach Region und Wetter schon im September beginnen. Was du jetzt an deinem Heizverhalten änderst, wirkt also über ein gutes halbes Jahr.[3]
Vorratssaison
Die Fülle der Ernte lässt sich konservieren. Was du jetzt einkochst, einfrierst oder kühl lagerst, musst du im Winter nicht als Ware mit langen Transportwegen kaufen.
Saisonal essen: Der Herbst auf dem Teller
Beim Gemüse zählt neben der Herkunft vor allem die Anbauart. Eine saisonale Tomate aus Deutschland verursacht nach der ifeu-Studie 0,3 Kilogramm CO2-Äquivalente je Kilogramm, eine Winter-Tomate aus dem beheizten Gewächshaus 2,9 Kilogramm, also knapp das Zehnfache. Bei Erdbeeren ist der Abstand noch größer: 0,3 Kilogramm in der Saison, 3,4 Kilogramm im Winter.[4]
Die Verbraucherzentrale zum Klimaschutz beim Essen stuft Ware aus beheizten Gewächshäusern deshalb als besonders klimaschädlich ein, auch wenn sie aus der Region kommt. Dazu kommt der Geschmack: Obst und Gemüse ohne weite Transportwege, reif geerntet, schmeckt nach ihrer Einschätzung besser.[4] [5]
Was hat im Herbst Saison?
- September: Kürbis, Äpfel, Birnen, Pflaumen, Trauben, Fenchel, Rote Bete, Blumenkohl, Brokkoli
- Oktober: Kürbis, Kartoffeln, Möhren, Sellerie, Rosenkohl, Quitten, Maronen, Pastinaken
- November: Grünkohl, Schwarzwurzel, Topinambur, Feldsalat, Chicorée, Lageräpfel, Steckrüben
Wer es genauer wissen will: Die BZfE-Saisonkalender-App des Bundeszentrums für Ernährung zeigt für gut 80 Obst- und Gemüsearten, wann sie Saison haben. Es gibt sie kostenlos, dazu ein Poster für die Küche.[6]
Kürbis komplett verwerten
- Fruchtfleisch: Suppe, Ofengemüse, Curry, Risotto, Gnocchi, Kuchen
- Kerne: Waschen, trocknen lassen, mit etwas Öl und Salz im Ofen rösten
- Schale: Hokkaido kannst du mit Schale verarbeiten, Butternut schälst du vorher. Bei vielen anderen Sorten ist die Schale ebenfalls essbar, sehr harte Schalen werden vorgekocht
- Fasern: In Wasser auskochen, abseihen und als Grundlage für Gemüsebrühe verwenden
- Reste: Angeschnittene Stücke lassen sich roh oder als Püree einfrieren[7] [8]
Wichtig beim Kauf: Laut BZfE-Ratgeber zu Kürbissen enthalten Zierkürbisse giftige Bitterstoffe, die Cucurbitacine. Iss deshalb nur Kürbisse, die ausdrücklich als Speisekürbis gekennzeichnet sind. Schmeckt ein rohes Stück bitter, gehört der ganze Kürbis nicht auf den Teller.[9]
Wochenmarkt und Direktvermarktung
Saisonales aus der Region bekommst du laut Umweltbundesamt am einfachsten über Direktvermarktung: Hofläden, Wochenmärkte und Solidarische Landwirtschaft. Dort kannst du direkt nach Herkunft und Anbau fragen und oft unverpackt einkaufen.[10]
Einfacher Einstieg
Starte mit einem saisonalen Gericht pro Woche: Kürbissuppe im Oktober, Grünkohl im November, Pastinakenpüree im Dezember. Nach ein paar Wochen wird saisonales Kochen zur Gewohnheit.

Laub sinnvoll nutzen: Rohstoff statt Abfall
Jedes Jahr dasselbe Bild: Die Blätter fallen, und viele schaffen sie so schnell wie möglich weg. Dabei liegt im Garten gerade ein kostenloser Rohstoff, direkt vor der Haustür und vielseitig einsetzbar.
