Winzige farbige Plastikfragmente schweben in blaugrünem Meerwasser
Sekundäres Mikroplastik entsteht, wenn größere Kunststoffteile über Jahre zerfallen

Wo Mikroplastik überall steckt und wie du es meidest

Die größte Mikroplastik-Quelle in Deutschland ist nicht das Peeling, sondern der Reifenabrieb. Was belegt ist, was offen bleibt, was im Alltag zählt.

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Mikroplastik ist eines der unauffälligsten Umweltprobleme unserer Zeit. Es riecht nicht, es sieht man kaum, und trotzdem steckt es in Kosmetikprodukten, in synthetischer Kleidung, in Böden, Flüssen, im Meer und, wie neuere Forschung zeigt, auch im menschlichen Körper.

Wie groß das Risiko für Umwelt und Gesundheit tatsächlich ist, lässt sich heute nur teilweise beantworten. Manche Zusammenhänge sind gut dokumentiert, andere Fragen sind offen. Das ist der Stand der Forschung, und dieser Text gibt ihn so wieder.

Dieser Text ordnet ein, was Studien zu Mikroplastik bisher zeigen, wo die größten Quellen liegen und was sich in deinem Alltag mit vertretbarem Aufwand verändern lässt, wenn du das willst.

Was Mikroplastik eigentlich ist

Als Mikroplastik gelten Kunststoffpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind, das ist auch die Grenze, die die neue EU-Verordnung zugrunde legt. Diese Grenze ist bewusst weit gefasst, sie deckt sowohl deutlich sichtbare Fragmente als auch feine Fasern ab, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. Innerhalb dieser Definition wird zwischen zwei Entstehungswegen unterschieden.

Primäres Mikroplastik wird von Anfang an in dieser Größe hergestellt oder freigesetzt, etwa als Faser beim Waschen synthetischer Kleidung oder früher als Abrasivstoff in Peelings. Sekundäres Mikroplastik entsteht dagegen erst nachträglich, wenn größere Kunststoffteile wie Verpackungen, Reifen oder Fischernetze durch UV-Licht, Reibung und Wetter langsam zerfallen. Beide Wege tragen zur Gesamtmenge bei, sie unterscheiden sich aber deutlich darin, wie leicht sie sich vermeiden lassen.

Nanoplastik als weitere Größenordnung

Unterhalb von Mikroplastik liegt Nanoplastik, Partikel im Bereich von wenigen millionstel Millimetern. Wie viel davon in Umwelt und Organismen vorkommt und wie es sich dort verhält, ist bislang kaum erforscht, dafür fehlen bis heute standardisierte Messmethoden. Was in diesem Text zu Mikroplastik gesagt wird, lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres auf Nanoplastik übertragen.

Woher Mikroplastik kommt

Die bislang umfassendste Bestandsaufnahme für Deutschland stammt von Fraunhofer UMSICHT. Die Konsortialstudie aus dem Jahr 2018 hat 51 einzelne Quellen identifiziert und nach Menge sortiert, von Reifenabrieb bis zu Fasern aus der Textilindustrie. Pro Kopf kommen in Deutschland gut vier Kilogramm Mikroplastik im Jahr zusammen, insgesamt rund 330.000 Tonnen. Rund zwei Drittel der gesamten Kunststoffemissionen im Land sind Mikroplastik, ein Drittel entfällt auf größere Fragmente, sogenanntes Makroplastik.

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Die Zuordnung gilt dem gesamten Inhaltselement.

Reifenabrieb ist mit mehr als 50 Prozent die größte Einzelquelle für Mikroplastik in Deutschland. Insgesamt entstehen dort gut 4 Kilogramm Mikroplastik pro Kopf und Jahr, rund 330.000 Tonnen, verteilt auf 51 identifizierte Quellen; Kosmetik steht darin nur auf Platz 17.

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Der Rückweg führt zum Abschnitt oder Artikel, da für diese ältere Stelle keine eindeutige Absatzidentität vorliegt.

Reifen als größte Einzelquelle

An der Spitze der Liste steht mit deutlichem Abstand der Reifenabrieb, mit mehr als der Hälfte der gesamten Mikroplastikmenge in Deutschland die größte Einzelquelle überhaupt. Jede Person im Land verursacht damit im Schnitt über ein Kilogramm Reifenabrieb pro Jahr. Wie viel dabei pro gefahrenem Kilometer entsteht, hängt stark vom Fahrzeug ab, ein Pkw gibt zwischen 53 und 200 Milligramm pro Kilometer ab, ein Sattelzug kommt auf bis zu 1500 Milligramm. Der Abrieb entsteht bei jeder Bremsung und jeder Kurve, unabhängig davon, ob das Fahrzeug elektrisch oder mit Verbrennungsmotor fährt.

