Sonnenbeschienene Altbaufassade mit halb geschlossenen Fensterläden an einem heißen Sommertag
Außenliegende Verschattung hält die Hitze ab, bevor sie ins Zimmer kommt

So bleibst du bei extremer Hitze kühl, ohne das Klima weiter aufzuheizen

Bei 40 Grad nachhaltig kühl bleiben: Wohnung ohne Klimaanlage kühlen, Körper und Haut schützen, richtig anziehen. Der Hitze-Ratgeber.

Mit KI erstellt, redaktionell geprüft

Heute, an diesem letzten Freitag im Juni 2026, steht in Frankfurt die Luft. Der Asphalt vor unserer Haustür im Westend flimmert schon am Vormittag, die Straßenbahnschienen glänzen, und am Mainufer sucht jeder Mensch den Schatten unter den Platanen. Das Thermometer an der Apotheke zeigt kurz nach Mittag 39 Grad Celsius. Wer hier wohnt, kennt heiße Sommertage, aber diese Hitzewelle fühlt sich anders an: schwerer, zäher und vor allem unerbittlich, weil auch die Nächte kaum noch Abkühlung bringen.

Angefangen hat dieser Artikel, weil die Frage in unserem Umfeld gerade überall auftaucht: Wie kommt man durch so eine Hitze, ohne sich eine Klimaanlage in die Altbauwohnung zu schrauben? Der Deutsche Wetterdienst berechnete für diese Tage unter dem Hoch HARTMUT vom Oberrhein bis ins Rhein-Main-Gebiet rund um Frankfurt rund 40 Grad Celsius, regional sogar bis 41 Grad Celsius. Damit lag der deutsche Allzeitrekord von 41,2 Grad Celsius aus dem Jahr 2019 in Reichweite. Das ist keine Lappalie mehr, sondern eine Wetterlage, bei der Gesundheit und Energieverbrauch unmittelbar zusammenhängen.[1]

So außergewöhnlich sich diese Zahlen anfühlen, sie sind längst kein Ausreißer mehr. Extreme Hitze gehört in Mitteleuropa zur neuen Normalität, und genau deshalb ist dieser Ratgeber bewusst nicht als kurze Schlagzeile zum heutigen Tag gedacht, sondern als gründliche Anleitung, auf die du in jedem Hochsommer zurückkommen kannst. Was heute hilft, hilft im nächsten Juli wieder.

In diesem Artikel gehen wir die ganze Kette durch: Warum es überhaupt so heiß wird und warum Städte wie Frankfurt die Hitze besonders festhalten. Wie du deine Wohnung kühl hältst, ohne Strom und Klima zu belasten. Wie du deinen Körper schützt und gesund bleibst. Wie du deine Haut vor der starken Sonne bewahrst und was du bei großer Hitze am besten anziehst. Der rote Faden ist dabei immer derselbe: kühl bleiben, ohne mit der eigenen Lösung das Klima noch weiter aufzuheizen. Am Ende stehen Antworten auf die häufigsten Fragen und eine kurze Liste der Fehler, die fast jeder schon einmal gemacht hat.

Ein Wort zur Einordnung vorweg: Wir schreiben das aus der Perspektive von Menschen, die selbst in einer Frankfurter Altbauwohnung ohne Klimaanlage durch jeden Hochsommer kommen, und wir stützen die Empfehlungen auf offizielle Stellen wie das Umweltbundesamt, den Deutschen Wetterdienst und das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit. Wo wir an Grenzen stoßen oder etwas nicht sicher belegen können, sagen wir es offen. Was hier steht, ersetzt im Ernstfall keine ärztliche Hilfe, sondern soll dir helfen, gut vorbereitet und gelassen durch die heißen Tage zu kommen.

Warum es gerade so heiß ist

Eine einzelne Hitzewelle ist immer eine Mischung aus Wetter und Klima. Das Wetter liefert die akute Lage, in diesem Fall ein stabiles Hochdruckgebiet, das warme Luft aus Südwesteuropa heranführt und tagelang über Mitteleuropa liegen bleibt. Das Klima liefert den Hintergrund, vor dem solche Lagen heißer und häufiger ausfallen als noch vor wenigen Jahrzehnten.

Wie deutlich sich dieser Hintergrund verschoben hat, zeigen die Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes. Demnach ist die mittlere Jahrestemperatur in Deutschland von 1881 bis 2021 um 1,6 Grad Celsius gestiegen. Noch greifbarer wird es bei den heißen Tagen, also Tagen mit mindestens 30 Grad Celsius: Ihre Zahl hat sich seit den 1950er Jahren von etwa drei auf durchschnittlich neun Tage pro Jahr verdreifacht, und markante Hitzeperioden nahmen sowohl in der Häufigkeit als auch in der Intensität zu. Was sich heute extrem anfühlt, war vor zwei Generationen schlicht seltener.[2]

Diese Zahlen sind keine abstrakte Statistik. Hitze gehört zu den am meisten unterschätzten Gesundheitsrisiken überhaupt, weil sie schleichend wirkt und keine Bilder von umgestürzten Bäumen oder überfluteten Straßen hinterlässt wie ein Sturm oder ein Hochwasser. Gerade deshalb lohnt es sich, sie ernst zu nehmen, bevor der eigene Körper die Quittung schickt. Die gute Nachricht bleibt: Anders als beim Wetter selbst hast du bei der eigenen Vorbereitung sehr wohl etwas in der Hand, und genau darum geht es im Rest dieses Textes.

Die Stadt als Wärmespeicher

Wer in einer Großstadt wohnt, spürt die Hitze noch einmal stärker als auf dem Land, und das hat einen handfesten physikalischen Grund. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie beschreibt das Phänomen der städtischen Wärmeinsel: Dicht bebaute Innenstädte speichern tagsüber Wärme in Asphalt, Beton und Gebäuden und geben sie nachts wieder ab. Genau dadurch bleibt die nächtliche Abkühlung aus, auf die der Körper eigentlich angewiesen ist.[3]

Wie groß der Unterschied ist, lässt sich in Frankfurt sogar zu Fuß erlaufen. Die Daten des Hessischen Landesamts zur städtischen Wärmeinsel zeigen, dass begrünte Flächen wie der baumbestandene Grüneburgpark im Sommer tagsüber deutlich kühler sind als die bebauten Straßen ringsum, weil Vegetation kaum Wärme speichert und über die Blätter sogar aktiv kühlt. Wir merken das jedes Mal, wenn wir aus dem aufgeheizten Nordend in den Park abbiegen: Es sind oft nur ein paar Hundert Meter, aber der Temperaturunterschied ist sofort körperlich spürbar.[3]

Das ist mehr als ein netter Spaziergangseffekt. Es erklärt, warum dein Wohnort, deine Straße und sogar deine Etage darüber mitentscheiden, wie stark dich eine Hitzewelle trifft. Eine begrünte Hofseite, ein Baum vor dem Fenster oder ein Balkon mit Pflanzen sind kein Luxus, sondern echte Temperaturregler. Es erklärt zugleich, warum die Stadtplanung mit Entsiegelung, Stadtbäumen und Dachbegrünung zu den wirksamsten langfristigen Antworten auf Hitze gehört. Wer in einer obersten Etage unter einem schlecht gedämmten Dach wohnt, kennt die Kehrseite: Dort staut sich die Hitze besonders, während eine Wohnung im kühlen Erdgeschoss oder mit Nordausrichtung deutlich entspannter durch die Hitzewelle kommt.

