So schützt du deine Hände vor dem Winter

Wie du deine Hände schon im Herbst vor rissiger Haut und Handekzem schützt, mit dem Dreiklang aus Schützen, Reinigen und Pflegen.

Ein Paar Lederhandschuhe neben einem offenen Glas Handbalsam auf einem hölzernen Fensterbrett im warmen Herbstlicht
Der Herbst ist der richtige Moment, um die Handpflege wieder ernst zu nehmen

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Für diesen Artikel wollten wir wissen, was Beschäftigte in der Pflege, im Friseurhandwerk oder in der Metallverarbeitung eigentlich tun, um ihre Hände über den Winter zu bringen. Dort ist die Vorbeugung deshalb so durchdacht, weil ein Handekzem bei solchen Tätigkeiten häufig auftritt und entsprechend ernst genommen wird. Die Antwort darauf passt erstaunlich gut auf den eigenen Alltag zu Hause.

Die meisten von uns merken ihre Handhaut erst, wenn sie schon spannt oder an den Fingerkuppen aufreißt, meist irgendwann im November. Bis dahin hat sie sich längst an häufigeres Waschen in der Erkältungszeit, trockene Heizungsluft und kalten Wind gewöhnen müssen, ohne dass sich an der eigenen Routine etwas geändert hätte.

Dieser Ratgeber setzt vor dem Rissigwerden an. Er überträgt den Dreiklang aus Schützen, Reinigen und Pflegen, den Betriebe mit viel Feuchtarbeit unter dem Namen Hautschutzplan organisieren, auf den eigenen Herbst. Wer schon rissige, wunde Hände hat, findet die passende Akutpflege in unserem Artikel Trockene Hände im Winter intensiv pflegen; hier geht es darum, so weit gar nicht erst zu kommen.

Warum sich Vorbeugen im Herbst lohnt

Die S2k-Leitlinie zum Handekzem unterscheidet zwei Stadien: Ein akutes Handekzem dauert weniger als drei Monate und tritt höchstens einmal im Jahr auf, ein chronisches Handekzem hält länger an oder kommt mindestens zweimal jährlich wieder. Besteht der Verdacht auf eine berufsbedingte Ursache, sieht die Leitlinie vor, dass eine Ärztin oder ein Arzt die betroffene Person einer Hautärztin oder einem Hautarzt vorstellt, die oder der über die gesetzliche Unfallversicherung eine Hautschutzberatung einleiten kann.

Diese Unterscheidung gilt zunächst für Berufe mit viel Feuchtarbeit, aber sie zeigt etwas Grundsätzliches: Aus einem Winter, in dem die Hände immer wieder austrocknen und sich nie ganz erholen, kann mit der Zeit ein Zustand werden, der nicht mehr von allein verschwindet. Vorbeugen im Herbst heißt, der Haut die Erholungspausen zu geben, die sie zwischen zwei Belastungen braucht.

Handschuhe schützen die Hände, bevor Kälte und Nässe angreifen

Die S2k-Leitlinie zum Handekzem empfiehlt, bei Feuchtarbeit, mechanischer Belastung und Kontakt mit Reiz- oder Gefahrstoffen sowohl im Beruf als auch im Haushalt Schutzhandschuhe zu tragen, sie aber nicht länger als nötig zu tragen, weil Reibung und die feuchte Wärme unter dem Handschuh selbst die Haut reizen können. Bei dichten Handschuhen rät sie ab etwa zehn Minuten Tragezeit zu dünnen Baumwollhandschuhen darunter, die bei Durchfeuchtung gewechselt werden, im Winter zu isolierenden Handschuhen, und dazu, Ringe vor der Feuchtarbeit abzulegen.

Für den Alltag heißt das: gefütterte Handschuhe für den Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen, dazu ein Paar Gummihandschuhe am Spülbecken und beim Putzen. Wer beim Abwasch lieber ohne Handschuhe arbeitet, tauscht das Wasser wenigstens gegen etwas Kühleres statt gegen möglichst heißes, denn heißes Wasser löst den Fettfilm der Haut besonders gründlich.

