Vier Lagen Stoff unterschiedlicher Dichte nebeneinander auf hellem Untergrund
Von reichhaltig bis leicht, die Konsistenz entscheidet mit darüber, ob eine Pflege passt.

Gesichtscremes und Öle im Vergleich

Cremes, Fluids, Seren und Öle im Vergleich, sortiert nach Hauttyp statt nach Marke. Welche Konsistenz zu welcher Haut passt und woran du gute Pflege erkennst.

Mit KI erstellt, redaktionell geprüft

Im Regal stehen sie nebeneinander und versprechen ungefähr dasselbe. Eine reichhaltige Creme, ein leichtes Fluid, ein Serum im Pipettenfläschchen und daneben ein Öl, das nach der besonders natürlichen Lösung aussieht. Alle behaupten, die Haut mit Feuchtigkeit zu versorgen. Zwischen vier und vierundzwanzig Euro liegt dabei alles, und der Preis sagt erstaunlich wenig darüber, was drin ist.

Die unbequeme Nachricht zuerst: eine Studie im British Journal of Dermatology hat gezeigt, dass Pflege auch in die falsche Richtung wirken kann. Über sieben Wochen veränderte regelmäßiges Eincremen die Barrierefunktion gesunder Haut bei 78 Freiwilligen in beide Richtungen. Vereinfachte Cremes und ein lipidfreies Gel erhöhten den Wasserverlust über die Haut und machten sie empfindlicher gegenüber Reizstoffen. Eine handelsübliche Creme mit Harnstoff senkte beides. Entscheidend war nicht, ob überhaupt gecremt wurde, sondern was in der Tube war.

Das ist der Grund, warum dieser Vergleich nicht nach Marke sortiert. Eine Bestenliste hilft niemandem, wenn dieselbe Creme für die eine Haut richtig und für die andere falsch ist. Wir sortieren stattdessen nach Hautzustand und Konsistenz und legen offen, woran wir das messen.

Der Text geht der Reihe nach durch, was Cremes, Fluids, Seren und Öle physikalisch unterscheidet, welche Inhaltsstoffe die Studienlage stützt, warum ausgerechnet Pflanzenöl der kniffligste Fall ist, was ein Naturkosmetik-Siegel abdeckt und welche Textur zu welchem Hautzustand passt. Vorweg die Grenze dieses Textes: wir haben nichts selbst gemessen. Es gibt hier keine eigenen Werte zu Hautfeuchtigkeit oder Barrierefunktion, und niemand aus der Redaktion hat die Produkte über Wochen getestet. Was wir liefern, ist die Studienlage, die Zusammensetzung laut Herstellerangaben und eine nachvollziehbare Zuordnung.

Woran wir Gesichtspflege messen

Drei Kriterien haben wir angelegt, und weil jede Auswahl eine Wertung ist, stehen sie hier offen. Erstens der Hautzustand, also wofür ein Produkt überhaupt gebaut ist. Zweitens die Zusammensetzung, weil sie laut Studienlage den Ausschlag gibt. Drittens die Zertifizierung, weil sie bei Naturkosmetik der einzige überprüfbare Anker ist.

Beim zweiten Kriterium wird es konkret, denn zwei Stoffgruppen leisten in einer Pflege völlig unterschiedliche Arbeit. Feuchthaltemittel wie Glycerin, Harnstoff und Milchsäure binden Wasser in der Hornschicht und halten es dort. Rückfettende Stoffe legen sich als Film darüber und stellen die gestörte Barriere wieder her. Cremes, die beides kombinieren, sind bei trockener Haut dermatologischer Standard. Ein Produkt, das nur eine der beiden Gruppen mitbringt, kann trotzdem passen, es leistet dann aber eben auch nur die halbe Arbeit.

Auf der Inhaltsstoffliste erkennst du das ohne Fachwissen. Glycerin steht bei fast jeder Pflege weit oben und ist der Klassiker unter den Feuchthaltemitteln. Harnstoff taucht als Urea auf. Für die rückfettende Seite stehen Pflanzenöle und Buttern, in der Liste als Butyrospermum Parkii für Sheabutter, Prunus Amygdalus Dulcis für Mandelöl oder Simmondsia Chinensis für Jojoba. Wer beide Gruppen in den ersten sechs bis acht Positionen findet, hat eine Pflege vor sich, die auf trockener Haut arbeiten kann.