Warum ein kühler Sommer nichts widerlegt

An dieser Stelle lohnt sich eine ehrliche Einordnung, denn auf eine Hitzewelle folgt manchmal ein verregneter, kühler Sommer, und schnell heißt es, vom Klimawandel sei nichts zu merken. Das verwechselt Wetter mit Klima. Das Wetter schwankt von Tag zu Tag und von Jahr zu Jahr, das Klima beschreibt den langfristigen Durchschnitt über Jahrzehnte. Ein einzelner kühler Sommer ist deshalb genauso wenig ein Gegenbeweis, wie ein einzelner Hitzerekord für sich genommen schon der Beleg ist.

Aussagekraft hat erst der Trend, und der ist bei den Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes eindeutig: Die mittlere Temperatur steigt, und heiße Tage werden häufiger. Genau deshalb behandeln wir diesen Ratgeber als Werkzeug für viele Sommer und nicht als Reaktion auf einen einzelnen Rekordtag. Die nächste Hitzewelle kommt so sicher wie das nächste Tief, die Frage ist nur, wie gut du darauf vorbereitet bist.

Was eine Tropennacht ist

Im Zusammenhang mit Hitzewellen fällt fast immer der Begriff Tropennacht. Gemeint ist eine Nacht, in der die Temperatur nicht unter 20 Grad Celsius fällt. Das klingt zunächst harmlos, ist aber der eigentlich kritische Punkt einer langen Hitzeperiode. Tagsüber kann sich der Körper notdürftig arrangieren, nachts braucht er die Abkühlung, um den Kreislauf herunterzufahren und sich zu erholen.

Bleibt diese Abkühlung aus, summiert sich die Belastung von Tag zu Tag. Genau hier schließt sich der Kreis zur Wärmeinsel: In der Stadt sind Tropennächte deutlich häufiger als im Umland, weil die gespeicherte Tageswärme die Nachtwerte oben hält. Wer also nach mehreren Hitzetagen morgens wie gerädert aufwacht, bildet sich das nicht ein, sondern erlebt die direkte Folge fehlender nächtlicher Erholung.

Die gute Nachricht ist, dass du auf jeder dieser Ebenen ansetzen kannst, von der Wohnung über den Körper bis zur Kleidung. Genau das gehen wir jetzt der Reihe nach durch, und wir fangen dort an, wo du am meisten erreichen kannst: bei den eigenen vier Wänden.

Die Wohnung kühl halten ohne Klimaanlage

Die naheliegendste Reaktion auf 40 Grad Celsius ist der Griff zur Klimaanlage. Verständlich, aber aus Nachhaltigkeitssicht ist es der Schritt mit den größten Nebenwirkungen. Klimageräte verbrauchen viel Strom, geben ihre Abwärme nach draußen ab und heizen damit die ohnehin überhitzten Straßen zusätzlich auf. Das Gerät, das deine Wohnung kühlt, macht die Stadt ein Stück wärmer und treibt, solange der Strom nicht vollständig aus erneuerbaren Quellen kommt, den Klimawandel weiter an, der die Hitze überhaupt erst verschärft. Es lohnt sich also, zuerst alle passiven Mittel auszureizen.

Das Wirksamste ist dabei verblüffend einfach und kostet nichts. Nach den Empfehlungen des Umweltbundesamts für kühle Räume solltest du die Fenster tagsüber geschlossen halten, damit die warme Außenluft gar nicht erst in die Wohnung dringt, und erst abends und nachts lüften, sobald es draußen kühler ist als drinnen. Das widerspricht dem Reflex, bei Hitze sofort alles aufzureißen, ist aber entscheidend: Wer mittags bei 39 Grad Celsius lüftet, holt sich die Hitze ins Haus.[4]

Verschattung ist wirksamer als Kühlung

Noch bevor Wärme zu Luft wird, kommt sie als Sonnenlicht durch die Scheibe. Hier liegt der zweite wichtige Punkt, und die Reihenfolge entscheidet über die Wirkung. Nach den Empfehlungen des Umweltbundesamts hält außenliegende Verschattung wie Rollläden, Jalousien oder Fensterläden 80 bis 90 Prozent der Sonneneinstrahlung ab, innenliegende Rollos dagegen nur 5 bis 45 Prozent. Der Grund ist simpel: Was außen abgefangen wird, heizt die Scheibe gar nicht erst auf. Was innen hängt, hat die Sonnenenergie bereits hereingelassen.

Praktisch heißt das: Wenn du die Wahl hast, investiere zuerst in außenliegenden Schutz. In einer Mietwohnung ohne Rollladen helfen schon einfache Mittel wie ein heller, von außen angebrachter Sonnenschutz am Balkon, eine Markise oder ein Sonnensegel. Wo nur innenliegende Vorhänge möglich sind, wähle helle, dichte Stoffe, die das Licht reflektieren statt es zu schlucken. Richte außerdem deinen Tag nach der Sonne aus: die Ost- und Südfenster am Morgen und Mittag konsequent verschatten, die Westseite am Nachmittag.[4]

  • Außen vor innen: Rollläden, Fensterläden oder Markisen halten ein Vielfaches mehr ab als innenliegende Rollos.
  • Tagsüber Fenster und Verschattung zu, nachts und am frühen Morgen quer lüften, wenn es draußen abgekühlt hat.
  • Helle Stoffe und Oberflächen reflektieren Licht, dunkle schlucken es und geben die Wärme an den Raum ab.
  • Innenliegende Rollos sind besser als nichts, ersetzen aber keinen außenliegenden Schutz.

Wärmequellen im Inneren abschalten

Ein Teil der Hitze entsteht in der Wohnung selbst. Jedes Gerät, das Strom verbraucht, gibt Wärme ab, und einige tun das ganz erheblich. Der Backofen und der Herd sind im Hochsommer die größten Wärmequellen, dicht gefolgt von Wäschetrockner, Geschirrspüler im Heißgang und allen Geräten, die im Standby vor sich hin glühen. An heißen Tagen lohnt es sich, die Küche kalt zu halten, kalt zu essen und energieintensive Arbeiten wie das Wäschewaschen auf die kühleren Abendstunden zu legen.