Textilwäsche und ihr Anteil an der Meeresverschmutzung

Beim Blick auf die Weltmeere verschiebt sich das Bild etwas. Nach der IUCN-Studie von 2017 stammen bis zu 35 Prozent des primären Mikroplastiks in den Ozeanen aus dem Waschen synthetischer Textilien. Von den geschätzt 9,5 Millionen Tonnen Kunststoff, die jährlich ins Meer gelangen, sind 15 bis 31 Prozent primäres Mikroplastik, knapp zwei Drittel davon stammen aus Textilwäsche und Reifenabrieb zusammen. Wie sich die beiden Quellen die Anteile teilen, unterscheidet sich regional deutlich, in Asien dominieren Textilien, in Europa, Amerika und Zentralasien liegt der Schwerpunkt eher bei Reifen.

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In den Weltmeeren stammen bis zu 35 Prozent des primären Mikroplastiks aus dem Waschen synthetischer Textilien; zusammen mit Reifenabrieb machen beide Quellen knapp zwei Drittel des primären Mikroplastiks aus, wobei Textilien in Asien und Reifenabrieb in Europa, Amerika und Zentralasien dominieren.

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Kosmetik, Verpackungen und Industrie

Kosmetik gehört zu den Quellen, die in der öffentlichen Wahrnehmung am präsentesten sind, in der Fraunhofer-Rangliste der 51 Quellen landet sie jedoch nur auf Platz 17. Das bedeutet nicht, dass Mikroplastik in Duschgel oder Peeling irrelevant wäre, es bedeutet vor allem, dass Reifen und Textilien mengenmäßig deutlich schwerer wiegen. Die übrigen Plätze der Liste verteilen sich auf viele kleinere Posten, von Verpackungen über industrielle Prozesse bis zum Abrieb von Kunstrasen und Farben. Der Beitrag einer Produktgruppe unterscheidet sich deutlich je nach Häufigkeit und Menge der Nutzung. Ein täglich verwendetes Duschgel wirkt anders als eine selten genutzte Bodylotion.

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Reifenabrieb ist mit mehr als 50 Prozent die größte Einzelquelle für Mikroplastik in Deutschland. Insgesamt entstehen dort gut 4 Kilogramm Mikroplastik pro Kopf und Jahr, rund 330.000 Tonnen, verteilt auf 51 identifizierte Quellen; Kosmetik steht darin nur auf Platz 17.

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Textilie und Kosmetikprodukte auf hellem Untergrund
Textilien und Kosmetik sind die sichtbaren Quellen, die größte liegt auf der Straße

Wo sich Mikroplastik im Alltag versteckt

Peelings mit sichtbaren Kügelchen sind der bekannteste Fall, aber bei Weitem nicht der einzige. Kunststoffpartikel stecken auch dort, wo man sie nicht sieht, weil sie als Filmbildner, Verdicker oder Trübungsmittel eingesetzt werden.

Kosmetik über das Peeling hinaus

Wer wissen will, ob ein Produkt synthetische Polymere enthält, kommt an der INCI-Liste auf der Verpackung nicht vorbei. Begriffe wie Polyethylene, Polypropylene, Nylon, Acrylates Copolymer oder Polyquaternium weisen auf Kunststoffanteile hin, auch wenn sie in Cremes, Shampoos, Make-up oder Sonnenschutz stecken und nicht als Peeling-Körner erkennbar sind. Die neue EU-Verordnung erfasst diese Anwendungen erst mit deutlichem zeitlichen Abstand zu den Peelings, dazu weiter unten mehr.

Kleidung und Haushalt

Synthetische Textilien wie Polyester, Acryl oder Fleece geben beim Waschen Fasern ab, das ist nach der Studie von Napper und Thompson gut belegt, bei einer Waschladung von sechs Kilogramm Acrylgewebe lösen sich über 700.000 Fasern. Mischgewebe aus Polyester und Baumwolle setzt dabei deutlich weniger Fasern frei als reines Polyester oder Acryl. Wie viel am Ende tatsächlich abgeht, hängt zusätzlich von Waschtemperatur, Waschmittel und dem Einsatz von Weichspüler ab. Auch außerhalb der Waschmaschine ist Kunststoff im Haushalt breit vertreten, in Teppichen, Vorhängen, Spielzeug und Verpackungen, die sich über die Zeit langsam abnutzen. Selbst auf Balkon und Terrasse ist Kunststoff präsent, etwa in Bodenbelägen oder Gartenmöbeln, die über Jahre hinweg ganz allmählich Material an ihre Umgebung abgeben.

