Beim Schulmaterial sieht fast alles gleich aus. Ein Heft ist ein Heft, ein Klebestift ist ein Klebestift, und die Verpackungen werben mit Qualität, ohne zu sagen, woraus die Sachen bestehen. Das ist kein Zufall: Für die meisten dieser Produktgruppen gibt es keine Pflicht, das Material überhaupt anzugeben.
Für diesen Artikel wollten wir wissen, woran sich beim Schulbedarf etwas festmachen lässt, das man vor dem Kauf prüfen kann. Wir haben deshalb keine Produkte verglichen, sondern die Vergabekriterien der Umweltzeichen im Volltext gelesen, die es für diese Warengruppen gibt, dazu die Hinweise der Verbraucherzentrale NRW zum Schulanfang.
Das Ergebnis ist unspektakulär und gerade deshalb brauchbar. Bei Papierprodukten und bei Stiften gibt es harte, veröffentlichte Kriterien. Bei Klebstoff, Radiergummi und Tuschkasten hilft eine einzelne Packungsangabe weiter. Bei Schere, Lineal und Spitzer haben wir nichts gefunden, woran man etwas erkennen könnte, und das steht so auch im Text. Wir gehen die Kategorien der Reihe nach durch und sagen jedes Mal dazu, ob sich die Umstellung lohnt. Wie der Schulalltag drumherum aussieht, steht im Ratgeber zum nachhaltigen Schulalltag, und warum beim Schulstart auch der Blick auf Gebrauchtes lohnt, klärt der Text über Schulsachen aus zweiter Hand.
Warum die Materialfrage beim Schulbedarf überhaupt etwas bringt
Schulbedarf ist ein Massengeschäft mit festem Termin. Nach einer Auswertung des Blauen Engels zum Heftemarkt werden in Deutschland jährlich rund 200 Millionen Schulhefte verkauft, aber nur etwa jedes zehnte besteht aus Recyclingpapier. Bei den Stiften liegt die Größenordnung ähnlich hoch. Die Vergabekriterien DE-UZ 200 vom Januar 2026 beziffern den Verbrauch in Deutschland für 2023 auf rund 330 Millionen Kugelschreiber, 177 Millionen Schreiber und Markierstifte mit Filzspitze sowie rund 100 Millionen holzgefasste Bleistifte.
Am besten dokumentiert ist der Unterschied beim Papier. Nach Daten des Blauen Engels zur Recyclingpapier-Bilanz spart die Herstellung von Recyclingpapier gegenüber Frischfaserpapier bis zu 80 Prozent Wasser und rund 70 Prozent Energie. Die Empfehlung des Umweltbundesamts zum Schulstart hält außerdem fest, dass Recyclingpapier dem Frischfaserpapier qualitativ gleichwertig ist. Es geht hier also nicht um Verzicht, sondern um dieselbe Sache aus einem anderen Rohstoff.
Teurer muss das nicht sein. Nach der Zahl der Woche des Statistischen Bundesamtes lagen Papierprodukte wie Schulhefte und Zeichenblöcke im Juni 2026 sogar 0,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau, während sonstiges Schreib- und Zeichenmaterial wie Füller, Stifte und Farbkästen 3,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor kostete. Wer beim Papier umsteigt, zahlt für diese Entscheidung also nichts drauf.
Bei Heften, Blöcken und Ordnern ist die Sache eindeutig
Papierprodukte sind die Kategorie, in der ein Siegel wirklich etwas aussagt. Im Geltungsbereich DE-UZ 14b des Blauen Engels stehen nicht nur Schulhefte, sondern auch Heftumschläge, Mal- und Zeichenblöcke, Karteikarten, Notizbücher, Tonzeichenpapier, Bastelpapier, Hefter, Ordner, Ringbücher, Sammelmappen und Registraturen. Was das Zeichen zusichert, ist überprüfbar.
- Die Papierfasern stammen zu 100 Prozent aus Altpapier.
- Der Einsatz von Chlor, optischen Aufhellern und halogenierten Bleichmitteln ist bei der Herstellung verboten.
- Höchstens 5 Prozent des Produkts dürfen aus anderen Materialien wie Kunststoff oder Metall bestehen.