Auch klassische Glühlampen und ältere Halogenstrahler erzeugen spürbar Wärme. Wo noch welche im Einsatz sind, sind sparsame Leuchtmittel im Sommer ein doppelter Gewinn, weil sie weniger Strom ziehen und weniger heizen. Es sind viele kleine Dinge, aber zusammen halten sie den Raum oft um einige Grad kühler, ganz ohne zusätzlichen Verbrauch.

Ventilator statt Klimagerät

Wenn die passiven Mittel nicht reichen, ist der Ventilator das nachhaltige Mittel der Wahl. Er kühlt zwar nicht die Raumluft, aber er bewegt sie, und bewegte Luft fühlt sich auf der Haut deutlich kühler an, weil sie die Verdunstung von Schweiß beschleunigt. Genau darauf weist auch das Umweltbundesamt hin: Ventilatoren kühlen die Haut durch Luftbewegung und haben dabei eine 20 bis 50 Mal kleinere Leistungsaufnahme als ein Klimagerät. Anders gesagt: Für den Strom, den ein Klimagerät zieht, kannst du eine ganze Wohnung mit Ventilatoren versorgen.[4]

Ein einfacher Trick verstärkt den Effekt: Stell eine Schale mit Eiswürfeln oder ein feuchtes Tuch vor den Ventilator, dann nimmt die Luft beim Vorbeistreichen etwas Kühle mit. Wenn es nachts draußen abkühlt, kann ein ans Fenster gestellter Ventilator die kühlere Außenluft aktiv hereinholen, am wirksamsten im Querzug zwischen zwei gegenüberliegenden Fenstern. So nutzt du die Nachtabsenkung, die der Stadt sonst so oft fehlt. Eine ehrliche Einschränkung dazu: Bei extremer, anhaltender Hitze und in Räumen, in denen Risikogruppen leben, kann aktive Kühlung medizinisch sinnvoll oder sogar notwendig sein. Der Reflex zur Klimaanlage als erster Lösung ist das Problem, nicht ihr Einsatz als letztes Mittel im Notfall.

Bei der Wahl des Geräts gilt: Schon ein einfacher Standventilator oder ein kleiner Tischventilator reicht völlig. Ein Deckenventilator verteilt die Luft großflächig und ist im Dauerbetrieb besonders sparsam. Worauf es ankommt, ist nicht die Leistung, sondern die Platzierung. Ein Ventilator, der dich direkt anströmt oder die kühle Nachtluft vom geöffneten Fenster in den Raum trägt, bringt spürbar mehr als ein starkes Gerät in der falschen Ecke.

Den Schlafraum zur kühlsten Zone machen

Weil die nächtliche Erholung der wunde Punkt jeder Hitzewelle ist, lohnt es sich, einen Raum gezielt zur kühlsten Zone der Wohnung zu machen, am besten das Schlafzimmer. Halte es konsequent den ganzen Tag verschattet und geschlossen, lass tagsüber keine Wärmequellen wie Ladegeräte oder Geräte im Standby laufen und öffne es erst spät am Abend zum Querlüften. Wer die Wahl hat, schläft in einer Hitzewelle im kühlsten Raum, auch wenn das bedeutet, die Matratze für ein paar Nächte ins Wohnzimmer im Erdgeschoss oder auf die schattige Nordseite zu verlegen.

Hilfreich ist außerdem leichte Bettwäsche aus Naturfasern, eine dünne Decke statt einer warmen und ein kurzes, lauwarmes Duschen kurz vor dem Schlafengehen. Lauwarm ist hier wichtiger, als es klingt, denn eiskalt würde der Körper hinterher gegenheizen. Ein feuchtes, ausgewrungenes Tuch über den Unterschenkeln oder im Nacken kühlt sanft über die Verdunstung, ohne den Kreislauf zu überfordern. So holst du dir wenigstens einen Teil der Erholung zurück, die eine Tropennacht sonst verschluckt.

Pflanzen, Balkon und der kühle Boden

Was im Großen für die Stadt gilt, funktioniert im Kleinen auf dem Balkon und in der Wohnung. Pflanzen verdunsten Wasser über ihre Blätter und kühlen dadurch ihre unmittelbare Umgebung, und eine begrünte, beschattete Balkonseite heizt sich deutlich weniger auf als nackter Beton. Wer einen Balkon oder ein Fensterbrett hat, schafft sich mit ein paar robusten Kübelpflanzen einen kleinen, kühleren Vorbereich, der zugleich Schatten auf die Scheibe wirft.

Drinnen hilft schlichte Verdunstung: Ein feucht gewischter Fußboden, ein aufgehängtes nasses Laken oder eine flache Schale Wasser geben beim Trocknen Kühle an den Raum ab. Der Effekt ist begrenzt und kurzlebig, aber er kostet nichts und keine Energie. In sehr trockener Hitze wirkt er am besten, bei schwüler, feuchter Luft weniger, weil die Luft dann kaum noch Feuchtigkeit aufnimmt. Es ist kein Ersatz für Verschattung und Nachtlüften, aber eine sinnvolle Ergänzung an den heißesten Nachmittagen.

Langfristig gegen die Hitze vorsorgen

Wer baut, saniert oder als Mieter Wünsche anbringen kann, denkt die Hitze am besten gleich mit. Eine gute Dämmung hält die Wärme im Sommer draußen, so wie sie im Winter die Wärme drinnen hält, und ist damit das ganze Jahr über ein Gewinn. Helle Fassaden und Dächer reflektieren mehr Sonne als dunkle, außenliegende Rollläden lassen sich oft nachrüsten, und ein Laubbaum vor dem Südfenster spendet im Sommer Schatten und lässt im Winter, wenn er kahl ist, das Licht durch. Solche Maßnahmen kosten zunächst, zahlen sich aber über viele Sommer aus und senken nebenbei den Energiebedarf. So wird aus der akuten Reaktion auf eine Hitzewelle eine dauerhafte Vorsorge, die der nächsten Welle einen Teil ihrer Wucht nimmt.

Den Körper kühlen und gesund bleiben

So wichtig die kühle Wohnung ist, am Ende geht es um deinen Körper. Bei großer Hitze arbeitet der Kreislauf auf Hochtouren, um die Körpertemperatur zu halten, und genau das wird mit jedem Hitzetag anstrengender. Die gute Nachricht: Mit ein paar einfachen Gewohnheiten unterstützt du deinen Körper wirksam, und vieles davon kostet nichts außer ein bisschen Umstellung im Tagesablauf.

