Weißes Moskitonetz als Baldachin über einem Bett in einem hellen Schlafzimmer
Ein Moskitonetz über dem Bett hält Mücken fern, ganz ohne Wirkstoff auf der Haut

Natürlicher Mückenschutz ohne DEET durch den Sommer

Ohne DEET durch den Sommer, ohne zerstochen zu werden. Welche verträglichen Wirkstoffe, pflanzlichen Mittel und einfachen Tricks wirklich gegen Mücken helfen.

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Angefangen hat dieser Artikel an einem schwülen Abend Ende Juni, als wir es uns auf dem Balkon in Frankfurt gemütlich machen wollten und nach zehn Minuten wieder hineingingen, weil die Mücken schneller waren als der Feierabend. Im Bad stand noch eine angebrochene Flasche Mückenspray aus dem Vorjahr, und beim Blick auf die Zutatenliste kam die Frage auf, was da eigentlich auf die Haut kommt und ob es auch ohne den Wirkstoff DEET geht.

Diese Frage stellen sich viele. DEET wirkt zwar lange und zuverlässig, riecht aber streng, kann Kunststoffe wie Brillengestelle oder Uhrenarmbänder anlösen und reizt empfindliche Haut. Kein Wunder, dass ohne DEET inzwischen als Verkaufsargument groß auf den Flaschen steht. Nur sagt dieser Hinweis wenig darüber aus, wie gut ein Mittel schützt oder was stattdessen darin steckt.

In diesem Ratgeber ordnen wir ehrlich ein, was ohne DEET wirklich bringt. Es gibt drei Wege, nämlich besser verträgliche synthetische Wirkstoffe, echte pflanzliche Mittel und den einfachsten Schutz von allen, gar nicht erst gestochen zu werden. Wir gehen sie der Reihe nach durch, schreiben aus der Perspektive von Menschen, die selbst durch heiße Frankfurter Sommer kommen, und stützen uns auf offizielle Stellen. Wo die Studienlage dünn ist, sagen wir es offen.

Ohne DEET heißt nicht automatisch ohne Chemie

Der häufigste Denkfehler ist, ohne DEET mit ohne Chemie oder gar mit wirkungslos gleichzusetzen. Beides stimmt so nicht. Manche Mittel ohne DEET enthalten andere synthetische Wirkstoffe, die genauso im Labor entstehen, dafür aber hautfreundlicher sind. Andere setzen auf pflanzliche Stoffe, die zwar natürlichen Ursprungs, aber nicht automatisch harmlos sind.

Wichtiger als das Etikett auf der Vorderseite ist deshalb, was auf der Rückseite steht und wofür du den Schutz überhaupt brauchst. Für einen ruhigen Abend auf dem heimischen Balkon gelten andere Maßstäbe als für eine Reise in ein Gebiet mit vielen Stechmücken. Genau nach diesem Bedarf sortieren wir die Alternativen.

Icaridin und IR3535 statt DEET

Wer nur DEET meiden möchte, muss nicht gleich auf jeden gut erforschten Wirkstoff verzichten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt neben DEET, das bis zu acht Stunden schützt, zwei weitere Substanzen, die wirksam und zugleich besser verträglich sind. Icaridin gilt als ähnlich zuverlässig wie DEET, wird von der Haut aber angenehmer aufgenommen und greift Kunststoffe nicht an. IR3535 ist ebenfalls gut verträglich und schont Kunststoffe, wirkt aber kürzer als die beiden anderen.[1]

Beide Stoffe sind synthetisch, für viele ist das aber genau der passende Kompromiss. Wer den strengen Geruch und die materialschädigende Wirkung von DEET vermeiden will, ist mit einem Mittel auf Icaridin-Basis meist gut bedient, muss es aber in der Regel früher nachtragen als DEET.[1]

Pflanzliche Mittel wie Zitroneneukalyptus

Wer wirklich pflanzlich unterwegs sein möchte, hat mehr Auswahl als früher, sollte die Erwartungen aber richtig einstellen. Dazu zählt Zitroneneukalyptus, dessen wirksamer Bestandteil oft als PMD oder Citriodiol angegeben wird. Eine Übersichtsarbeit von Reisemedizinern der Universität Zürich wertete über hundert Studien aus und fand, dass DEET ab einer Konzentration von 20 Prozent gegen tagaktive Mücken am besten schützte, bis zu zehn Stunden, während Zitroneneukalyptus diese Mücken schwächer abwehrte und viele andere pflanzliche Mittel nur kurz schützten.[2]

  • Zitroneneukalyptus mit dem Wirkstoff PMD schützte in derselben Arbeit gegen die Mückengattung Anopheles ähnlich wie DEET, Icaridin und IR3535, im Mittel vier bis zehn Stunden.
  • Citronella, Lavendel und ähnliche ätherische Öle wirken deutlich schwächer und verdampfen rasch von der Haut, sodass du sie sehr oft nachlegen müsstest.
  • Ätherische Öle sind nicht automatisch mild, denn sie können Haut und Atemwege reizen und bei manchen Menschen allergische Reaktionen auslösen, gerade bei kleinen Kindern.