Ein Paar gestrickte Wollhandschuhe und ein Paar gelbe Gummihandschuhe nebeneinander auf einer hellen Küchenarbeitsplatte
Ein Paar für draußen, eins für das Spülbecken: zwei Handschuhe reichen für die meisten Alltagssituationen

Beim Waschen mehr Rücksicht auf die Haut nehmen

Dieselbe Leitlinie bringt häufiges Händewaschen mit Tensiden und heißes statt lauwarmes Wasser mit der Entstehung von Handekzemen in Verbindung und rät zu milden Syndets mit einem hautneutralen pH-Wert von 5,5. Sind die Hände nicht sichtbar verschmutzt, empfiehlt sie besonders in der Pflege und in der Lebensmittelverarbeitung eine alkoholische Händedesinfektion anstelle des Waschens, weil sie die Hautbarriere weniger stark angreift.

  • Lauwarmes statt heißes Wasser zum Händewaschen verwenden
  • Reinigungsmittel oder Seife sparsam dosieren statt großzügig aufzutragen
  • Nach dem Waschen gründlich abspülen und auch die Fingerzwischenräume trocken tupfen
  • Weiche Papiertücher oder das eigene Handtuch statt Gemeinschaftshandtuch oder Heißlufttrockner
  • Nur in der Pflege oder der Lebensmittelverarbeitung: nicht sichtbar verschmutzte Hände eher desinfizieren als waschen

Das deckt sich mit den Hinweisen der BGHM zu Reinigung und Pflege der Hände für den betrieblichen Alltag: Reinigungsmittel sparsam dosieren, reichlich abspülen, gründlich trocknen und dafür lieber zu weichen Papiertüchern greifen statt zum Heißlufttrockner, weil sich darin Reste des Reinigungsmittels auf der Haut aufkonzentrieren können. Im eigenen Bad lässt sich das eins zu eins übernehmen.

Ein Stück helle, unparfümierte Seife auf einer weißen Keramikschale neben einem Wasserhahn mit sanft laufendem Wasser
Sparsam dosieren und lauwarm statt heiß, das reicht für die meisten Alltagsverschmutzungen

Nach dem Waschen konsequent rückfetten

Nach der Reinigung kommt der Teil, der am häufigsten ausfällt: Die S2k-Leitlinie empfiehlt, die Hände regelmäßig und vor allem nach der Arbeit einzucremen, tagsüber mit einem schnell einziehenden, abends mit einem reichhaltigeren Produkt mit höherem Fettanteil. Von Pflegeprodukten mit Harnstoff rät sie unmittelbar vor oder während hautbelastender Tätigkeiten ab, weil Harnstoff die Haut durchlässiger für Reiz- und Allergiestoffe machen kann. Für die Pflege am Abend spricht das nicht dagegen.

Geeignete Inhaltsstoffe für die Handcreme am Abend sind zum Beispiel Sheabutter oder pflanzliche Öle, die reichhaltig rückfetten, und Feuchthaltefaktoren wie Glycerin. Tagsüber reicht oft eine leichtere Textur, die schnell einzieht und nicht auf der Tastatur oder am Lenkrad klebt.

Dass regelmäßiges Eincremen tatsächlich etwas bringt, zeigt eine Cochrane-Metaanalyse (eine Übersichtsarbeit, die mehrere Studien zusammenfasst) zur Vorbeugung von berufsbedingtem Handekzem aus dem Jahr 2018: In drei zusammengefassten Studien mit 507 Berufstätigen entwickelten Personen, die regelmäßig eine gewöhnliche Feuchtigkeitscreme nutzten, seltener Anzeichen eines Handekzems als die Vergleichsgruppe ohne Creme, rund 13 von 100 gegenüber rund 19 von 100. Kombinierten zwei kleinere Studien Feuchtigkeits- mit Barrierecreme, fiel der Unterschied noch etwas deutlicher aus, während eine Barrierecreme allein kaum einen Unterschied machte. Zu Schutzhandschuhen fand sich in der gesamten Übersichtsarbeit keine einzige passende Studie, dazu können wir aus dieser Quelle also nichts sagen.