An erster Stelle steht das Trinken. Die Hitze-Empfehlungen des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit raten, bei Hitze etwa zwei bis drei Liter Flüssigkeit pro Tag aufzunehmen, vorzugsweise Wasser und ungesüßte Tees, und Alkohol zu meiden, weil er den Kreislauf zusätzlich belastet. Wichtig ist, nicht erst zu trinken, wenn der Durst kommt: Das Bundesinstitut rät ausdrücklich, auch ohne Durst zu trinken. Ein Glas Wasser zu jeder vollen Stunde ist ein guter, unaufgeregter Rhythmus.[5]

Beim Trinken kommt es auch auf das Was an. Wasser und ungesüßte Tees sind die erste Wahl, eine Saftschorle gleicht zusätzlich Mineralstoffe aus, die der Körper über den Schweiß verliert. Eiskalte Getränke sind dagegen weniger hilfreich, als sie sich anfühlen, weil der Körper die Kälte hinterher ausgleicht und du am Ende mehr schwitzt. Auch das Essen trägt zur Versorgung bei: Wasserreiche Lebensmittel wie Gurke, Melone, Tomate und Salat liefern nebenbei Flüssigkeit und Mineralstoffe, während schwere, fettige Mahlzeiten den Kreislauf zusätzlich belasten. Lieber mehrere kleine, leichte Portionen über den Tag als ein großes warmes Mittagessen in der größten Hitze.

Den Tag nach der Hitze takten

Genauso sehr kommt es auf das richtige Timing an. Nach den Empfehlungen des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit solltest du intensive körperliche Tätigkeit zwischen 11 und 17 Uhr meiden. Das betrifft nicht nur den Sport, sondern auch Gartenarbeit, Umzugskisten oder die lange Fahrradtour. Wer sich bewegen will oder muss, verlegt das auf den frühen Morgen oder den späten Abend, wenn die Sonne tief steht und die Temperaturen erträglicher sind. In Frankfurt ist der frühe Morgen am Main vor acht Uhr oft die angenehmste Zeit des ganzen Tages.[6]

Für drinnen gilt eine klare Orientierung. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit nennt tagsüber eine Raumtemperatur unter 26 Grad Celsius als ideal, während ab 32 Grad Celsius aktive Kühlung nötig wird. Das ist ein nützlicher Maßstab, um die eigene Wohnung einzuschätzen: Solange du die Innentemperatur mit Verschattung, Nachtlüften und Ventilator unter diesen Werten hältst, bist du auf der sicheren Seite. Steigt sie trotz aller Maßnahmen darüber, ist das ein Signal, gezielt gegenzusteuern, gerade wenn ältere oder kranke Menschen im Haushalt leben.[7]

  • Über den Tag verteilt trinken, am besten Wasser und ungesüßte Tees, nicht erst auf den Durst warten.
  • Anstrengung in die kühlen Morgen- und Abendstunden legen, die Mittagshitze meiden.
  • Leichte, wasserreiche Mahlzeiten wie Salate, Gemüse und Obst statt schwerer, warmer Kost.
  • Handgelenke, Unterarme und Nacken mit kühlem Wasser benetzen, das entlastet den Kreislauf schnell.

Auf die Risikogruppen achten

Hitze trifft nicht alle gleich. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit zählt zu den besonders gefährdeten Gruppen Menschen ab 65 Jahren, chronisch Kranke, Schwangere sowie Säuglinge und Kleinkinder. Bei ihnen funktioniert die körpereigene Temperaturregulierung weniger zuverlässig, oder sie können ihren Bedarf nicht selbst äußern. Gerade ältere Menschen spüren weniger Durst und trinken deshalb oft zu wenig. Ein kurzer Anruf bei den Eltern oder Großeltern, ob sie genug getrunken haben und ob die Wohnung kühl genug ist, gehört an Hitzetagen zu den wirksamsten Dingen überhaupt.[8]

Zwischen unbeschwertem Schwitzen und dem akuten Notfall liegt die Hitzeerschöpfung, die sich rechtzeitig erkennen lässt. Anzeichen sind starke Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und ein flaues Gefühl im Kreislauf. Wer das bei sich oder anderen bemerkt, sollte sofort an einen kühlen, schattigen Ort gehen, sich hinlegen, die Beine hochlegen und in kleinen Schlucken trinken. Meist bessert sich der Zustand dann rasch. Bleibt er bestehen oder verschlechtert er sich, ist ärztliche Hilfe nötig, denn aus einer übersehenen Erschöpfung kann ein ernster Hitzschlag werden.

Bei kleinen Kindern ist besondere Achtsamkeit gefragt, weil sie schneller überhitzen und ihren Durst noch nicht zuverlässig äußern. Sie brauchen Schatten, luftige Kleidung, eine Kopfbedeckung und regelmäßig etwas zu trinken, und der Kinderwagen sollte niemals mit einer dicken Decke abgedeckt werden, weil sich darunter die Hitze staut statt sie abzuhalten. Wie sich ein entspannter, kühler Sommer mit der Familie gestalten lässt, ohne dass die Kleinen leiden, haben wir im Beitrag zum nachhaltigen Sommer mit Kindern gesammelt.

Genauso wichtig ist es, die Warnsignale zu kennen. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit beschreibt Alarmsignale eines Hitzschlags wie eine Bewusstseinstrübung, Krämpfe und eine erhöhte Körpertemperatur als Notfall, bei dem ohne Zögern der Notruf 112 zu wählen ist. Bis der Rettungsdienst eintrifft, bring die betroffene Person an einen kühleren Ort, lass sie ruhen und gib ihr, solange sie ansprechbar ist, kühles, nicht eiskaltes Wasser. Lieber einmal zu früh Hilfe rufen als einmal zu spät, denn ein Hitzschlag ist lebensbedrohlich.[9]

Die Haut bei extremer Sonne schützen

Hohe Temperaturen und intensive Sonne gehen Hand in Hand, aber sie belasten den Körper auf unterschiedliche Weise. Die Hitze fordert den Kreislauf, die ultraviolette Strahlung fordert die Haut. Sie ist es, die für Sonnenbrand und langfristig für Hautkrebs verantwortlich ist, und sie lässt sich anders als die Wärme nicht spüren, bis es zu spät ist. Umso wichtiger ist ein nüchterner Blick darauf, was wirklich schützt.