Damit bleibt pflanzlicher Schutz eine gute Wahl für kurze Aufenthalte im Grünen oder für alle, die synthetische Wirkstoffe grundsätzlich meiden. Er verlangt nur Disziplin beim Nachcremen. Für einen langen Grillabend am Wasser oder in einem Gebiet mit vielen Stechmücken ist er allein oft zu schwach.

Töpfe mit Zitroneneukalyptus, Lavendel und Zitronenmelisse auf einer hellen Fensterbank
Auch pflanzliche Mittel wie Zitroneneukalyptus müssen öfter nachgetragen werden

Der beste Schutz ist, gar nicht erst gestochen zu werden

Der nachhaltigste Schutz kommt ganz ohne Auftragen aus. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass kein Repellent zu hundert Prozent sicher wirkt und dass Hitze, Luftfeuchtigkeit und Wind die Schutzdauer zusätzlich verkürzen. Umso mehr lohnt es sich, den Mücken von vornherein weniger Angriffsfläche zu bieten. Als biozidfreie Alternativen nennt das Umweltbundesamt mehrere einfache Mittel.[3] [4]

  • Helle, weite Kleidung, die möglichst viel Haut bedeckt, macht dich für Mücken schwerer erreichbar als dunkle, enge Stoffe.
  • Ein Fliegengitter am Fenster und ein Moskitonetz über dem Bett halten die Tiere aus Wohnung und Schlafzimmer fern.
  • Ein Ventilator mit mindestens einem Meter pro Sekunde Luftbewegung hilft in geschlossenen Räumen, etwa nachts im Schlafzimmer, weil Mücken bei bewegter Luft kaum fliegen und stechen können.[4]

Wer draußen übernachtet, etwa auf einem nachhaltigen Campingurlaub, packt am besten ein gutes Moskitonetz ein, das ganz ohne Wirkstoff auskommt. Auch für Kinder ist dieser Weg der freundlichste, wie wir schon im Beitrag zum nachhaltigen Sommer mit Kindern beschrieben haben.

Weißer Standventilator vor einer schlichten hellen Wand
Eine leichte Luftbewegung reicht, damit Mücken kaum noch anfliegen

Brutstätten trockenlegen bringt am meisten

Am wirksamsten ist es, den Mücken den Nachwuchs zu nehmen, denn sie brauchen stehendes Wasser, um sich zu vermehren. Das gilt umso mehr, seit sich die Asiatische Tigermücke in den Sommermonaten in immer mehr Regionen Deutschlands ausbreitet. Weil ihre Populationen wachsen, empfiehlt das Umweltbundesamt, alle als Brutstätte nutzbaren stehenden Gewässer im Garten und auf dem Balkon konsequent zu vermeiden.[5]

Konkret heißt das, Regentonnen und Vogeltränken mindestens wöchentlich restlos zu entleeren oder mit Deckel oder Netz mückensicher zu verschließen. Auch Untersetzer unter Blumentöpfen, verstopfte Dachrinnen und volle Gießkannen sind beliebte Kinderstuben. Wer diese kleinen Wasserstellen im Blick behält, senkt die Mückenzahl im eigenen Umfeld oft spürbarer als jedes Spray. Wie ein lebendiger Balkon dabei sogar Nützlingen hilft, zeigen wir im Beitrag zu Bienen und Insekten auf dem Balkon.

Leere, trockene Vogeltränke aus Stein in einem grünen Garten
Eine regelmäßig geleerte Vogeltränke nimmt Mücken die Brutstätte

Häufige Fehler und hartnäckige Mythen

Rund um den Mückenschutz kursieren viele Ratschläge, die wenig bringen oder sogar schaden. Diese Punkte begegnen uns Jahr für Jahr aufs Neue, im eigenen Umfeld wie im Bekanntenkreis.

  • Sich auf Ultraschall-Apps oder Steckgeräte verlassen, die Mücken angeblich vertreiben. Für ihre Wirkung gibt es keinen belastbaren Beleg, ein Ventilator oder ein Netz hilft mehr.
  • Auf den Mythos rund um Vitamin B setzen, das über die Haut ausdünsten und Mücken fernhalten soll. Ein verlässlicher Schutz lässt sich damit nicht erreichen.
  • Ein pflanzliches Mittel einmal auftragen und den ganzen Abend Ruhe erwarten. Solche Mittel verdampfen schnell und müssen häufig nachgelegt werden.
  • Für jede Lage dasselbe Mittel nehmen. Zu Hause reichen oft Kleidung und Ventilator, für die Reise in ein Mückengebiet darf es ruhig ein stark wirksames Repellent sein.

Kein einzelner dieser Fehler ist dramatisch. Zusammen sorgen sie aber dafür, dass man sich geschützt fühlt und trotzdem zerstochen wird. Am weitesten kommst du, wenn du die Mücken gar nicht erst heranlässt und ein Mittel nur dort aufträgst, wo es wirklich nötig ist.

