Rundes analoges Raumthermometer aus Messing an einer hellen Kalkputzwand neben einem geschlossenen hohen Fenster, draußen ein kühler nebliger Herbstmorgen mit Bäumen, auf der tiefen Holzfensterbank ein gefaltetes Paar dicker grauer Wollsocken
Ein Blick aufs Thermometer sagt mehr über den richtigen Heizbeginn als das Kalenderdatum

Wie du in der Übergangszeit nachhaltig heizt

Kühle Morgen, milde Nachmittage: Wann die Heizung wirklich an muss, wie du Sonne und Lüften nutzt und die Anlage für den Herbst vorbereitest.

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Morgens zeigt das Thermometer neun Grad, mittags klettert es auf einundzwanzig, und die Heizung steht seit dem Frühjahr auf Sommerbetrieb. Genau in diesen Wochen zwischen September und November stellt sich für die meisten Haushalte dieselbe Frage: Ist es schon Zeit, die Heizung wieder aufzudrehen, oder reicht noch ein Pullover mehr? Für diesen Artikel wollten wir herausfinden, ob es dafür verlässliche Anhaltspunkte gibt, statt sich allein auf das eigene Frieren zu verlassen.

Die Versuchung ist groß, entweder zu früh voll aufzudrehen, weil ein einzelner kalter Morgen erschreckt, oder zu lange durchzuhalten, aus Sorge vor der nächsten Abrechnung. Beides hat einen Preis: unnötig hohe Heizkosten auf der einen Seite, auskühlende Wände und ein steigendes Schimmelrisiko auf der anderen. Dazwischen liegt eine ruhigere Mitte, für die es ein paar bewusste Entscheidungen braucht, keine radikale Umstellung.

Dieser Ratgeber geht die Übergangszeit der Reihe nach durch: wann der Heizbeginn wirklich sinnvoll ist, welche Handgriffe die Anlage jetzt braucht, wie du in dieser Jahreszeit richtig lüftest und wie du einzelne kühle Stunden überbrückst, ohne teuer nachzuheizen. Wo eine Zahl von einer offiziellen Stelle stammt, steht das im Text, und wo wir an eine Grenze stoßen, schreiben wir das ebenso offen.

Warum die Übergangszeit beim Heizen zählt

Jedes Grad Raumtemperatur kostet Energie, und zwar mehr, als die meisten schätzen. Die Tipps der Verbraucherzentrale zum Heizkosten sparen nennen eine einfache Faustregel: Jedes Grad weniger Raumtemperatur senkt den Heizenergieverbrauch um rund 6 Prozent. Wer im Oktober noch zwei, drei Grad kühler lebt, statt die Wohnung sofort auf Wohlfühltemperatur zu bringen, spart über die ganze Heizperiode spürbar.

Ganz herunterkühlen lassen solltest du die Wohnung trotzdem nicht. Die FAQ des Umweltbundesamts zur Raumtemperatur in der Heizperiode hält fest, dass das Schimmelrisiko steigt, wenn die relative Luftfeuchte, also der Anteil der Feuchtigkeit, den die Luft bei ihrer Temperatur höchstens aufnehmen kann, über Tage und Wochen hinweg über 60 Prozent liegt oder die Raumtemperatur in genutzten Räumen unter 16 bis 18 Grad sinkt; empfohlen wird, tagsüber nicht unter 19 bis 20 Grad zu gehen. Das Umweltbundesamt bezieht diese Werte auf die Heizperiode insgesamt. Dass sie schon in den ersten kühlen Herbstwochen greifen, ist unsere naheliegende Einordnung für den Saisonbeginn, keine eigene zeitliche Aussage der Quelle.

Den richtigen Heizbeginn finden

Der sinnvolle Zeitpunkt hängt stärker vom Gebäude ab als vom Kalender. co2online zur Heizperiode und zum richtigen Heizbeginn nennt Richtwerte nach energetischem Zustand: In einem unsanierten Altbau lohnt sich Heizen oft schon ab 15 bis 17 Grad Außentemperatur, in einem gut gedämmten Passivhaus erst ab 9 bis 11 Grad. Wer weiß, wie sein Gebäude gedämmt ist, orientiert sich besser an dieser Spanne als an einem festen Datum.