Was ein Siegel abdeckt, ist enger, als viele annehmen. NATRUE, COSMOS und BDIH regeln die Herkunft der Rohstoffe, verbieten Silikone, Paraffine und synthetische Duftstoffe und schreiben Mindestanteile natürlicher Bestandteile vor. Kein Siegel prüft, ob eine Creme deiner Haut bekommt. Naturkosmetik enthält häufig ätherische Öle und Pflanzenextrakte, und beides gehört zu den häufigeren Auslösern von Kontaktallergien. Ein Siegel ist ein Herkunftsnachweis, kein Verträglichkeitsnachweis.

Was wir ausdrücklich nicht bewerten können, gehört genauso hierher: wie ein Produkt auf deiner Haut wirkt. Verträglichkeit ist individuell, Allergien sind es auch, und Langzeitwirkungen über Monate lassen sich aus Produktdaten nicht ablesen. Wer eine diagnostizierte Hauterkrankung hat, ist mit dermatologischem Rat besser bedient als mit jedem Vergleich, auch mit diesem.

Was Creme, Fluid, Serum und Öl wirklich unterscheidet

Die vier Begriffe klingen nach vier Wirkprinzipien. Tatsächlich beschreiben drei davon vor allem, wie viel Wasser und wie viel Fett in der Emulsion steckt, und nur einer fällt aus der Reihe.

Eine Creme hat den höheren Fettanteil. Sie zieht langsamer ein, bleibt länger spürbar und hinterlässt einen Film, der Wasser in der Haut hält. Ein Fluid ist dieselbe Bauart mit mehr Wasser und weniger Fett. Es zieht schneller ein und fühlt sich leichter an. Der Unterschied liegt in der Konsistenz, nicht zwangsläufig in der Wirkung: ein gut gebautes Fluid kann dieselben Feuchthaltemittel enthalten wie eine Creme, nur in einer leichteren Trägersubstanz. Wer ein Fluid wählt, weil eine Creme sich zu schwer anfühlt, verzichtet also nicht automatisch auf Wirkung.

Ein Serum ist etwas anderes. Es setzt auf eine hohe Konzentration einzelner Wirkstoffe, meist Hyaluronsäure, Vitamin C oder Niacinamid, und verzichtet weitgehend auf Fett. Genau deshalb ersetzt es keine Pflege mit Barrierefunktion. Ein Serum bringt Wirkstoff in die Haut, es baut aber keinen Film, der das Wasser dort hält. Wer nur Serum benutzt, lässt die Tür offen, durch die die Feuchtigkeit wieder verdunstet. In der Reihenfolge gehört das Serum deshalb vor die Creme, nicht an ihre Stelle. In unserer Auswahl steht dafür das Energynature-Serum von Annemarie Börlind, als Ergänzung für alle, deren Grundversorgung schon steht.

Das Öl fällt vollständig aus dem Raster, und hier hält sich das hartnäckigste Missverständnis der Gesichtspflege. Ein Öl spendet keine Feuchtigkeit. Es enthält kein Wasser und kann auch keines binden. Was es kann, ist abdichten: es legt sich auf die Haut und bremst die Verdunstung. Auf feuchter Haut aufgetragen hält es also Wasser fest, das schon da ist. Auf trockener Haut versiegelt es die Trockenheit.

Daraus folgt eine einfache Regel für die Reihenfolge. Von dünn nach dick auftragen, also erst Serum, dann Creme oder Fluid, dann gegebenenfalls Öl. Das Öl kommt zuletzt, weil kein wasserbasiertes Produkt durch einen Ölfilm hindurchkommt. Wer das Öl zuerst aufträgt, macht die Creme danach weitgehend wirkungslos.

Ob ein Öl überhaupt guttut, hängt allerdings weniger vom Etikett ab als von seiner Fettsäurezusammensetzung. Das ist der Punkt, an dem die Forschung deutlich wird.

Nahaufnahme einer Verpackungsrückseite mit Inhaltsstoffliste in kleiner Schrift
Die ersten sechs bis acht Positionen der Liste machen den Großteil der Rezeptur aus.