Der dritte Punkt ist der, den man leicht übersieht. Er entscheidet darüber, wie viel Kunststoffdeckel und Metallmechanik an einem Ordner überhaupt sein dürfen. Für Kopier- und Multifunktionspapier gilt der eigene Geltungsbereich DE-UZ 14a mit derselben Anforderung an den Altpapieranteil. Praktisch heißt das: Wer für ein Kind Hefte, einen Schnellhefter und einen Zeichenblock braucht, kann alle drei mit demselben Zeichen suchen.
Das ist leichter zu finden, als es klingt. In der öffentlichen Liste der Zeichennehmer stehen neben klassischen Papiermarken auch Handelsunternehmen, unter anderem Aldi Süd, Lidl, Edeka, Kaufland, dm-drogerie markt, Rossmann, Müller und die memo AG. Das heißt nicht, dass jedes Heft dieser Anbieter das Zeichen trägt. Es heißt, dass es dort welche gibt und dass die Suche nicht bei einem Spezialversand anfangen muss.

Bei Stiften kommt es auf den Lack und auf die Nachfüllbarkeit an
Der greifbarste Unterschied bei Stiften steht nicht auf der Verpackung, sondern ist zu sehen. Lackiert oder unlackiert. Die Hinweise der Verbraucherzentrale NRW zum Schulanfang sind an dieser Stelle deutlich: In Bleistiften und Holzbuntstiften mit Lacküberzug können sich bedenkliche Stoffe wie Weichmacher verstecken, die vor allem beim Kauen oder Lutschen an den Stiftenden, aber auch über die Haut aufgenommen werden. Sie rät deshalb zu unlackierten Holzstiften, was vor allem bei Kindern zählt, die an ihren Stiften kauen.
Bei den bunten Kunststoffstiften wird es unübersichtlicher. Die Verbraucherzentrale NRW verweist auf einen Test der Stiftung Warentest von 2022, in dem in fast allen Textmarkern allergieauslösende Konservierungsstoffe nachgewiesen wurden. Bei den Tintenrollern fielen sieben von elf durch Schadstoffe auf, unter anderem durch Konservierungsstoffe, Naphthalin und Schwermetalle wie Blei. Die getesteten Tintenpatronen waren dagegen fast alle in Ordnung. Textmarker gibt es inzwischen auch als Holzstift ganz ohne Kunststoffhülle.
Dass es ein eigenes Umweltzeichen für Stifte gibt, wissen die wenigsten. Die Vergabekriterien DE-UZ 200 vom Januar 2026 gelten für Kugelschreiber, Gelschreiber, Tintenroller, Fasermaler, Fineliner, Textmarker, Füllfederhalter, holzgefasste Blei- und Buntstifte, Druckbleistifte, Pinsel und Stempel. Sie laufen bis Ende 2030 und verlangen unter anderem Folgendes.
- PVC ist ausgeschlossen. Die eingesetzten Kunststoffe müssen insgesamt zu mindestens 80 Prozent aus Post-Consumer-Rezyklat bestehen oder zu mindestens 70 Prozent auf nachwachsenden Rohstoffen basieren.
- Eingesetztes Holz muss über FSC, PEFC, Naturland oder vergleichbare Nachweise belegt sein.
- Papierfasern müssen zu 100 Prozent aus Altpapier stammen.
- In den Schreibmedien sind PFAS, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Duftstoffe ausgeschlossen, deren einziger Zweck der Duft ist.
- Für Druckbleistifte, Füllfederhalter, Kugelschreiber, Tintenroller, Gelschreiber und Stempel müssen die Hersteller ein Nachfüllsystem anbieten, das ohne Spezialwerkzeug funktioniert.
Der letzte Punkt entscheidet über die Schuljahre hinweg am meisten. Ein Füller mit Patronen, ein Druckbleistift mit Minen und ein Kugelschreiber mit austauschbarer Mine sind Geräte, die ein Kind Jahre behalten kann. Ein verschweißter Einwegstift ist Müll, sobald die Farbe leer ist, egal wie günstig er war.

Kleber und Radiergummi verraten sich über die Packung
Für Klebstoff und Radiergummi gibt es kein Umweltzeichen, das die Auswahl abkürzt. Was es gibt, sind wenige Angaben, die auf einer Packung entweder stehen oder eben fehlen.
- Kleber sollte als frei von Lösemitteln gekennzeichnet sein. Umgekehrt weist das Gefahrsymbol für Entzündbarkeit, eine Flamme in einer rot umrandeten Raute, auf enthaltene Lösungsmittel hin.