Für Mietwohnungen in Deutschland gibt es keine gesetzlich festgelegte Heizperiode. Nach der Pressemeldung des Deutschen Mieterbunds zur Heizperiode beruht das verbreitete Zeitfenster vom 1. Oktober bis 30. April nur auf wiederholter Rechtsprechung, nicht auf einem Gesetzestext; tagsüber, zwischen 6 und 24 Uhr, muss die Wohnung dieser Darstellung zufolge mindestens 20 bis 22 Grad warm werden, nachts mindestens etwa 18 Grad, sonst gilt sie als mangelhaft. Als Vermieterpflicht nennt co2online zusätzlich eine feste Schwelle: Heizen ist erforderlich, sobald die Außentemperatur unter 16 Grad sinkt und an den beiden Folgetagen nicht wieder über 20 Grad steigt. Beides sind Darstellungen von Mieterbund und Energieberatungsportal, keine Rechtsberatung und keine Gesetzesnorm; im Streitfall entscheidet die konkrete Rechtsprechung vor Ort, und für Österreich und die Schweiz liegt uns keine vergleichbare Quelle vor.

Die Heizung fit für die neue Saison machen

Bevor die neue Heizsaison beginnt, lohnt ein Blick auf die Regelung der Anlage selbst. Die Verbraucherzentrale zur Einstellung der Heizkurve erklärt, wie eine witterungsgeführte Heizungsregelung funktioniert: Sie passt die Vorlauftemperatur automatisch an die Außentemperatur an. Richtig eingestellt genügt dafür die niedrigstmögliche Vorlauftemperatur, bei der die Räume mit voll geöffneten Thermostatventilen noch warm werden; das ist besonders bei Wärmepumpen entscheidend für die Effizienz.

  • Sommerbetrieb beenden und die Heizungssteuerung wieder auf die automatische Regelung umstellen
  • Die Heizkurve von einer Fachfirma prüfen lassen, statt sie unverändert aus dem Vorjahr zu übernehmen
  • Heizkörper von Möbeln, Vorhängen und Wäscheständern freiräumen, damit die Wärme ungehindert in den Raum kommt
  • Thermostatventile einmal testweise ganz aufdrehen und wieder schließen, damit sie nach dem Sommer nicht klemmen

Wer in einem größeren Mehrfamilienhaus wohnt, hat oft eine zusätzliche gesetzliche Pflicht im Rücken. Der Paragraf 60b des Gebäudeenergiegesetzes verlangt für Gebäude mit mindestens sechs Wohneinheiten eine Heizungsprüfung und -optimierung der wasserbeheizten Heizungsanlage, sofern sie keine Wärmepumpe ist; für vor Oktober 2009 eingebaute Anlagen läuft die Frist spätestens am 30. September 2027 ab. Beim Einbau einer solchen Anlage schreibt der Paragraf 60c des Gebäudeenergiegesetzes zusätzlich einen hydraulischen Abgleich vor. Dazu gehören laut Gesetz eine raumweise Berechnung der Heizlast, die Prüfung der Heizflächen im Hinblick auf eine möglichst niedrige Vorlauftemperatur und die Anpassung der Vorlauftemperaturregelung. Die Verbraucherzentrale zum hydraulischen Abgleich beziffert das Sparpotenzial auf rund 15 Prozent der Heizkosten, ein Wert, der im Gesetzestext selbst nicht steht, aber die Investition einordnet.

Weißer Heizkörper unter einem Fenster, auf der Fensterbank darüber liegt ein kleiner Entlüftungsschlüssel
Ein kurzer Check mit dem Entlüftungsschlüssel gehört vor die erste kalte Nacht, nicht danach

Richtig lüften in der Übergangszeit

Lüften bleibt Pflicht, verändert in der Übergangszeit aber seine Dauer. Der Ratgeber der Verbraucherzentrale zum Heizen und Lüften rät, in dieser Jahreszeit deutlich länger zu lüften als im Winter: Statt drei bis fünf Minuten braucht der komplette Luftaustausch jetzt zehn bis 20 Minuten, weil der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen kleiner ist. Wer aus Gewohnheit nur kurz stoßlüftet, tauscht in dieser Jahreszeit oft zu wenig Luft aus.

Die Luftfeuchte im Blick zu behalten bleibt trotzdem wichtig. Laut der FAQ des Umweltbundesamts zur Raumtemperatur in der Heizperiode steigt das Schimmelrisiko, wenn die relative Luftfeuchte über Tage und Wochen oberhalb von 60 Prozent liegt. Ein einfaches Hygrometer zeigt das zuverlässiger an als das eigene Gefühl, gerade in Räumen, die selten gelüftet werden.