Wie viel Schutz gerade nötig ist, verrät der Index der ultravioletten Strahlung. Nach den Sonnenschutz-Empfehlungen des Krebsinformationsdienstes sind ab einem Wert von 3 Schutzmaßnahmen nötig, und besonders zwischen 11 und 15 Uhr solltest du Schatten suchen. Im Hochsommer und in einer Hitzewelle wie der aktuellen liegt dieser Wert in der Mittagszeit regelmäßig deutlich höher, was den Mittagsschatten von der Empfehlung zur Selbstverständlichkeit macht. Dieser Index steht in jeder Wetter-App und ist ein verlässlicherer Ratgeber als das eigene Hitzeempfinden.

Zwei Irrtümer halten sich dabei hartnäckig. Der erste lautet, an bewölkten Tagen brauche man keinen Schutz. Tatsächlich dringt ein großer Teil der ultravioletten Strahlung auch durch Wolken, und mancher Sonnenbrand entsteht ausgerechnet an einem diesigen, scheinbar harmlosen Tag. Der zweite Irrtum lautet, im Schatten oder im Wasser sei man sicher. Wasser, heller Sand und helle Flächen reflektieren das Licht zusätzlich, sodass die Haut es von mehreren Seiten abbekommt. Beim Baden gehört deshalb wasserfester Schutz dazu, und auch der Schatten unter einem licht belaubten Baum ersetzt die Creme nicht vollständig.

Die richtige Reihenfolge des Schutzes

Der vielleicht wichtigste Punkt wird am häufigsten falsch gemacht: Sonnencreme steht nicht an erster Stelle. Nach den Sonnenschutz-Empfehlungen des Krebsinformationsdienstes lautet die Reihenfolge zuerst die starke Sonne meiden, dann Kleidung und Kopfbedeckung, und erst danach Sonnencreme für die unbedeckten Stellen. Schatten und ein dicht gewebtes Shirt schützen zuverlässiger und gleichmäßiger als jede Creme, die man vergessen kann nachzulegen. Sonnencreme ist die Ergänzung für Gesicht, Hände und alles, was Stoff nicht abdeckt, nicht der Hauptschutz.

Wenn es um die Creme geht, kommt es auf Stärke, Menge und Wiederholung an. Der Krebsinformationsdienst empfiehlt mindestens Lichtschutzfaktor 30, im Hochsommer 50 oder höher, aufgetragen rund 30 Minuten vor der Sonne und alle zwei Stunden nachgecremt. Der häufigste Fehler ist nicht der falsche Lichtschutzfaktor, sondern zu wenig Creme und zu seltenes Nachlegen. Die meisten Menschen tragen deutlich weniger auf, als die Tests der Faktoren zugrunde legen, und verlieren damit einen Teil der Schutzwirkung. Lieber großzügig und regelmäßig als sparsam und einmal.

Als Faustregel für die Menge gilt: Für den ganzen Körper eines Erwachsenen braucht es ungefähr so viel Creme, wie in zwei aneinandergelegte Handflächen passt, fürs Gesicht etwa einen großzügigen Klecks. Das klingt nach viel und ist genau der Punkt, an dem die meisten sparen. Lieber einmal mehr und großzügiger auftragen als die Schutzwirkung durch zu dünnen Auftrag zu verschenken. Wer schwitzt, badet oder sich abtrocknet, cremt anschließend nach, ganz unabhängig davon, wie spät es gerade ist.

  • Schatten zuerst, vor allem in der Mittagszeit zwischen 11 und 15 Uhr.
  • Kopfbedeckung und dicht gewebte, luftige Kleidung schützen breite Flächen zuverlässig.
  • Sonnencreme nur für unbedeckte Stellen, mindestens Lichtschutzfaktor 30, im Hochsommer 50 oder höher.
  • Großzügig auftragen, rund 30 Minuten vor der Sonne, und alle zwei Stunden nachcremen.

Sonnenschutz und Naturkosmetik

Beim Thema Sonnencreme begegnet uns immer wieder die Frage nach mineralischen Filtern. Sie schützen die Haut vor allem über Zinkoxid und Titandioxid, die das Licht streuen und reflektieren, und sind besonders bei empfindlicher Haut beliebt, weil sie sofort nach dem Auftragen wirken und seltener Reizungen auslösen. Naturkosmetik setzt fast ausschließlich auf diese mineralischen Filter. Der bekannte weißliche Film moderner Produkte ist deutlich dünner geworden, auch wenn er bei dunkleren Hauttönen weiterhin ein Thema bleiben kann. Welcher Schutz für dich der richtige ist, hängt am Ende von Hauttyp und Verträglichkeit ab. Welche Kriterien wirklich zählen und worauf es bei der Auswahl ankommt, haben wir in unserem Sonnenschutz-Guide für den Hochsommer ausführlich aufgeschlüsselt.

Was bei aller Produktdiskussion nicht untergehen sollte: Der beste Sonnenschutz ist der, den du tatsächlich anwendest, und er ist nur ein Baustein. Schatten, Kleidung und das Meiden der Mittagssonne tragen den größeren Teil. Wer im Hochsommer ohnehin auf eine leichte Hautpflege umstellt, findet in unserer Übersicht zur leichten Sommerpflege für Gesicht, Körper und Haare weitere Anhaltspunkte, wie sich Schutz und Pflege an heißen Tagen sinnvoll verbinden lassen.

Augen und die gern vergessenen Stellen

Sonnenschutz endet nicht bei Gesicht und Armen. Die Augen sind empfindlich gegenüber ultravioletter Strahlung, deshalb gehört eine Sonnenbrille mit zertifiziertem Schutz vor ultravioletter Strahlung an hellen Tagen genauso dazu wie die Creme. Reiner Tönungsgrad sagt dabei nichts über den Schutz aus, entscheidend ist die ausgewiesene Filterwirkung. Eine breitkrempige Kopfbedeckung beschattet zugleich Augen, Nase und Ohren und nimmt der Mittagssonne einen guten Teil ihrer Schärfe.

Beim Eincremen werden ein paar Stellen fast immer übersehen: die Ohren, der Nacken, der Haaransatz und Scheitel, die Lippen, der Fußrücken und die Kniekehlen. Gerade Lippen und Ohren bekommen viel Sonne ab und werden selten nachgecremt. Für die Lippen gibt es Pflegestifte mit Lichtschutzfaktor, für den Kopf hilft schlicht der Hut. Wer eine Glatze oder dünnes Haar hat, sollte den Scheitel und die Kopfhaut nicht vergessen, denn dort entsteht Sonnenbrand besonders schnell.

Ist die Haut nach einem langen Tag draußen doch erhitzt, hilft Pflege nach der Sonne: zuerst kühlen, etwa mit einer lauwarmen Dusche und einem feuchten Tuch, dann Feuchtigkeit zurückgeben. Ein leichtes Gel, gern mit Aloe vera, beruhigt die Haut, ohne sie zu beschweren. Wichtig ist, einen echten Sonnenbrand als Warnsignal ernst zu nehmen: Er ist eine Verbrennung, kein Bräunungsschritt, und jeder vermiedene Sonnenbrand zahlt langfristig auf die Hautgesundheit ein.