Warum nicht jedes Pflanzenöl der Haut guttut

Pflanzenöl gilt als das sanfte Ende der Kosmetik. Die Forschung sieht das differenzierter, und zwar an einem einzigen Stellhebel: dem Verhältnis von Linolsäure zu Ölsäure. Beide sind Fettsäuren, beide kommen in Pflanzenölen vor, und sie tun Gegensätzliches. Öle mit einem hohen Anteil Linolsäure gegenüber Ölsäure unterstützen die Reparatur der Hautbarriere. Öle mit viel Ölsäure können sie stören.

Wie deutlich das ausfallen kann, zeigt eine Übersichtsarbeit, die 27 klinische Studien zu 17 Pflanzenölen ausgewertet hat. Auf entzündeter Haut können Öle mit hohem Ölsäure- und wenig Linolsäureanteil die Hornschicht zusätzlich schädigen, während linolsäurereiche Öle dort positiv wirken können. Wie oft und wie lange ein Öl aufgetragen wird, zählen die Autorinnen und Autoren dabei ausdrücklich zu den entscheidenden Faktoren. Ein Öl ist also nicht die grundsätzlich sanftere Wahl, sondern die situativere.

Ein zweiter Punkt betrifft die Herstellung. Kaltpressung gilt als bevorzugtes Verfahren, weil der Prozess ohne Hitze und Chemie auskommt, dabei die nützlichen Lipide erhält und reizende Nebenprodukte gar nicht erst entstehen lässt. Auf dem Etikett taucht das als kaltgepresst oder nativ auf, und anders als viele Werbebegriffe ist das eine überprüfbare Angabe.

Hier stößt dieser Vergleich an eine Grenze, die wir nicht überspielen. Welches konkrete Öl in welche Gruppe fällt, lässt sich aus den Produktangaben meist nicht ablesen. Fettsäureprofile stehen weder auf der Packung noch in den Datenblättern der Hersteller, und die Studien, auf die wir uns hier stützen, ordnen keine Handelsprodukte zu. Wir sortieren die Öle in diesem Text deshalb nicht in gut und schlecht ein. Das wäre eine Behauptung, die wir nicht belegen können.

Praktisch bleibt trotzdem etwas übrig. Wer es genau wissen will, fragt beim Hersteller nach dem Fettsäureprofil des verwendeten Öls. Das ist eine ungewöhnliche Frage, und genau deshalb sagt die Antwort auch etwas über die Auskunftsbereitschaft. Wer es pragmatisch halten will, probiert ein Öl an einer kleinen Stelle über ein bis zwei Wochen aus, bevor es im ganzen Gesicht landet, und lässt es bei akut gereizter Haut zunächst ganz weg. In unserer Auswahl stehen aus diesem Grund zwei Öle gleichberechtigt nebeneinander, das Gesichtsöl von Dr. Hauschka und das Nachtkerze Gesichtsöl von Farfalla. Wir markieren keines davon als das bessere, weil die Daten das nicht hergeben. Beide bringen uns übrigens keinen Cent ein.

Mandeln, dunkle Nachtkerzensamen und getrocknete Hagebutten in vier Häufchen auf heller Steinfläche
Welches Pflanzenöl der Haut guttut, entscheidet die Fettsäurezusammensetzung.

Wie wir die Produkte ausgewählt haben

Die zwölf Produkte, die im Fließtext dieses Artikels namentlich genannt sind, stammen aus unserem kuratierten Sortiment, geprüft am 7. August 2026. Sie verteilen sich auf zehn Marken, und keine Marke kommt öfter als zweimal vor. Das ist eine bewusste Entscheidung: allein bei einem der Händler, deren Sortiment wir auswerten, stellt eine einzige Marke 28 von 44 Produkten dieser Kategorie. Eine Auswahl, die das eins zu eins abbildet, wäre kein Vergleich, sondern ein Schaufenster. Produktkarten mit Bild und Link zeigen wir an dieser Stelle trotzdem nicht: für zehn der zwölf Produkte fehlen uns noch Bild und Direktlink. Wer die Auswahl nachprüfen will, findet sie im Fließtext, nicht als Karte.

An keinem dieser Produkte verdienen wir etwas. SHYFT wird privat getragen und hat derzeit keine Erlösquelle, weder Provisionslinks noch bezahlte Beiträge. Was ein Produkt in diese Auswahl bringt, ist deshalb allein die Frage, ob es fachlich hierhergehört.