Weit geöffnetes Fenster mit Blick auf einen ruhigen herbstlichen Hof und eine unbewegte Gardine
In der Übergangszeit darf das Fenster länger offen bleiben als im Winter

Kühle Stunden überbrücken, ohne teuer nachzuheizen

Der Griff zum Heizlüfter für den kalten Fuß am Schreibtisch wirkt harmlos, ist aber teuer. Der Heizlüfter-Ratgeber von co2online rechnet vor: 15 Minuten Nutzung am Tag summieren sich auf rund 36,50 Euro im Jahr, bei zwei Stunden täglich sind es bereits 292 Euro. Als Ersatz für die Zentralheizung ist ein Heizlüfter damit um ein Vielfaches teurer als Gas.

Für die einzelne kühle Stunde gibt es unaufwendigere Wege. Kleidung in Schichten übereinander hält wärmer als ein einzelnes dickes Teil und lässt sich im Lauf des Tages anpassen; wer seinen Kleiderschrank ohnehin gerade auf den Herbst umstellt, findet dafür Anregungen in unserem Beitrag Deinen Kleiderschrank systematisch auf den Herbst vorbereiten. Eine Decke über den Knien hilft am Schreibtisch oder auf dem Sofa zusätzlich, ohne dass dafür irgendetwas eingesteckt werden muss. Tagsüber lohnt es sich außerdem, Sonnenlicht durch offene Vorhänge hereinzulassen, und sobald die Sonne weiterzieht, hält ein rechtzeitig geschlossener Vorhang die Wärme wieder drinnen, ganz ohne zusätzlichen Stromverbrauch.

Ausgesteckter grauer Heizlüfter auf Holzboden neben einem Sessel mit gefaltetem Strickcardigan
Ein zusätzlicher Pullover kostet nichts, der Heizlüfter dagegen schon

Häufige Fehler beim Start in die Heizsaison

Diese Fehler begegnen uns in der Übergangszeit besonders oft, weil die Tage noch mild wirken und die Heizsaison erst schleichend beginnt.

  • Bei der ersten kalten Nacht die Heizung sofort voll aufdrehen, statt sie schrittweise auf die passende Vorlauftemperatur einzustellen
  • Fenster dauerhaft kippen, statt mit weit geöffnetem Fenster stoßzulüften
  • Den Heizlüfter zur Dauerlösung für kalte Zimmer machen, statt ihn nur für einzelne kurze Momente zu nutzen
  • Die Wohnung aus Sparsamkeit so stark auskühlen lassen, dass Wände und Ecken dauerhaft unter der kritischen Temperaturschwelle bleiben

Keiner dieser Fehler richtet für sich allein sofort Schaden an. Problematisch wird es erst, wenn mehrere über Wochen zusammenkommen, etwa dauerhaft gekippte Fenster kombiniert mit einer stark heruntergedrehten Heizung im selben Zimmer.

Häufige Fragen zum Heizen in der Übergangszeit

Ab wann sollte ich die Heizung einschalten?
Das hängt stärker vom Gebäude ab als vom Datum. co2online zur Heizperiode und zum richtigen Heizbeginn nennt für einen unsanierten Altbau Werte ab 15 bis 17 Grad Außentemperatur, für ein gut gedämmtes Passivhaus erst ab 9 bis 11 Grad. Wer den energetischen Zustand seines Gebäudes kennt, orientiert sich besser an dieser Spanne als an einem festen Kalendertag.
Muss mein Vermieter schon im September heizen?
Eine gesetzlich festgelegte Heizperiode gibt es in Deutschland nicht, das Zeitfenster vom 1. Oktober bis 30. April hat sich nur durch wiederholte Gerichtsurteile eingebürgert. Als Vermieterpflicht nennt co2online eine konkrete Schwelle: Heizen ist erforderlich, sobald die Außentemperatur unter 16 Grad sinkt und an den beiden Folgetagen nicht wieder über 20 Grad steigt. Das ist eine Darstellung von Energieberatungsportal und Mieterbund, keine Rechtsberatung; im Einzelfall entscheidet die Rechtsprechung vor Ort, und die Aussage gilt nur für Deutschland.
Wie lange sollte ich im Herbst lüften?
Deutlich länger als im Winter. Der Ratgeber der Verbraucherzentrale zum Heizen und Lüften nennt für die Übergangszeit zehn bis 20 Minuten für den kompletten Luftaustausch, weil der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen kleiner ist als im Hochwinter, wo drei bis fünf Minuten reichen.
Lohnt sich ein Heizlüfter für kühle Abende?
Kaum. Nach dem Heizlüfter-Ratgeber von co2online kosten schon 15 Minuten tägliche Nutzung rund 36,50 Euro im Jahr, bei zwei Stunden täglich sind es 292 Euro. Als dauerhafter Ersatz für die Zentralheizung ist ein Heizlüfter damit um ein Vielfaches teurer als Gas; für den einzelnen kalten Moment kann er trotzdem praktisch sein.