Mulch und Winterschutz
Die NABU-Tipps zum Herbstlaub sind eindeutig: am besten liegen lassen. Auf Beeten und unter Gehölzen schont eine Laubschicht als Mulch den Boden und schützt empfindliche Pflanzen vor Frost. Über den Winter bauen Bodenlebewesen die Blätter zu Humus ab, die Nährstoffe bleiben im Garten. Rindenmulch aus dem Baumarkt brauchst du dafür nicht.[2]
Wohin mit dem Laub?
- Beete und Sträucher: Laub um die Pflanzen verteilen, ein paar Zweige darüber halten es bei Wind an Ort und Stelle
- Igelquartier: Ein lockerer Haufen aus Laub, Reisig und totem Holz in einer ruhigen Gartenecke
- Kompost: Laub schichtweise zwischen die feuchten Küchenabfälle geben
- Balkon: Auch in Kübeln und Balkonkästen schützt eine Laubschicht empfindliche Pflanzen vor Frost[2] [11]
Igel brauchen den Laubhaufen jetzt
Der Zeitpunkt zählt. Laut NABU-Ratgeber für Igel im Garten wird die Nahrung für Igel ab Mitte Oktober knapp, und die Alttiere beginnen mit dem Nestbau. Ab Mitte November schlafen die meisten, mit kurzen Pausen bis in den März oder April. Räum den Haufen deshalb nicht vor dem späten Frühjahr weg.[11]
Lieber Rechen als Laubsauger
Wenn Laub weg muss, etwa vom Gehweg, reicht ein Rechen. Laut NABU zu Laubsaugern können sich Käfer, Spinnen, Asseln oder Amphibien dem Luftstrom solcher Geräte kaum widersetzen; bei der Saugmahd an Straßenrändern überlebte kein Insekt, das in das Gerät geriet. Der NABU hält Laubsauger nur auf unbelebten Flächen wie Wegen und Parkplätzen für empfehlenswert.[12]
Ohne Garten?
Biete Nachbarinnen und Nachbarn mit Garten dein gesammeltes Laub an, viele nutzen es gern als Mulch. Alternativ kannst du Laub in einem Kübel schichten und über den Winter verrotten lassen.

Energie sparen: Warm durch den Herbst ohne Verschwendung
Mit dem Herbst beginnt die Zeit der höchsten Energiekosten. Die meisten Maßnahmen dagegen kannst du sofort umsetzen, ohne etwas zu kaufen.
Die richtige Raumtemperatur
Die Heiztipps des Umweltbundesamts empfehlen im Wohnbereich möglichst nicht mehr als 20 Grad, in der Küche 18 und im Schlafzimmer 17 Grad. Die Tipps der Verbraucherzentrale zum Heizkosten sparen nennen dazu eine Faustregel: Jedes Grad weniger senkt den Heizenergieverbrauch um rund sechs Prozent. Wer von 22 auf 20 Grad geht, spart grob gerechnet also rund zwölf Prozent.[13] [14]
Zu kalt sollte es aber nicht werden. Laut FAQ des Umweltbundesamts zur Raumtemperatur in der Heizperiode steigt das Schimmelrisiko in genutzten Wohnungen deutlich, wenn die Temperatur unter 16 bis 18 Grad fällt; tagsüber sollten es nicht weniger als 19 bis 20 Grad sein.[15]
Richtig lüften
Stoßlüften statt Kipplüften: Öffne die Fenster mehrmals am Tag ganz. Wie lange, hängt vom Monat ab. Die Lüftungstabelle von co2online nennt etwa 15 Minuten im September, 20 im Oktober und 10 im November, im Hochwinter reichen etwa fünf. Auch der Ratgeber der Verbraucherzentrale zum Heizen und Lüften rechnet im Herbst mit zehn bis 20 Minuten, weil der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen kleiner ist.[16] [17]
Gekippte Fenster sind die schlechtere Wahl: Sie tauschen wenig Luft aus, lassen die Wärme entweichen und kühlen das Mauerwerk über dem Fenster aus, wo sich Feuchtigkeit niederschlägt und Schimmel entstehen kann. Aus hygienischen Gründen sollte die Raumluft drei- bis viermal am Tag komplett ausgetauscht werden.[16] [18]
Heizkörper und Wärmeverluste