Ein offenes Glas reichhaltige Handcreme auf einem Nachttisch neben einer kleinen Leselampe im warmen Licht
Die reichhaltigere Creme gehört an den Abend, wenn die Haut Zeit zur Erholung hat

Den betrieblichen Hautschutzplan auf den eigenen Alltag übertragen

In Betrieben mit viel Feuchtarbeit hängt oft ein Hautschutzplan am Waschbecken: eine Tabelle, die für jede Tätigkeit festlegt, welches Schutzmittel vor der Arbeit, welches Reinigungsmittel danach und welche Pflege am Feierabend zum Einsatz kommt. Dieselbe Idee lässt sich auf ein kleines eigenes System übertragen, eine Tube Handcreme am Waschbecken, eine zweite am Schreibtisch, Handschuhe an der Wohnungstür, damit keiner der drei Schritte am fehlenden Produkt scheitert.

Wer schon rissige oder wunde Stellen hat, kommt mit Vorbeugung allein nicht mehr aus. Unser Artikel Trockene Hände im Winter intensiv pflegen beschreibt die passende Akutpflege mit Overnight-Handschuhen und reichhaltigeren Balsamen. Wer die neue Routine lieber Schritt für Schritt einüben will, findet in unserer 7-Tage Handpflege-Challenge oder der 14-Tage Handcreme-Routine einen festen Rahmen dafür.

Häufige Fehler bei der Vorbeugung im Herbst

Auch mit guten Absichten schleichen sich Gewohnheiten ein, die die Handhaut über den Herbst eher schwächen als stärken.

  • Erst eincremen, wenn die Haut schon spannt oder reißt, statt schon im Oktober mit einer festen Routine zu beginnen
  • Handschuhe nur bei sichtbarer Kälte tragen, sie beim Abwasch oder Putzen aber weglassen
  • Kalte Hände an heißem Wasser aufwärmen, obwohl das den Fettfilm der Haut zusätzlich löst
  • Eine harnstoffhaltige Creme direkt vor der Gartenarbeit oder dem Putzen auftragen statt danach

Keiner dieser Punkte ist für sich dramatisch, erst in der Summe über mehrere Wochen macht sich der Unterschied bemerkbar.

Häufige Fragen zur Handpflege im Herbst

Ab wann sollte ich mit der Handpflege für den Winter anfangen?
Am einfachsten schon im Herbst, sobald die Heizung wieder läuft und die Luft trockener wird, nicht erst wenn die Haut bereits rissig ist. Die drei Schritte Schützen, Reinigen und Pflegen lassen sich von da an Stück für Stück in bestehende Gewohnheiten wie Händewaschen und den Weg nach draußen einbauen.
Wie oft sollte ich meine Hände im Herbst eincremen?
Nach jedem Händewaschen und zusätzlich abends vor dem Schlafengehen mit einem reichhaltigeren Produkt. Cremes mit Harnstoff eignen sich eher für den Abend als für unmittelbar vor einer hautbelastenden Tätigkeit, weil Harnstoff die Haut durchlässiger für Reizstoffe machen kann.
Wann ist trockene Handhaut mehr als eine Kleinigkeit?
Nach der Definition der S2k-Leitlinie zum Handekzem gilt ein Handekzem als chronisch, wenn es länger als drei Monate anhält oder mindestens zweimal im Jahr wiederkommt. Ab diesem Punkt lohnt sich der Weg zur Hautärztin oder zum Hautarzt, auch um eine berufliche Ursache abzuklären.
Was tun bei bereits rissigen oder schmerzenden Händen?
Dann reicht Vorbeugung allein nicht mehr aus. Unser Artikel Trockene Hände im Winter intensiv pflegen beschreibt eine Akutpflege mit reichhaltigen Balsamen und der Handschuh-Methode über Nacht; halten die Beschwerden trotzdem an, gehört das in ärztliche Hände.

Der Herbst ist der beste Moment, um anzufangen

Der Dreiklang aus Schützen, Reinigen und Pflegen ist keine neue Erfindung, sondern das, was Betriebe mit hoher Hautbelastung seit Jahrzehnten praktizieren, weil sich ein Handekzem sonst zu einem chronischen und beruflich relevanten Problem auswachsen kann. Für den eigenen Alltag reicht eine deutlich einfachere Version davon: Handschuhe griffbereit, eine mildere Reinigung, und eine Handcreme, die tatsächlich benutzt wird.