Kosmetiktiegel mit Inhaltsstoffliste auf der Rueckseite
In der INCI-Liste stehen die Polymere unter ihren chemischen Namen

Was Mikroplastik in Umwelt und Körper bewirkt

In der Umwelt ist die Wirkung von Mikroplastik inzwischen recht gut dokumentiert. Es reichert sich in Böden, Flüssen und Meeren an, wird von Organismen aufgenommen und wandert über die Nahrungskette weiter. Besonders kleine Partikel werden dabei von einer wachsenden Zahl an Arten aufgenommen, von Kleinstlebewesen im Boden bis hin zu Fischen im offenen Meer. Wie genau sich das auf einzelne Ökosysteme auswirkt, wird nach wie vor erforscht, dass es sich anreichert und kaum abbaut, gilt aber als gesichert.

Was die Forschung zum menschlichen Körper bisher weiß

Für den menschlichen Körper ist die Datenlage jünger und deutlich lückenhafter. Erst 2022 untersuchten Forschende um Leslie und Kollegen Vollblut von 22 gesunden Freiwilligen auf Kunststoffpartikel ab einer Größe von 700 Nanometern, veröffentlicht in Environment International. Bei vier von fünf untersuchten Kunststoffarten ließen sich Partikel erstmals im menschlichen Blut nachweisen und quantifizieren, es handelt sich um PET, Polyethylen, einen Polystyrol-Summenparameter und PMMA. Nur Polypropylen lag unter der Bestimmungsgrenze. Die mittlere Summenkonzentration lag bei 1,6 Mikrogramm Kunststoffpartikel pro Milliliter Blut.

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Eine 2022 in Environment International veröffentlichte Studie von Leslie und Kolleginnen wies erstmals Kunststoffpartikel im menschlichen Blut nach und quantifizierte sie. Im Vollblut von 22 gesunden Freiwilligen fanden sich vier der fünf untersuchten Kunststoffarten, die mittlere Summenkonzentration lag bei 1,6 Mikrogramm pro Milliliter. Ob daraus ein Gesundheitsrisiko folgt, ließen die Autorinnen und Autoren ausdrücklich als offene Frage stehen.

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Der Rückweg führt zum Abschnitt oder Artikel, da für diese ältere Stelle keine eindeutige Absatzidentität vorliegt.

Was dieser Nachweis für die Gesundheit bedeutet, ist damit noch nicht beantwortet. Die Studie zeigt, dass Partikel den Weg in den Blutkreislauf finden, sie zeigt nicht, welche Konzentration schädlich wäre oder ob es überhaupt eine unbedenkliche Grenze gibt. Größere und länger angelegte Studien zu möglichen Gesundheitsfolgen laufen an, belastbare Ergebnisse dazu stehen bislang aus. Wer hier fertige Antworten verspricht, geht über das hinaus, was die Forschung aktuell hergibt.

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Die Zuordnung gilt dem gesamten Inhaltselement.

Eine 2022 in Environment International veröffentlichte Studie von Leslie und Kolleginnen wies erstmals Kunststoffpartikel im menschlichen Blut nach und quantifizierte sie. Im Vollblut von 22 gesunden Freiwilligen fanden sich vier der fünf untersuchten Kunststoffarten, die mittlere Summenkonzentration lag bei 1,6 Mikrogramm pro Milliliter. Ob daraus ein Gesundheitsrisiko folgt, ließen die Autorinnen und Autoren ausdrücklich als offene Frage stehen.

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Der Rückweg führt zum Abschnitt oder Artikel, da für diese ältere Stelle keine eindeutige Absatzidentität vorliegt.

Was im Alltag den größten Unterschied macht

Wer bei Mikroplastik zuerst an Kosmetik denkt, liegt mengenmäßig daneben. Nach der Fraunhofer-Rangliste sind Reifenabrieb und die Wäsche synthetischer Textilien die beiden größten Quellen in Deutschland, Kosmetik liegt weit dahinter auf Platz 17 von 51. Wenn du im eigenen Alltag am meisten bewegen willst, lohnt sich deshalb zuerst ein Blick auf Mobilität und Kleidung, erst danach auf das Badezimmerregal.

Worauf beruht dieser Absatz?

Die Zuordnung gilt dem gesamten Inhaltselement.