Was man bei großer Hitze am besten trägt

Kleidung ist bei Hitze kein modisches Detail, sondern Teil des Schutzes. Sie entscheidet mit darüber, wie gut der Körper Wärme abgeben kann und wie viel ultraviolette Strahlung überhaupt auf die Haut trifft. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt bei Hitze leichte, luftige und atmungsaktive Kleidung aus Leinen, dünner Baumwolle oder Viskose. Diese Materialwahl ist kein Zufall, sondern hat handfeste physikalische Gründe.[10]

Der Schlüssel heißt Verdunstung. Der Körper kühlt sich, indem Schweiß auf der Haut verdunstet, und Kleidung sollte diesen Prozess unterstützen statt ihn zu blockieren. Naturfasern nehmen Feuchtigkeit auf und geben sie an die Luft ab, synthetische Fasern wie Polyester tun das deutlich schlechter und lassen die Haut schneller kleben und schwitzen. Dazu kommt der Schnitt: Weite, locker fallende Kleidung lässt Luft zwischen Stoff und Haut zirkulieren und wirkt wie eine kleine, ständige Belüftung.

Warum Leinen so gut kühlt

Unter den Sommermaterialien ist Leinen der Klassiker, und das aus gutem Grund. Die Faser nimmt viel Feuchtigkeit auf, ohne sich sofort nass anzufühlen, sie ist sehr luftdurchlässig und leitet Wärme gut von der Haut weg. Genau deshalb fühlt sich ein weites Leinenhemd an einem heißen Tag spürbar kühler an als ein eng anliegendes Synthetikshirt. Dass Leinen schnell knittert, ist der Preis für diese Eigenschaften, aber an einem Hitzetag ist eine entspannte Knitterfalte das kleinste Problem. Wie Leinen hergestellt wird und was die Faser nachhaltig macht, erklären wir im Glossar unter dem Stichwort Leinen.

Eine moderne Alternative mit ähnlichem Sommerverhalten ist Tencel, eine Faser aus Holz, die sich angenehm kühl auf der Haut anfühlt und Feuchtigkeit gut transportiert. Wer es weicher und fließender mag als das eher robuste Leinen, findet darin einen guten Sommerbegleiter. Auch hier lohnt der Blick ins Glossar zum Begriff Tencel, wenn dich Herkunft und Herstellung der Faser genauer interessieren. Dünne Baumwolle und Viskose runden das Feld nach unten ab und sind als günstige, breit verfügbare Optionen vollkommen alltagstauglich.

  • Naturfasern wie Leinen, dünne Baumwolle, Viskose und Tencel transportieren Feuchtigkeit besser als Synthetik.
  • Weite, locker fallende Schnitte lassen Luft zirkulieren und unterstützen die Verdunstungskühlung.
  • Helle Farben reflektieren mehr Sonnenlicht als dunkle und heizen sich weniger auf.
  • Dicht gewebte Stoffe und eine breitkrempige Kopfbedeckung schützen zugleich vor ultravioletter Strahlung.

Hut, Sonnenbrille und die richtigen Schuhe

Zur Sommerkleidung gehören die richtigen Accessoires, und auch hier zahlt sich die Auswahl doppelt aus. Ein Hut mit breiter Krempe beschattet Gesicht, Nacken und Ohren und ist damit ein Stück Sonnenschutz, das man nicht alle zwei Stunden nachlegen muss. Eine gute Sonnenbrille schützt die Augen, und ein leichtes Tuch über den Schultern bewahrt empfindliche Haut, ohne zu wärmen. Naturmaterialien wie Stroh, Leinen und Baumwolle sind dabei den synthetischen Varianten vorzuziehen, weil sie atmungsaktiver sind und sich angenehmer tragen.

Auch die Füße danken es dir, wenn sie atmen dürfen. Offene, luftige Schuhe aus Leder oder pflanzlichen Materialien stauen weniger Hitze als geschlossene Sneaker aus Kunststoff, und dünne Socken aus Naturfasern beugen feuchten, überhitzten Füßen vor. Bei den Farben gilt für die ganze Garderobe dieselbe Regel wie für die Verschattung der Wohnung: Helle Töne reflektieren das Sonnenlicht, dunkle schlucken es und heizen sich auf. Wer in der prallen Sonne unterwegs ist, fährt mit Weiß, Beige und hellen Naturtönen spürbar kühler als in Schwarz.

Hitze und Fair Fashion

Der schöne Nebeneffekt: Was bei Hitze gut funktioniert, passt fast eins zu eins zu einer nachhaltigen Garderobe. Langlebige Naturfasern, zeitlose Schnitte und wenige, gut kombinierbare Teile sind genau das, was eine durchdachte Sommergarderobe ausmacht. Statt jeden Sommer billige Synthetikware nachzukaufen, die weder kühlt noch lange hält, lohnt sich die Investition in einige hochwertige Leinen- und Baumwollteile, die viele Jahre tragen. Wie du eine solche langlebige Sommergarderobe aus Basics und Investmentstücken aufbaust, haben wir an anderer Stelle ausführlich beschrieben. Kühl, fair und langlebig schließen sich nicht aus, im Gegenteil, bei Sommerkleidung fallen sie oft zusammen.

Wer die Garderobe nicht neu kaufen will, findet leichte Sommerstücke aus Leinen und Baumwolle oft gut erhalten in Secondhand-Läden und auf Flohmärkten. Gerade Leinen wird mit den Jahren weicher und schöner, ein gebrauchtes Leinenhemd ist also kein Kompromiss, sondern häufig die bessere Wahl. So bleibt der kühlende Effekt erhalten, ohne dass für den Sommer neue Ressourcen verbraucht werden, und der Geldbeutel freut sich gleich mit.

Hitze unterwegs und bei der Arbeit

Nicht jeder kann sich bei 40 Grad Celsius in die kühlste Ecke der Wohnung zurückziehen. Viele müssen zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen, und gerade unterwegs ist die Hitze besonders fordernd. Mit etwas Vorbereitung lässt sich aber auch der Weg durch den heißen Tag spürbar entschärfen.

Ein in der Sonne geparktes Auto wird in kurzer Zeit zur Falle, in der die Temperaturen lebensgefährlich steigen. Kinder und Tiere gehören deshalb niemals allein im Auto gelassen, auch nicht für wenige Minuten und auch nicht vermeintlich im Schatten. Vor der Fahrt lohnt es sich, kurz durchzulüften, und eine Flasche Wasser sollte immer dabei sein. In Bus und Bahn, die sich im Sommer stark aufheizen, hilft es, die heißesten Stunden zwischen 11 und 17 Uhr zu meiden und die Fahrt nach Möglichkeit auf den frühen Morgen zu legen.