- Ein Hinweis auf Isothiazolinone sollte nicht auf der Packung zu finden sein, das sind Konservierungsmittel, die als allergieauslösend gelten.
- Aus welchem Material Radiergummis bestehen, müssen Hersteller nicht angeben. Anbieter, die auf PVC verzichten, werben oft mit dem Hinweis frei von PVC, und nach genau dieser Angabe lohnt es sich zu suchen.
- Duftende Radiergummis und Buntstifte bleiben besser liegen. Dahinter können allergieauslösende Duftstoffe stecken, und der Erdbeergeruch verleitet Kinder dazu, die Sachen in den Mund zu nehmen.
Für die üblichen Bastelarbeiten in der Schule reichen lösemittelfreie Kleber in flüssiger Form oder als Stift völlig aus. Das ist die angenehme Seite dieses Themas: Die unbedenklichere Wahl ist hier nicht die teurere, sie steht nur ein Regalbrett weiter und trägt kein Warnsymbol.
Tuschkasten, Schere und Lineal sind der ehrlichste Teil der Liste
Wasserfarben, Filz- und Buntstifte sowie Knete sollten nach den Angaben der Verbraucherzentrale ein CE-Zeichen tragen und am besten zusätzlich einen Hinweis darauf, dass sie den europäischen Spielzeugnormen der Reihe DIN EN 71 entsprechen. Bei Wachsmalstiften lohnt der Blick auf Testergebnisse besonders, dort waren polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Mineralölbestandteile nachweisbar.
Am Tuschkasten selbst gibt es einen praktischen Punkt, der mit Chemie nichts zu tun hat. Deckfarbkästen mit einzeln austauschbaren Näpfchen halten so lange, wie das Kind sie behalten will, weil sich Deckweiß und die schnell leeren Farben nachkaufen lassen. Ein Kasten ohne austauschbare Näpfchen ist verbraucht, sobald eine einzige Farbe aufgebraucht ist.
Bei Schere, Lineal, Spitzer und Geodreieck endet unsere Recherche ohne Ergebnis. Ein Umweltzeichen, das für diese Teile Kriterien festlegt, haben wir nicht gefunden, und eine Pflicht zur Materialangabe gibt es auch hier nicht. Was bleibt, ist die Frage nach der Haltbarkeit, und die lässt sich für diese Teile nicht mit einer Quelle beantworten. Belegbar ist nur die benachbarte Aussage der Verbraucherzentrale NRW zu Federmäppchen: Leder oder Stoff sind meist robuster und langlebiger als die Konkurrenz aus Kunststoff und zudem frei von gesundheitsbedenklichen Weichmachern. In Lederprodukten wird allerdings gelegentlich allergieauslösendes Chrom-VI oder krebserzeugendes Anilin nachgewiesen, ein Nachfragen beim Hersteller lohnt also.
Zum Mäppchen gehört noch ein Hinweis, der Geld spart. Fertig bestückte Mäppchen enthalten oft Dinge, die Erstklässler gar nicht brauchen, etwa Füller, Tintenkiller, Schreibschablonen, Zirkel oder Kugelschreiber. Selbst zusammenstellen ist in diesem Fall die kürzere Liste.

Der Schulranzen ist eine Kategorie für sich
Beim Ranzen zählt zuerst etwas anderes als das Material, nämlich dass er passt und dass das Kind im Dunkeln gesehen wird. In Deutschland legt die Norm DIN 58124 Anforderungen an die Sicherheit und die Gebrauchstauglichkeit von Schulranzen fest, dazu gehören unter anderem diese Punkte.
- retroreflektierendes und fluoreszierendes Material
- Tragegurte und Tragegriffe
- Regenwasserdichtheit
- der Verschlussdeckel
Ranzen, die diese Norm erfüllen, sind am GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit erkennbar. Nach den Hinweisen der Verbraucherzentrale NRW zum Schulanfang kann ein solcher Ranzen auch gebraucht gekauft werden, solange die Polsterungen noch intakt sind, damit das Kind vom Tragen keine Druckstellen bekommt. Mehr dazu steht im Text über Schulsachen aus zweiter Hand.