Welche Konsistenz zu welchem Hautzustand passt

Vier Ausgangslagen decken die meisten Fälle ab. Wichtig vorweg: Hautzustand ist nicht dasselbe wie Hauttyp. Der Typ bleibt weitgehend, der Zustand ändert sich mit Jahreszeit, Alter, Klima, Hormonlage und Stress. Wer im Winter trockene Haut hat und im Sommer glänzt, macht nichts falsch, sondern reagiert normal. Die Pflege darf also mitwandern.

Trockene Haut

Trockene Haut verliert zu schnell Wasser und hat oft eine geschwächte Barriere. Sie spannt nach dem Waschen, wirkt matt und schuppt in den kalten Monaten an Wangen und Stirn. Hier gehört die Kombination aus Feuchthaltemittel und Rückfetter hin, also die reichhaltigere Creme. In einer Studie an älteren Menschen mit trockener Haut war die Haut am Unterarm nach 28 Tagen mit einer Creme aus 5 Prozent Harnstoff (Urea), Ceramiden und Milchsäuresalz (Lactat) signifikant feuchter und blieb länger feucht als mit einer Creme ohne diese Zusätze, zudem hatte sich die Hautbarriere verbessert. Trockene Haut ist dabei kein Randphänomen, sie betrifft bis zu 75 Prozent der älteren Menschen.

In unserer Auswahl passen hierher die reichhaltigen Nacht- und Tagescremes, etwa von Weleda mit Mandel, von SANTE als 24h-Pflege oder die reichhaltige Nachtcreme von lavera. Wer zusätzlich abdichten will, kann ein Öl darüber geben, aber erst nach der Creme und auf noch leicht feuchter Haut, nicht statt ihr.

Normale bis Mischhaut

Hier reicht meist ein leichtes Fluid oder eine Gel-Creme. Die Barriere ist intakt, es geht ums Halten, nicht ums Reparieren. Wer in der T-Zone glänzt und an den Wangen spannt, kann zwei Texturen parallel benutzen, statt einen Kompromiss zu suchen, der an beiden Stellen nicht sitzt: das leichtere Produkt auf Stirn und Nase, das reichhaltigere auf die Wangen.

Passende Kandidaten sind die Rosen-Tagescreme von Dr. Hauschka, das Bio-Gesichtsfluid mit Wildrose von benecos oder die Hydro-Perform-Creme von i+m Naturkosmetik. Seren sind in dieser Gruppe am ehesten ein sinnvoller Zusatz, weil die Grundversorgung ohnehin steht. Als Ersatz für die Pflege taugen sie auch hier nicht.

Fettige oder unreine Haut

Fettige Haut braucht trotzdem Feuchtigkeit, nur ohne zusätzliches Fett. Leichte Fluids mit Feuchthaltemitteln und ohne schweren Film sind die richtige Richtung, in unserer Auswahl etwa das Bio-Gesichtsfluid mit Aloe Vera von benecos. Dass es als Herrenpflege ausgelobt ist, ändert an der Rezeptur nichts. Ein Öl als Abschluss ist hier meist keine gute Idee, und bei entzündeten Stellen kommt der Befund aus dem vorigen Abschnitt dazu: ölsäurereiche Öle können auf entzündeter Haut zusätzlich schädigen.

Was in dieser Gruppe häufig unterschätzt wird, ist der Schritt davor. Zu aggressive Reinigung trocknet aus, die Haut produziert dagegen an und wird fettiger. Die Pflege kann das nicht auffangen, wenn vorher zu scharf gewaschen wurde. Wer das Gefühl kennt, dass die Haut morgens nach dem Waschen quietscht und mittags glänzt, sollte zuerst die Reinigung mildern und die Pflege erst danach anpassen.

Empfindliche oder gereizte Haut

Hier gilt weniger und schlichter. Je kürzer die Inhaltsstoffliste, desto weniger Kandidaten für eine Reaktion. Produkte ohne ätherische Öle und ohne Duftstoffe sind der sicherere Startpunkt, auch wenn sie langweiliger riechen. In unserer Auswahl sind das die Basis-Sensitiv-Creme von alverde und die Natural-Aktiv-Gesichtscreme von Speick.