Möbel, Vorhänge und Wäscheständer vor dem Heizkörper halten die Wärme zurück. Die Verbraucherzentrale rät zu mindestens 30 Zentimetern Abstand. Rollläden abends zu schließen lohnt sich: Nachts verringern sie laut Umweltbundesamt die Wärmeverluste durch das Fenster um etwa 20 Prozent. Zieht es an Fenstern oder Türen, helfen Schaumdichtungsband oder Gummidichtungen.[19] [20]
Standby und Stromfresser
Neue Geräte dürfen im Bereitschaftsbetrieb kaum noch Strom ziehen, alte schon. Die Rechnung der Verbraucherzentrale zum Stand-by-Verbrauch: Ein Altgerät mit 10 Watt im Stand-by kommt auf rund 90 Kilowattstunden und etwa 35 Euro im Jahr. Auch neuere Geräte ziehen mehr als nötig, wenn ein Schnellstart aktiv ist oder sie dauerhaft auf Signale aus dem Netzwerk warten. Die Empfehlung, die sich beim Umweltbundesamt zum Energiesparen im Haushalt ebenso findet wie bei der Verbraucherzentrale: schaltbare Steckerleisten.[21] [22]
Der Herbst-Energiecheck
- Heizkörper entlüften, wenn sie gluckern oder trotz aufgedrehtem Ventil nicht richtig warm werden
- Fenster und Türen auf Zugluft prüfen und undichte Stellen abdichten
- Möbel und Vorhänge von den Heizkörpern wegrücken
- Rollläden und Vorhänge abends schließen
- Steckerleisten für Standby-Geräte einrichten[19] [20]
Konservieren: Herbstschätze für den Winter bewahren
Der Herbst liefert mehr, als du sofort essen kannst. Mit einfachen Methoden bewahrst du die Ernte für die Monate, in denen kaum Frisches aus der Region kommt.
Einkochen
- Apfelmus: Äpfel vierteln, mit wenig Wasser weich kochen, pürieren und heiß in vorbereitete Gläser füllen
- Kürbis-Chutney: Kürbis, Zwiebeln, Essig, Zucker und Gewürze einkochen. Passt zu Brot, Käse und Ofengemüse
- Birnen-Kompott: Birnen schälen und mit Zimt und Nelken in Zuckerwasser einkochen
Sauberkeit entscheidet. Die BZfE-Anleitung zum Obst einkochen rät, Gläser, Deckel und Werkzeug in der Spülmaschine zu reinigen oder mindestens fünf Minuten in kochendes Wasser zu legen und die befüllten Gläser sofort mit Schraubdeckeln zu verschließen. Eingekochte Fruchtaufstriche halten sich dunkel gelagert bei 15 bis 20 Grad etwa ein Jahr.[23]
Einfrieren
- Kürbis in Stücke schneiden und roh einfrieren, gefroren direkt in Suppen und Eintöpfe geben
- Äpfel als Mus oder Kompott portionsweise einfrieren
- Kräuterbutter aus den letzten Gartenkräutern in Eiswürfelformen portionieren
- Beeren einzeln auf einem Blech vorfrieren, dann in Beutel umfüllen[8]
Trocknen
- Apfelringe: Bei niedriger Temperatur im Backofen trocknen und die Tür einen Spalt offen lassen, damit die Feuchtigkeit entweicht
- Kräuter: Sträuße binden und kopfüber an einem trockenen, luftigen Ort aufhängen
- Kürbiskerne: Nach dem Rösten vollständig auskühlen lassen und luftdicht aufbewahren
Lagern ohne Strom
Viel Herbstgemüse hält ohne Kühlschrank, wenn der Ort stimmt. Die Lagertipps des BZfE und sein Kürbis-Ratgeber nennen die wichtigsten Regeln.[24]
- Ganze Kürbisse halten je nach Sorte mehrere Monate, luftig, dunkel und trocken bei etwa 10 bis 12 Grad
- Kartoffeln kühl, trocken und dunkel lagern, größere Mengen am besten bei vier bis sechs Grad
- Kartoffeln nicht neben Zwiebeln lagern, weil Zwiebeln sie schneller keimen und faulen lassen
- Äpfel einzeln in Zeitungspapier wickeln und in Kisten im kühlen Keller aufbewahren[8] [24]
Der Vorteil
Was du im Herbst konservierst, ersetzt im Januar und Februar Ware mit langen Transportwegen. Selbst ein bis April gelagerter regionaler Apfel liegt mit 0,4 Kilogramm CO2-Äquivalenten je Kilogramm laut ifeu-Studie noch deutlich unter einem Apfel aus Neuseeland mit 0,8.[1]

Fünf Herbstfehler, die du vermeiden kannst
Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Diese Fehler kosten unnötig Ressourcen oder Geld.