Wann der Unterschied zu klein ist, um überhaupt zu kaufen
Nicht jede Kategorie lohnt eine Umstellung. Der Vergleich, der wirklich zählt, ist nicht das Recyclingheft gegen das Frischfaserheft, sondern das neue Heft gegen das halbvolle aus dem letzten Jahr. Ein Gegenstand, der schon im Haus ist, hat seine Herstellung hinter sich, und dagegen kommt kein Siegel an.
- Halbvolle Hefte und Blöcke werden Schmierpapier, Vokabelkarten oder Notizblock, die leeren Rückseiten sind schnell wieder voll.
- Stifte, die noch schreiben, werden nicht dadurch schlechter, dass ein zertifizierter danebenliegt.
- Ordner und Hefter halten mehrere Jahre, ein neues Etikett reicht meistens.
- Ein Deckfarbkasten mit nachkaufbaren Näpfchen ist dem neuen Kasten überlegen, solange der Deckel schließt.
- Passt der Ranzen noch und ist die Polsterung intakt, gibt es keinen Grund für einen neuen.
Die Umstellung greift dort, wo ohnehin jedes Jahr nachgekauft wird, und das ist genug: Hefte, Blöcke, Klebestifte, Minen, Patronen, Zeichenpapier. Wer dort auf den Blauen Engel und auf zwei Packungsangaben achtet, hat den größten Teil erledigt, ohne einen einzigen funktionierenden Gegenstand zu ersetzen.
Häufige Fehler beim Einkauf der Schulsachen
Die Fehler, die uns bei dieser Recherche immer wieder begegnet sind, haben wenig mit Nachlässigkeit zu tun. Sie entstehen, weil Verpackungen mit Begriffen werben, die niemand einlösen muss.
- Auf Wörter wie umweltfreundlich, öko oder nachhaltig auf der Verpackung vertrauen. Diese Begriffe sind nicht geschützt, der Blaue Engel dagegen ist ein geschütztes Zeichen mit veröffentlichten Kriterien und einem Vertrag dahinter.
- Recyclingpapier am grauen Ton erkennen wollen. Umgekehrt gilt es nicht, graues Papier ist nicht automatisch zertifiziert, und zertifiziertes Papier ist nicht immer grau.
- Das fertig bestückte Mäppchen kaufen. Es enthält oft Füller, Tintenkiller, Schreibschablonen, Zirkel oder Kugelschreiber, die im ersten Schuljahr niemand braucht.
- Duftende Radiergummis und Stifte als harmlose Freude verbuchen. Sie können allergieauslösende Duftstoffe enthalten und verleiten zum Lutschen.
- Alles auf einmal umstellen. Was noch funktioniert, wird aufgebraucht, sonst wird aus der guten Absicht ein zweiter Einkauf.
Keiner dieser Punkte ist für sich dramatisch. Zusammengenommen sind sie der Unterschied zwischen einer Ausstattung, die drei Jahre hält, und einer, die im Februar nachgekauft wird.
Häufige Fragen zu nachhaltigen Schulmaterialien
Woran erkenne ich Schulhefte aus Recyclingpapier?
Sind unlackierte Holzstifte wirklich besser als lackierte?
Gibt es den Blauen Engel auch für Stifte?
Was ist beim Klebstoff für die Schule wichtig?
Lohnt es sich, einen Schulranzen gebraucht zu kaufen?
Drei Angaben reichen für den ganzen Einkauf
Am Ende dieser Recherche bleiben drei Dinge übrig, auf die man beim Einkauf schauen kann. Der Blaue Engel bei allem aus Papier und Karton und, wenn er sich findet, auch bei den Stiften, weil dahinter mit DE-UZ 14b und DE-UZ 200 veröffentlichte Kriterien und ein Vertrag mit der Zeichenvergabestelle stehen. Die Materialangabe bei Stiften und Radiergummi, also unlackiert und frei von PVC. Dazu das Gefahrsymbol beim Kleber, das im Idealfall fehlt.
Der vierte und wichtigste Punkt steht auf keiner Packung. Was vom letzten Jahr noch funktioniert, bleibt im Einsatz. Wer nur ersetzt, was wirklich leer oder kaputt ist, und dabei auf die drei Angaben achtet, kommt weiter als mit einem kompletten Neueinkauf im Zeichen der guten Absicht. Fang mit dem Papier an, dort ist der Unterschied am größten und die Suche am kürzesten.