Die Studienlage stützt die Zurückhaltung indirekt. Dass ausgerechnet vereinfachte Cremes im Versuch die Empfindlichkeit gegenüber Reizstoffen erhöhten, zeigt: wenige Zutaten allein reichen nicht. Es kommt darauf an, welche. Eine kurze Liste ohne Feuchthaltemittel und ohne Rückfetter ist nicht mild, sondern nur dünn. Wenn die Haut akut gereizt ist, ist das der Moment, in dem Öle mit Vorsicht zu behandeln sind. Nicht weil Öl grundsätzlich schadet, sondern weil ausgerechnet auf entzündeter Haut die Zusammensetzung besonders ins Gewicht fällt und man sie den Produkten nicht ansieht.

Frau um die fünfzig mit ungeschminktem Gesicht vor einer hellen Wand, ruhiger Blick
Der Hautzustand ändert sich mit Jahreszeit, Alter und Klima, der Hauttyp bleibt.

Was der Preis über eine Pflege verrät

In der Kategorie, die wir ausgewertet haben, liegen die Preise zwischen vier und knapp vierundzwanzig Euro, bei Packungsgrößen von 15 bis 150 Millilitern. Rechnet man das auf 100 Milliliter hoch, verschiebt sich das Bild erheblich: eine kleine Tiegelgröße mit Wirkstoffversprechen kann pro Milliliter das Zehnfache einer schlichten Basiscreme kosten.

Was den Aufpreis rechtfertigt, ist von außen schwer zu beurteilen. Teurer wird Pflege meist durch Wirkstoffe mit Anti-Aging-Versprechen, deren Nutzen sich im Einzelfall kaum belegen lässt, sowie durch Verpackung und Markenführung. Die beiden Stoffgruppen, auf die es laut Studienlage ankommt, kosten dagegen wenig: Glycerin und Harnstoff sind Cent-Artikel, Pflanzenöle je nach Sorte etwas teurer, aber keine Luxusgüter.

Daraus folgt kein Aufruf, immer das Billigste zu nehmen. Es folgt nur, dass der Preis kein Auswahlkriterium ist. Wer eine günstige Creme findet, in der Feuchthaltemittel und Rückfetter weit oben stehen, hat eine gute Pflege gefunden, unabhängig davon, was daneben im Regal steht.

So entscheidest du dich

Der Weg ist kürzer, als das Regal vermuten lässt. Erste Frage: spannt die Haut oder glänzt sie? Spannt sie, geht es Richtung Creme mit Feuchthaltemittel und Rückfetter. Glänzt sie, Richtung Fluid. Zweite Frage: ist die Haut gerade gereizt? Dann kurze Inhaltsstoffliste, keine ätherischen Öle, und die Ölfrage vertagen. Dritte Frage: brauchst du überhaupt ein zusätzliches Produkt? Meistens nicht.

Der teuerste Fehler beim Einkauf ist nicht das falsche Produkt, sondern zu viele auf einmal. Wer Serum, Creme, Öl und Maske gleichzeitig neu einführt, weiß bei einer Reaktion nicht, woran es lag, und kann auch keinen Nutzen zuordnen. Ein Produkt, vier Wochen, dann weitersehen. Das ist unspektakulär und funktioniert. Vier Wochen sind dabei kein willkürlicher Zeitraum, sondern ungefähr die Spanne, über die auch die Studie zur Barrierefunktion gemessen hat.

Die ehrliche Grenze zum Schluss: dieser Vergleich sagt, welche Bauart zu welchem Hautzustand passt und was die Forschung dazu hergibt. Er kann nicht sagen, welches Produkt dir bekommt. Das findet man nur heraus, indem man eines ausprobiert und der Haut ein paar Wochen Zeit gibt.