Laub in den Restmüll werfen
Laub gehört auf den Kompost, als Mulch auf das Beet oder als Haufen in die Gartenecke. In der Restmülltonne geht verloren, was im Garten zu Humus würde und Tieren über den Winter hilft.[2]
Zu früh und zu stark heizen
Der erste kühle Tag ist kein Grund, die Heizung voll aufzudrehen. Probiere zuerst geschlossene Fenster, warme Socken und eine zusätzliche Schicht. Wenn du heizt, dann maßvoll: Im Wohnbereich reichen nach Empfehlung des Umweltbundesamts 20 Grad.[13]
Ware von weit her statt saisonaler Fülle
Im Herbst ist die Auswahl an regionalem Obst groß: Äpfel, Birnen, Trauben, Quitten, Zwetschgen. Wie stark der Transportweg zählt, zeigt die ifeu-Studie an der Ananas: Flugananas verursacht 25-mal mehr CO2 als Schiffsananas, 15,1 gegenüber 0,6 Kilogramm CO2-Äquivalenten je Kilogramm.[25]
Den Garten zu gründlich aufräumen
Ein blitzblanker Herbstgarten sieht ordentlich aus, nimmt Insekten aber ihr Winterquartier. Laut NABU-Herbsttipps für den Naturgarten überwintern sie in abgeblühten Stängeln, totem Holz und Laubhaufen. Lass Staudenreste deshalb bis zum Frühjahr stehen.[26]
Einwegdeko kaufen
Plastikkürbisse und Kunstblätter landen oft nach einer Saison im Müll. Kastanien, bunte Blätter, getrocknete Hagebutten und ein Speisekürbis vom Markt sehen schöner aus und landen danach auf dem Kompost oder in der Küche.
Häufige Fragen zum nachhaltigen Herbst
Was mache ich mit Fallobst?
Darf ich Kürbisschale essen?
Wann sollte ich mit dem Heizen beginnen?
Wie lange halten sich eingekochte Sachen?
Kann ich Laub auf dem Balkon verwenden?
Fazit: Dein nachhaltiger Herbst beginnt heute
Der Herbst ist keine Zeit des Verzichts. Er ist die Jahreszeit mit den meisten Möglichkeiten für einen nachhaltigeren Alltag.
- Saisonal essen: Kürbis, Kohl und Äpfel aus der Region, Winter-Ware aus beheizten Gewächshäusern meiden
- Laub nutzen: Mulch, Kompost, Igelquartier, Rechen statt Laubsauger
- Energie sparen: 20 Grad im Wohnbereich, Stoßlüften, Heizkörper freihalten, Standby ausschalten
- Konservieren: Was jetzt reif ist, für die dunklen Monate bewahren
Du musst nicht alles auf einmal umsetzen. Starte mit einer Sache: der Kürbissuppe am Wochenende, dem Laubhaufen in der Gartenecke oder dem Heizungs-Check. Eine Gewohnheit, die sitzt, ist mehr wert als zehn gute Vorsätze.
Der Herbst gibt dir viele Gelegenheiten. Nutze sie.
Quellen und Belege
Hier stehen die zugeordneten Aussagen und ihre Quellen. Wie eine Aussage geprüft wurde, lässt sich auf ihrer eigenen Seite nachlesen.