Der Start in die Heizsaison gelingt in kleinen Schritten

Drei Handgriffe bringen dich sicher durch die Übergangszeit: den Heizbeginn am energetischen Zustand deines Gebäudes orientieren statt am Kalender, die Anlage vor der ersten kalten Nacht einmal durchchecken, und in der Zwischenzeit lieber zehn Minuten länger lüften als die Wohnung auskühlen zu lassen. Keiner dieser Schritte kostet mehr als eine halbe Stunde.

Am einfachsten fängst du mit dem an, was am wenigsten Aufwand macht: die Heizkörper von Möbeln freiräumen und die Thermostatventile einmal testweise aufdrehen. Der Rest der Saison läuft von dort aus deutlich ruhiger, und die Entscheidung, wann es an der Zeit ist, den Thermostat höherzudrehen, fällt dir dann leichter als am ersten kalten Morgen.

Quellen und Referenzen

  1. Jedes Grad weniger Raumtemperatur senkt den Heizenergieverbrauch um rund 6 Prozent.

  2. In der Heizperiode steigt laut Umweltbundesamt das Risiko für Schimmel, wenn die relative Luftfeuchte über Tage und Wochen oberhalb von 60 Prozent liegt oder die Raumtemperatur in genutzten Wohnungen unter 16 bis 18 Grad sinkt; empfohlen wird, tagsüber nicht unter 19 bis 20 Grad zu gehen.

  3. Ab wann sich Heizen lohnt, hängt vom energetischen Zustand des Gebäudes ab: Richtwerte reichen von 15 bis 17 Grad Außentemperatur für unsanierte Altbauten bis 9 bis 11 Grad für Passivhäuser. Für Mietwohnungen nennt co2online zudem, dass Vermietende die Heizung einschalten müssen, wenn die Außentemperatur unter 16 Grad sinkt und an den beiden Folgetagen nicht wieder über 20 Grad steigt.

  4. Eine gesetzlich festgelegte Heizperiode gibt es in Deutschland nicht; das übliche Zeitfenster vom 1. Oktober bis 30. April beruht auf Gerichtsurteilen. Nach Darstellung des Deutschen Mieterbunds muss die Wohnung tagsüber (6 bis 24 Uhr) mindestens 20 bis 22 Grad warm werden, nachts mindestens etwa 18 Grad; wird das unterschritten, gilt die Wohnung als mangelhaft.

  5. Eine witterungsgeführte Heizungsregelung passt die Vorlauftemperatur automatisch an die Außentemperatur an; richtig eingestellt genügt die niedrigstmögliche Vorlauftemperatur, bei der die Räume mit voll geöffneten Thermostatventilen noch warm werden, und das ist besonders bei Wärmepumpen entscheidend für die Effizienz.

  6. In Gebäuden mit mindestens sechs Wohneinheiten verlangt das Gebäudeenergiegesetz für wasserbeheizte Heizungsanlagen, die keine Wärmepumpen sind, eine Heizungsprüfung und -optimierung, bei vor Oktober 2009 eingebauten Anlagen spätestens bis zum 30. September 2027, und beim Einbau einer solchen Anlage einen hydraulischen Abgleich. Laut Verbraucherzentrale kann ein hydraulischer Abgleich rund 15 Prozent der Heizkosten einsparen.

  7. In der Übergangszeit muss deutlich länger gelüftet werden als im Winter: Statt drei bis fünf Minuten braucht der komplette Luftaustausch zehn bis 20 Minuten, weil der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen kleiner ist.

  8. Ein Heizlüfter kostet schon bei kurzer täglicher Nutzung deutlich mehr als gedacht: 15 Minuten am Tag summieren sich auf rund 36,50 Euro im Jahr, zwei Stunden täglich auf 292 Euro. Als Ersatz für die Zentralheizung ist er um ein Vielfaches teurer als Gas.