Wer damit schon im Oktober beginnt, kommt mit guter Wahrscheinlichkeit ohne die rissigen, schmerzenden Stellen durch den Winter, die sich sonst erst im Januar bemerkbar machen. Falls es doch so weit kommt, findet sich die passende Akutpflege gleich nebenan.

Quellen und Referenzen

  1. Die S2k-Leitlinie zum Handekzem stuft ein Handekzem als chronisch ein, wenn es länger als drei Monate anhält oder mindestens zweimal im Jahr auftritt, gegenüber einem akuten Handekzem mit unter drei Monaten Dauer und höchstens einer Episode pro Jahr. Bei begründetem Verdacht auf eine berufsbedingte Hauterkrankung sieht sie vor, dass Ärztinnen und Ärzte die betroffene Person einer Hautärztin oder einem Hautarzt vorstellen, die oder der über die gesetzliche Unfallversicherung eine Hautschutzberatung einleiten kann.

  2. Die S2k-Leitlinie zum Handekzem empfiehlt, bei Feuchtarbeit, mechanischen Belastungen und im Umgang mit Gefahrstoffen sowohl im Haushalt als auch am Arbeitsplatz Schutzhandschuhe zu tragen, sie aber nicht länger als nötig zu tragen, weil Reibung und Okklusion selbst die Haut reizen können. Bei flüssigkeitsdichten Handschuhen rät sie ab etwa zehn Minuten Tragezeit zu Baumwollunterziehhandschuhen, die bei Durchfeuchtung regelmäßig gewechselt werden, im Winter zu isolierenden Handschuhen, und bei Feuchtarbeit dazu, Ringe und anderen Schmuck vorher abzulegen.

  3. Die S2k-Leitlinie zum Handekzem bringt häufiges Händewaschen mit Tensiden und das Waschen mit heißem statt lauwarmem Wasser mit der Entstehung von Handekzemen in Verbindung und empfiehlt stattdessen milde Syndets mit einem hautneutralen pH-Wert von 5,5. Sind die Hände nicht sichtbar verschmutzt, rät sie vor allem im Gesundheitswesen und in der Lebensmittelverarbeitung zu einer alkoholischen Händedesinfektion anstelle des Waschens, weil diese die Hautbarriere weniger schädigt.

  4. Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall empfiehlt, Reinigungsmittel beim Händewaschen sparsam zu dosieren, mit reichlich Wasser abzuwaschen und die Hände danach gründlich, auch in den Fingerzwischenräumen, zu trocknen, bevorzugt mit weichen Papiertüchern statt Gemeinschaftshandtüchern. Von Heißlufttrocknern rät sie ab, weil sich Tensidreste dabei auf der Haut aufkonzentrieren können, und sie ordnet regelmäßige Hautpflege in der arbeitsfreien Zeit, vor allem nach der Arbeit, als maßgeblich für die Vorbeugung von Hauterkrankungen ein.

  5. Die S2k-Leitlinie zum Handekzem empfiehlt, die Hände regelmäßig und vor allem nach der Arbeit mit einem Pflegeprodukt einzucremen, tagsüber eher ein schnell einziehendes und vor dem Schlafengehen ein reichhaltigeres Produkt mit höherem Lipidanteil. Vor oder während der Arbeit rät sie von Pflegeprodukten mit Harnstoff ab, weil dieser potenziell die Penetration von Allergenen oder Reizstoffen fördern kann.

  6. In einer Cochrane-Metaanalyse von neun randomisiert-kontrollierten Studien mit 2888 Berufstätigen entwickelten Personen, die regelmäßig eine gewöhnliche Feuchtigkeitscreme nutzten, in drei zusammengefassten Studien mit 507 Teilnehmenden seltener Anzeichen eines Handekzems als die Vergleichsgruppe ohne Creme (rund 13 von 100 gegenüber rund 19 von 100). Bei kombinierter Nutzung von Feuchtigkeits- und Barrierecreme fiel der Unterschied in zwei kleineren Studien noch deutlicher aus (rund 8 von 100 gegenüber 13 von 100), während Barrierecreme allein kaum einen Unterschied machte. Schutzhandschuhe untersuchte keine der eingeschlossenen Studien.