  • Immer eine Flasche Wasser dabei haben und unterwegs regelmäßig trinken.
  • Kinder und Tiere niemals allein im geparkten Auto zurücklassen, auch nicht kurz.
  • Wege in die kühleren Morgen- und Abendstunden legen und die Mittagshitze meiden.
  • Schattige Routen wählen, eine Kopfbedeckung tragen und an Trinkbrunnen nachfüllen.

Am Arbeitsplatz hilft, was auch zu Hause hilft: morgens lüften und verschatten, solange es geht, Wärmequellen wie Geräte abschalten und über den Tag verteilt trinken. Wer Einfluss auf die eigene Arbeitszeit hat, verlegt anstrengende Aufgaben in die kühlen Stunden und legt in der Mittagshitze eine ruhigere Phase ein. Bei körperlicher Arbeit im Freien sind Schatten, regelmäßige Pausen und ausreichend Wasser keine Bequemlichkeit, sondern Teil des Arbeitsschutzes.

Häufige Fehler bei großer Hitze

Viele Reaktionen auf Hitze fühlen sich richtig an und sind doch kontraproduktiv. Wer sie kennt, spart sich unnötige Belastung. Die folgenden Punkte begegnen uns Jahr für Jahr, im eigenen Haushalt genauso wie im Bekanntenkreis.

  • Tagsüber lüften: Wer mittags die Fenster aufreißt, holt sich die heiße Außenluft herein. Besser tagsüber geschlossen halten und nachts lüften, wenn es draußen kühler ist.
  • Eiskalt duschen oder eiskalt trinken: Der kurze Frischekick führt dazu, dass der Körper anschließend gegenheizt und du danach noch stärker schwitzt. Lauwarm ist nachhaltiger für das Temperaturempfinden.
  • Die Mittagssonne unterschätzen: Gerade weil die ultraviolette Strahlung nicht zu spüren ist, wird sie leicht ignoriert. Der Schatten zwischen 11 und 15 Uhr ist keine Bequemlichkeit, sondern Schutz.
  • Die Klimaanlage als erste Lösung: Bevor Strom und Abwärme ins Spiel kommen, sollten Verschattung, Nachtlüften und Ventilator ausgereizt sein. Aktive Kühlung ist das letzte Mittel, nicht das erste.
  • Zu wenig trinken, weil der Durst fehlt: Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit rät, an Hitzetagen etwa stündlich ein Glas zu trinken, auch ohne Durst.
  • Sport und schwere Arbeit zur falschen Zeit: Die intensive Anstrengung in der Mittagshitze belastet den Kreislauf am stärksten. Früher Morgen und später Abend sind die besseren Fenster.

Keiner dieser Fehler ist dramatisch, wenn er einmal passiert. Problematisch wird es, wenn sie sich über eine lange Hitzeperiode summieren, denn dann zählt jede vermeidbare Belastung doppelt. Die meisten lassen sich mit einer einzigen Umstellung beheben: den eigenen Tagesablauf konsequent nach der Hitze auszurichten, statt gegen sie anzuleben.

Häufige Fragen zu nachhaltigem Verhalten bei Hitze

Ab wann ist Hitze wirklich gefährlich?
Gefährlich wird Hitze vor allem, wenn sie über mehrere Tage anhält und die Nächte keine Abkühlung mehr bringen, weil sich die Belastung dann aufsummiert. Als Orientierung für Innenräume nennt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit eine Raumtemperatur unter 26 Grad Celsius als ideal und ab 32 Grad Celsius aktive Kühlung als nötig. Entscheidend ist weniger ein einzelner Spitzenwert als die Dauer und die fehlende nächtliche Erholung.
Ist eine Klimaanlage wirklich so schlecht für das Klima?
Ein Klimagerät verbraucht viel Strom und gibt seine Abwärme nach draußen ab, wodurch es die ohnehin überhitzten Straßen zusätzlich aufheizt. Solange der Strom nicht vollständig aus erneuerbaren Quellen stammt, treibt dieser Verbrauch den Klimawandel weiter an. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass ein Ventilator eine 20 bis 50 Mal kleinere Leistungsaufnahme hat. Als letztes Mittel in einem Notfall oder für Risikogruppen kann aktive Kühlung sinnvoll sein, als erster Reflex bei jeder Hitze ist sie es nicht.
Soll ich die Fenster bei Hitze auf oder zu lassen?
Tagsüber zu, nachts auf. Das Umweltbundesamt empfiehlt, die Fenster tagsüber geschlossen zu halten, damit die warme Außenluft nicht hereinkommt, und erst abends und nachts zu lüften, sobald es draußen kühler ist als drinnen. Wer mittags bei voller Hitze lüftet, holt sich die Wärme in die Wohnung. Zusätzlich sollte die Sonne möglichst außen verschattet werden, etwa mit Rollläden, weil das deutlich wirksamer ist als innenliegende Rollos.
Welcher Sonnenschutz ist bei extremer Sonne der richtige?
Wichtiger als das einzelne Produkt ist die Reihenfolge. Der Krebsinformationsdienst empfiehlt, zuerst die starke Sonne zu meiden, dann auf Kleidung und Kopfbedeckung zu setzen und erst danach Sonnencreme für die unbedeckten Stellen zu nutzen. Bei der Creme gelten mindestens Lichtschutzfaktor 30, im Hochsommer 50 oder höher, aufgetragen rund 30 Minuten vor der Sonne und alle zwei Stunden nachgecremt. Schatten und Kleidung tragen den größeren Teil des Schutzes.
Welche Kleidung kühlt bei Hitze am besten?
Leichte, luftige und atmungsaktive Naturfasern. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit nennt Leinen, dünne Baumwolle und Viskose. Diese Fasern nehmen Feuchtigkeit auf und geben sie an die Luft ab, was die kühlende Verdunstung des Schweißes unterstützt. Wichtig ist neben dem Material auch der Schnitt: Weite, locker fallende und helle Kleidung lässt Luft zirkulieren und reflektiert Sonnenlicht, während enge, dunkle Synthetik die Wärme staut.
Wie erkenne ich einen Hitzschlag und was ist dann zu tun?
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit beschreibt Alarmsignale wie eine Bewusstseinstrübung, Krämpfe und eine erhöhte Körpertemperatur als Notfall. In diesem Fall sofort den Notruf 112 wählen. Bis Hilfe eintrifft, die Person an einen kühleren Ort bringen, ruhen lassen und ihr, solange sie ansprechbar ist, kühles, nicht eiskaltes Wasser geben. Besonders gefährdet sind Menschen ab 65 Jahren, chronisch Kranke, Schwangere sowie Säuglinge und Kleinkinder, weshalb gerade sie an Hitzetagen Aufmerksamkeit brauchen.