Reifenabrieb ist mit mehr als 50 Prozent die größte Einzelquelle für Mikroplastik in Deutschland. Insgesamt entstehen dort gut 4 Kilogramm Mikroplastik pro Kopf und Jahr, rund 330.000 Tonnen, verteilt auf 51 identifizierte Quellen; Kosmetik steht darin nur auf Platz 17.

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Beim Autofahren und unterwegs

Reifenabrieb hängt direkt mit gefahrenen Kilometern und Fahrweise zusammen, ein Pkw setzt zwischen 53 und 200 Milligramm pro Kilometer frei. Legst du Strecken mit Fahrrad, zu Fuß oder öffentlichem Verkehr zurück statt mit dem Auto, reduzierst du diesen Anteil direkt. Auch eine vorausschauende statt ruckartige Fahrweise wirkt sich aus, ebenso wie gebündelte statt viele einzelne kurze Fahrten.

Beim Waschen

Bei Textilien wirkt vor allem, wie gewaschen wird. Eine niedrigere Temperatur und eine voll beladene statt halb leere Trommel verringern die mechanische Reibung, aus der sich die Fasern lösen. Wäschst du synthetische Kleidungsstücke seltener, reduziert sich die Freisetzung zusätzlich, und wo es die Garderobe zulässt, geben Naturfasern wie Baumwolle, Wolle oder Leinen von vornherein weniger Mikroplastik ab als reines Polyester oder Acryl.

Bei Kosmetik und im Haushalt

Auch wenn Kosmetik mengenmäßig die kleinere Quelle ist, bleibt sie die am leichtesten zu beeinflussende, weil du das einzelne Produkt in der Hand hältst. Ein Blick auf die INCI-Liste zeigt, ob Polyethylene, Nylon oder ähnliche Polymere enthalten sind. Seit Oktober 2023 dürfen Mikroplastik-Kügelchen als Abrasivstoff in Peelings ohnehin nicht mehr verkauft werden, weitere Kosmetikkategorien folgen in den kommenden Jahren mit eigenen Fristen. Auch bei Wasch- und Spülmitteln lohnt sich ein Blick auf die Inhaltsstoffe, selbst wenn diese Produktgruppe nach dem EU-Zeitplan erst ab 2028 reguliert wird.

Wasser laeuft durch ein feines Gewebe
Beim Waschen lösen sich Fasern aus synthetischen Geweben und gehen mit dem Wasser ab

Was die EU-Verordnung regelt und was nicht

Seit dem 25. September 2023 gilt in der EU eine Verordnung, die synthetische Polymermikropartikel unter fünf Millimetern beschränkt, sofern sie schwer abbaubar sind, verankert als Eintrag 78 in Anhang XVII der REACH-Verordnung. Sie greift über einen gestaffelten Zeitplan, der sich an unterschiedlichen Produktgruppen orientiert.

Mikroplastik-Kügelchen als Abrasivstoff, also die klassischen Peeling-Körner, sind seit dem 17. Oktober 2023 verboten, ohne Übergangsfrist. Bei abwaschbarer Kosmetik greift das Verbot ab 2027, bei Wasch- und Reinigungsmitteln ab 2028, bei Kosmetik, die nicht abgewaschen wird, und bei Medizinprodukten ab 2029, bei Einstreugranulat auf Sportanlagen ab 2031. Am längsten dauert es bei Lippenprodukten, Nagelprodukten und Make-up, dort gilt das Verbot erst ab 2035, mit einer Kennzeichnungspflicht bereits ab 2031.

Was die Verordnung ausdrücklich nicht regelt, sind die beiden größten Quellen aus der Fraunhofer-Rangliste. Reifenabrieb und die Fasern aus der Textilwäsche entstehen nicht durch zugesetztes Mikroplastik, sondern durch Abrieb bestehender Produkte, dafür greift dieses Regelwerk nicht. Wer die Verordnung als vollständige Antwort auf das Mikroplastik-Problem liest, überschätzt ihre Reichweite.