Häufige Fragen

Ersetzt ein Gesichtsöl meine Creme?
Nein. Ein Öl enthält kein Wasser und kann auch keines binden, es bremst nur die Verdunstung. Damit hält es Feuchtigkeit fest, die schon in der Haut ist, bringt aber selbst keine hinein. Sinnvoll ist es als Abschluss nach der Pflege auf noch leicht feuchter Haut. Auf trockene Haut allein aufgetragen versiegelt es die Trockenheit. Wer nur ein Produkt benutzen will, ist mit einer Creme besser bedient als mit einem Öl.
In welcher Reihenfolge trage ich mehrere Produkte auf?
Von dünn nach dick. Also erst das Serum, dann Creme oder Fluid, dann gegebenenfalls das Öl. Der Grund ist einfach: kein wasserbasiertes Produkt kommt durch einen Ölfilm hindurch. Wer das Öl zuerst aufträgt, macht alles danach weitgehend wirkungslos. Zwischen den Schritten reicht eine knappe Minute, die Haut muss nicht vollständig trocken sein, im Gegenteil.
Brauche ich für Tag und Nacht zwei verschiedene Produkte?
Zwingend nicht. Der sinnvolle Unterschied liegt beim Lichtschutz am Tag und bei einer etwas reichhaltigeren Textur in der Nacht, wenn die Haut trocken ist. Wer eine Pflege hat, die morgens und abends passt, braucht keine zweite. Zwei Produkte lohnen sich, wenn der Hautzustand tagsüber und nachts wirklich unterschiedlich ist, nicht weil es zwei Tuben zu kaufen gibt.
Woran erkenne ich, dass ein Produkt meiner Haut nicht bekommt?
An Spannen, Brennen, Rötung oder neuen Unreinheiten in den ersten Tagen. Schwieriger sind schleichende Verschlechterungen: die Haut wird über Wochen empfindlicher oder trockener, obwohl regelmäßig gecremt wird. Genau das ist in einer Studie über sieben Wochen aufgetreten, als vereinfachte Cremes den Wasserverlust und die Reizempfindlichkeit erhöhten. Deshalb ist es hilfreich, jeweils nur ein Produkt neu einzuführen und ihm vier Wochen zu geben.
Ist teure Naturkosmetik besser als günstige?
Der Preis sagt darüber wenig. In der von uns ausgewerteten Kategorie liegen Produkte mit vergleichbarer Bauart zwischen etwa vier und vierundzwanzig Euro. Was den Unterschied macht, sind die Feuchthaltemittel und Rückfetter in der Rezeptur, nicht die Verpackung. Teurer wird Pflege oft durch Wirkstoffe mit Anti-Aging-Versprechen, deren Nutzen sich im Einzelfall schwer belegen lässt.
Was bedeutet ein Naturkosmetik-Siegel konkret?
NATRUE, COSMOS und BDIH regeln die Herkunft der Rohstoffe, verbieten Silikone, Paraffine und synthetische Duftstoffe und schreiben Mindestanteile natürlicher Bestandteile vor. Was sie nicht prüfen, ist die Verträglichkeit im Einzelfall. Naturkosmetik enthält häufig ätherische Öle und Pflanzenextrakte, die zu den häufigeren Auslösern von Kontaktallergien gehören. Ein Siegel ist ein Herkunftsnachweis, kein Verträglichkeitsnachweis.
Woran erkenne ich auf der Inhaltsstoffliste eine gute Pflege?
Sieh dir die ersten sechs bis acht Positionen an, denn sie machen den Großteil der Rezeptur aus. Für die feuchtigkeitsbindende Seite stehen dort idealerweise Glycerin oder Urea, für die rückfettende Seite Pflanzenöle und Buttern, etwa als Butyrospermum Parkii für Sheabutter oder Prunus Amygdalus Dulcis für Mandelöl. Findest du beide Gruppen weit oben, hast du eine Pflege vor dir, die auf trockener Haut arbeiten kann. Steht dort fast nur Wasser und Alkohol, eher nicht.

Quellen und Referenzen

  1. In einer Studie an zweimal 21 Menschen über 60 Jahren mit trockener Haut machte eine Pflegecreme mit 5 Prozent Urea, Ceramid NP und Laktat, 28 Tage lang auf einen Unterarm aufgetragen, die Haut signifikant feuchter und hielt die Feuchtigkeit länger als eine Vergleichscreme ohne diese Zusätze; zudem verbesserte sie Struktur und Funktion der Hautbarriere.

Weitere Quellen

  1. British Journal of Dermatology - Changes in skin barrier function following long-term treatment with moisturizers Original (externe Seite)
  2. International Journal of Dermatology - Restoring Skin Hydration and Barrier Function Original (externe Seite)
  3. International Journal of Molecular Sciences - Natural Oils for Skin-Barrier Repair Original (externe Seite)
  4. Journal of Cosmetic Dermatology - Vegetable Butters and Oils as Therapeutically and Cosmetically Active Ingredients for Dermal Use Original (externe Seite)