Kühl bleiben, ohne das Klima weiter aufzuheizen

Eine Hitzewelle wie die heutige in Frankfurt führt uns vor Augen, wie eng das eigene Wohlbefinden und das große Ganze zusammenhängen. Die Hitze ist kein Zufall, sondern Teil eines wärmeren Klimas, und ausgerechnet die naheliegendste Reaktion, die Klimaanlage, würde dieses Klima weiter anheizen. Der nachhaltige Weg ist deshalb kein Verzicht, sondern oft schlicht der klügere: Verschattung, Nachtlüften und ein Ventilator halten die Wohnung kühl, ohne den Verbrauch in die Höhe zu treiben.

Der Rest ist eine Frage der richtigen Reihenfolge und ein bisschen Vorausschau. Genug trinken und die Anstrengung aus der Mittagshitze nehmen schützt den Körper. Schatten, Kleidung und erst dann Sonnencreme schützen die Haut. Leichte Naturfasern wie Leinen und Tencel machen den Tag erträglicher und passen ganz nebenbei zu einer langlebigen Garderobe. Der kurze Anruf bei älteren Angehörigen kann an Hitzetagen sogar das Wichtigste von allem sein.

Ein letzter Gedanke, der über die eigene Wohnung hinausgeht: Hitze ist auch eine soziale Frage. Nicht jeder hat einen kühlen Rückzugsort, einen schattigen Balkon oder die Mittel, baulich vorzusorgen. Ein offenes Auge für Nachbarn, die allein leben, ein Glas Wasser für den Paketboten oder der Schatten, den ein Baum vor dem Haus spendet, kosten wenig und wirken viel. Nachhaltig durch die Hitze zu kommen heißt am Ende nicht nur, die eigene Wohnung klug zu kühlen, sondern auch, aufeinander zu achten, wenn die Stadt zur Wärmeinsel wird.

Fang heute mit dem einfachsten Schritt an: Schließ am Morgen die Fenster und die Verschattung, bevor die Sonne kommt, stell dir eine Karaffe Wasser griffbereit hin und verschieb, was sich verschieben lässt, auf die kühleren Stunden. Mehr braucht es für den Anfang nicht. Die Hitze wird wiederkommen, aber du musst ihr nicht hilflos gegenüberstehen, und schon gar nicht auf Kosten des Klimas, das diese Sommer prägt.

Quellen und Belege

Hier stehen die zugeordneten Aussagen und ihre Quellen. Ob und wie eine Aussage geprüft wurde, steht auf ihrer eigenen Seite.

  1. Unter dem Hoch HARTMUT prognostizierte der Deutsche Wetterdienst für Ende Juni 2026 im Gebiet vom Oberrhein bis ins Rhein-Main-Gebiet rund um Frankfurt Werte um 40 Grad Celsius, regional bis 41 Grad Celsius, und rückte damit nahe an den deutschen Allzeitrekord von 41,2 Grad Celsius aus dem Jahr 2019 heran.

  2. Die mittlere Jahrestemperatur in Deutschland ist von 1881 bis 2021 statistisch gesichert um 1,6 Grad Celsius gestiegen, und die Zahl der Heißen Tage mit mindestens 30 Grad Celsius hat sich seit den 1950er Jahren von rund drei auf durchschnittlich neun Tage pro Jahr verdreifacht, bei zunehmender Häufigkeit und Intensität markanter Hitzeperioden.

  3. Dicht bebaute Innenstädte speichern tagsüber Wärme in Asphalt und Gebäuden und geben sie nachts wieder ab, wodurch die nächtliche Abkühlung ausbleibt. Begrünte Flächen wie der Grüneburgpark in Frankfurt bleiben tagsüber deutlich kühler als bebaute Flächen, weil Vegetation kaum Wärme speichert.

  4. Nach Empfehlung des Umweltbundesamts halten tagsüber geschlossene Fenster mit abendlichem Lüften, sobald es draußen kühler ist als drinnen, Räume kühl. Außenliegende Verschattung wie Rollläden hält dabei 80 bis 90 Prozent der Sonneneinstrahlung ab, innenliegende Rollos nur 5 bis 45 Prozent. Ventilatoren kühlen die Haut über die Luftbewegung und benötigen dabei eine 20 bis 50 Mal kleinere Leistungsaufnahme als ein Klimagerät.

  5. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt bei Hitze, über den Tag verteilt etwa zwei bis drei Liter zu trinken, am besten Wasser oder ungesüßten Tee, etwa stündlich ein Glas auch ohne Durst, und Alkohol zu meiden, weil er den Kreislauf zusätzlich belastet.

  6. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit nennt etwa 11 bis 17 Uhr als heißeste Tageszeit und empfiehlt, sich dann möglichst wenig draußen aufzuhalten und auf intensive körperliche Aktivität und Sport zu verzichten.

  7. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit nennt für Innenräume tagsüber unter 26 Grad Celsius und nachts unter 20 Grad Celsius als ideal und rät, spätestens ab 32 Grad am Tag oder 24 Grad in der Nacht aktiv zu kühlen.

  8. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit zählt Menschen ab etwa 65 Jahren, Menschen mit Erkrankungen, Schwangere sowie Babys und Kleinkinder zu den bei Hitze besonders gefährdeten Gruppen. Ältere schwitzen danach weniger und haben seltener Durst, Kinder heizen sich schneller auf und können ihren Flüssigkeitsbedarf oft nicht selbst einschätzen. Die Behörde rät, ältere, kranke und alleinlebende Menschen an Hitzetagen mindestens einmal täglich zu kontaktieren.

  9. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit nennt Übelkeit, Krämpfe, erhöhte Körpertemperatur, Bewusstseinstrübung und Kreislaufkollaps als mögliche Vorboten eines lebensbedrohlichen Hitzschlags und rät dann, ärztliche Hilfe zu suchen oder sofort den Notruf 112 zu wählen. Als erste Schritte nennt es, in eine kühlere Umgebung zu wechseln, sich zu schonen und kühles, nicht eiskaltes Wasser zu trinken.

  10. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt bei Hitze leichte, luftige, atmungsaktive und locker sitzende Kleidung, etwa aus Viskose, dünner Baumwolle, Leinen oder Seide, bevorzugt in hellen Farben.

Weitere Quellen ohne Absatzzuordnung

  1. Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: Vor UV-Strahlung schützen Original (externe Seite)