Häufige Fragen zu Mikroplastik

Ist Mikroplastik schädlich für die Gesundheit?
Ob und in welchem Maß Mikroplastik der Gesundheit schadet, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. 2022 wiesen Forschende erstmals Kunststoffpartikel in Vollblutproben von 22 gesunden Freiwilligen nach und quantifizierten sie. Was diese Konzentration für die Gesundheit bedeutet, ist damit aber noch nicht beantwortet, die Autoren nennen das selbst als offene Frage.
Was unterscheidet Mikroplastik von Nanoplastik?
Mikroplastik bezeichnet Kunststoffpartikel unter fünf Millimetern. Nanoplastik ist noch kleiner, im Bereich weniger millionstel Millimeter, und lässt sich mit heutigen Methoden nur schwer messen, weshalb die Forschung dazu deutlich weniger weit ist als bei Mikroplastik.
Welche Quelle trägt in Deutschland am meisten zu Mikroplastik bei?
Nach der Fraunhofer-Konsortialstudie von 2018 ist Reifenabrieb mit mehr als 50 Prozent die mit Abstand größte Einzelquelle, gefolgt von weiteren Quellen wie der Textilwäsche. Kosmetik liegt in der Rangliste der 51 identifizierten Quellen erst auf Platz 17.
Helfen Waschbeutel gegen Mikrofasern aus der Waschmaschine?
Ob spezielle Waschbeutel die Faserfreisetzung wirksam reduzieren, ist bislang nicht durch belastbare Zahlen belegt. Wer die Freisetzung senken will, kann stattdessen bei Temperatur, Beladung und Waschhäufigkeit ansetzen, dafür gibt es gute Belege.
Ab wann ist Mikroplastik in Kosmetik EU-weit verboten?
Das Verbot gilt gestaffelt. Mikroplastik-Kügelchen als Peeling-Wirkstoff sind bereits seit dem 17. Oktober 2023 verboten. Abwaschbare Kosmetik folgt ab 2027, Kosmetik, die nicht abgewaschen wird, ab 2029, Lippen-, Nagelprodukte und Make-up erst ab 2035, mit Kennzeichnungspflicht ab 2031.

Quellen und Belege

Hier stehen die zugeordneten Aussagen und ihre Quellen. Wie eine Aussage geprüft wurde, lässt sich auf ihrer eigenen Seite nachlesen.

  1. Reifenabrieb ist mit mehr als 50 Prozent die größte Einzelquelle für Mikroplastik in Deutschland. Insgesamt entstehen dort gut 4 Kilogramm Mikroplastik pro Kopf und Jahr, rund 330.000 Tonnen, verteilt auf 51 identifizierte Quellen; Kosmetik steht darin nur auf Platz 17.

  2. In den Weltmeeren stammen bis zu 35 Prozent des primären Mikroplastiks aus dem Waschen synthetischer Textilien; zusammen mit Reifenabrieb machen beide Quellen knapp zwei Drittel des primären Mikroplastiks aus, wobei Textilien in Asien und Reifenabrieb in Europa, Amerika und Zentralasien dominieren.

  3. Eine 2022 in Environment International veröffentlichte Studie von Leslie und Kolleginnen wies erstmals Kunststoffpartikel im menschlichen Blut nach und quantifizierte sie. Im Vollblut von 22 gesunden Freiwilligen fanden sich vier der fünf untersuchten Kunststoffarten, die mittlere Summenkonzentration lag bei 1,6 Mikrogramm pro Milliliter. Ob daraus ein Gesundheitsrisiko folgt, ließen die Autorinnen und Autoren ausdrücklich als offene Frage stehen.

Weitere Quellen ohne Absatzzuordnung

  1. Marine Pollution Bulletin - Release of synthetic microplastic plastic fibres from domestic washing machines Original (externe Seite)
  2. Verordnung (EU) 2023/2055 - Beschraenkung synthetischer Polymermikropartikel (REACH Anhang XVII, Eintrag 78) Original (externe Seite)

Fazit

Mikroplastik ist ein gut dokumentierter Teil dessen, wie Kunststoff heute durch Umwelt und Alltag zirkuliert. Die größten Mengen entstehen dort, wo es am wenigsten auffällt, im Abrieb von Autoreifen und beim Waschen synthetischer Kleidung, nicht im Badezimmerschrank. Das macht das Thema nicht kleiner, es macht es nur weniger geeignet für einfache Schlagzeilen.

Was das für deine Gesundheit bedeutet, lässt sich heute noch nicht abschließend sagen, dafür ist die Forschung zu jung. Im eigenen Alltag lässt sich trotzdem einiges verändern, angefangen bei der Frage, wie viele Kilometer mit dem Auto zurückgelegt werden. Auch die Waschtemperatur und wie oft synthetische Kleidung in die Maschine kommt, spielen eine Rolle, ebenso ein genauerer Blick auf die INCI-Liste beim Kosmetikkauf. Die EU-Verordnung deckt davon nur einen Ausschnitt ab, den größeren Unterschied macht nach wie vor der eigene Alltag.