Häufige Fragen zum Mückenschutz ohne DEET

Welcher Mückenschutz wirkt ohne DEET am besten?
Wer auf DEET verzichten will, aber verlässlichen Schutz braucht, fährt mit einem Mittel auf Icaridin-Basis am besten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung stuft Icaridin als ähnlich wirksam wie DEET und besser verträglich ein, in der Regel schützt es aber kürzer. Rein pflanzliche Wirkstoffe wie Zitroneneukalyptus mit dem Bestandteil PMD wirken meist schwächer und kürzer und müssen häufiger nachgetragen werden.
Sind pflanzliche Mückenmittel automatisch besser für die Haut?
Nicht unbedingt. Pflanzlich bedeutet nicht harmlos. Ätherische Öle wie Citronella oder Lavendelöl können die Haut reizen und bei empfindlichen Menschen sowie kleinen Kindern allergische Reaktionen auslösen. Sie wirken zudem schwächer und kürzer als synthetische Wirkstoffe. Wer pflanzliche Mittel nutzt, sollte sie sparsam testen und häufiger nachlegen.
Hilft ein Ventilator wirklich gegen Mücken?
Ja, vor allem in geschlossenen Räumen. Das Umweltbundesamt nennt für Innenräume, etwa nachts, einen Ventilator mit mindestens einem Meter pro Sekunde Luftbewegung als Schutz ohne Biozide, weil Mücken bewegte Luft meiden und dann kaum fliegen und stechen.
Was kann ich im Garten gegen Mücken tun, ohne zu sprühen?
Am meisten bringt es, stehendes Wasser zu beseitigen, in dem Mücken brüten. Regentonnen und Vogeltränken solltest du mindestens wöchentlich leeren oder mit Deckel oder Netz verschließen, ebenso Untersetzer, Gießkannen und verstopfte Dachrinnen kontrollieren. Das ist besonders wichtig, weil sich die Asiatische Tigermücke in Deutschland ausbreitet und stehendes Wasser als Brutstätte nutzt.

Entspannt durch den Sommer ohne DEET

Ohne DEET auszukommen ist gut machbar, sobald man die Alternativen ehrlich einordnet. Wer nur den Wirkstoff meiden will, greift zu einem hautfreundlicheren Mittel auf Icaridin-Basis und trägt es früher nach als DEET. Wer wirklich pflanzlich bleiben möchte, rechnet auch bei Zitroneneukalyptus mit schwächerem Schutz und trägt öfter nach. Den nachhaltigsten Grundschutz liefert ohnehin alles, was verhindert, dass die Mücke überhaupt zusticht.

Fang mit dem Einfachsten an, das nichts kostet. Stell nachts einen Ventilator ins Schlafzimmer, häng ein Netz vor Fenster und Bett und kipp einmal in der Woche die Regentonne und alle vollen Untersetzer aus. Wenn du dann für unterwegs noch ein verträgliches Mittel dabei hast, kommst du durch den ganzen Sommer, ohne ständig zerstochen zu werden.

Quellen und Belege

Hier stehen die zugeordneten Aussagen und ihre Quellen. Ob und wie eine Aussage geprüft wurde, steht auf ihrer eigenen Seite.

  1. Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt DEET, Icaridin und IR3535 als bekannteste Wirkstoffe in Mückenschutzmitteln. DEET schützt je nach Konzentration bis zu acht Stunden, kann in höherer Konzentration Schleimhäute reizen und greift Kunststoffe an. Icaridin wirkt ähnlich wie DEET, gilt als besser verträglich und schont Kunststoffe, schützt in der Regel aber kürzer; IR3535 ist hautverträglich und schont Kunststoffe, wirkt aber kürzer als beide. Pflanzliche Wirkstoffe wirken schwächer und kürzer als synthetische.

  2. Eine Übersichtsarbeit der Universität Zürich über 102 Studien zum Schutz auf menschlicher Haut fand gegen Aedes-Mücken den besten Schutz bei DEET ab 20 Prozent, bis zu zehn Stunden; Zitroneneukalyptus (PMD) wehrte Aedes schwächer ab als die übrigen Mittel. Gegen Anopheles schützten DEET, Icaridin, IR3535 und PMD ähnlich, im Mittel vier bis zehn Stunden. Viele pflanzliche Mittel schützen nur kurz.

  3. Nach Angaben des Umweltbundesamts wirkt kein Repellent hundertprozentig sicher, und hohe Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit sowie Wind verkürzen die Schutzdauer der meisten auf die Haut aufgetragenen Mittel.

  4. Als Mückenschutz ohne Biozide nennt das Umweltbundesamt helle, locker sitzende und möglichst viel Haut bedeckende Kleidung, Fliegengitter an den Fenstern, Moskitonetze über dem Bett und in geschlossenen Räumen einen Ventilator mit mindestens einem Meter pro Sekunde Luftbewegung, weil fliegende Insekten bewegte Luft meiden.

  5. Weil in Deutschland in den Sommermonaten inzwischen größere Populationen der Asiatischen Tigermücke nachgewiesen werden, empfiehlt das Umweltbundesamt, alle als Brutstätte nutzbaren stehenden Gewässer zu vermeiden und Regentonnen sowie Vogeltränken mindestens wöchentlich restlos zu entleeren oder mückensicher zu verschließen.