Sonniger Stadtbalkon mit blühendem Lavendel in Tontöpfen, eine Biene fliegt eine Blüte an
Ein paar ungefüllt blühende Kübel machen aus wenigen Quadratmetern Balkon eine Anlaufstelle für Insekten

So hilfst du Bienen und Insekten im Hochsommer auf dem Balkon

So unterstützt du Wildbienen und Insekten im Hochsommer auf dem Balkon, mit flachen Wasserstellen, spät blühenden Pflanzen und richtiger Nisthilfe.

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Angefangen hat dieser Artikel an einem schwülen Julimorgen auf unserem Frankfurter Balkon, als eine Hummel immer wieder über die Zinkwanne mit dem Gießwasser brummte und schließlich am glatten, nassen Rand hängen blieb. Sie hatte offensichtlich Durst, kam an das Wasser aber nicht heran, ohne abzurutschen. In diesem Moment wurde uns klar, dass wir zwar viel über das Gießen unserer Pflanzen nachdenken, aber selten über die Tiere, die an heißen Tagen genauso über unsere paar Quadratmeter fliegen.

Wenn im Hochsommer die Hitze über der Stadt steht, wird es für Bienen, Hummeln und andere Insekten eng. Die große Frühlingsblüte ist vorbei, viele Blüten sind längst verblüht, und offenes Wasser ist zwischen Asphalt und Beton kaum zu finden. Ein Balkon klingt nach wenig, ist für diese Tiere aber oft die einzige grüne Insel weit und breit. Die gute Nachricht ist, dass du dafür weder einen Garten brauchst noch stundenlang basteln musst.

In diesem Ratgeber gehen wir der Reihe nach durch, wie du Wildbienen und Insekten im Hochsommer auf Balkon und Terrasse über die heißesten Wochen bringst: mit einer sicheren Wasserstelle, mit spät und lang blühenden Pflanzen, die wirklich Nektar und Pollen liefern, mit torffreier Erde ohne Gift und mit einer Nisthilfe, die auch angenommen wird. Ums Anbauen und Gießen der Pflanzen selbst geht es hier bewusst nicht, dafür haben wir eigene Artikel. Wir schreiben aus der Sicht von Leuten, die selbst mit ein paar Kübeln durch heiße Frankfurter Sommer kommen, stützen uns auf den NABU und auf Studien, und sagen offen, wo unser Wissen aufhört.

Warum der Hochsommer für Insekten so hart ist

Dass es den Insekten insgesamt schlecht geht, ist inzwischen gut belegt. Die vielzitierte Langzeitstudie der Entomologen aus Krefeld hat über 27 Jahre in 63 deutschen Schutzgebieten gemessen, dass die Biomasse der fliegenden Insekten im Schnitt um 76 Prozent zurückgegangen ist, im Hochsommer sogar um 82 Prozent. Das sind keine abstrakten Zahlen: Weniger Insekten heißt weniger Bestäubung, weniger Futter für Vögel und am Ende ärmere Gärten und Balkone. Jeder Balkon, auf dem etwas summt, ist damit ein kleiner Beitrag zur Artenvielfalt in der Stadt.[1]

Ausgerechnet im Hochsommer spitzt sich die Lage zu. Die üppige Blüte des Frühlings ist vorbei, viele Beete und Balkonkästen sind abgeblüht, und die Tage sind lang und heiß. Wildbienen, von denen viele Arten nur wenige Wochen fliegen und teils auf ganz bestimmte Pflanzen angewiesen sind, finden dann oft weder genug Nahrung noch Wasser. Genau hier kann ein Balkon einen Unterschied machen, mit Mitteln, die kaum Platz und wenig Geld kosten. Die vier Bausteine, die am meisten bringen, schauen wir uns jetzt einzeln an.

Stell eine flache Wasserstelle mit Landeplätzen auf

Der schnellste Weg, Insekten an einem Hitzetag zu helfen, ist eine Wasserstelle. Was für uns selbstverständlich klingt, ist für Bienen in der Stadt oft schwer zu finden. Dabei brauchen sie das Wasser nicht nur zum Trinken: Nach der NABU-Anleitung für eine Insektentränke nutzen Bienen Wasser auch zum Nestbau und zur Abkühlung durch Verdunstungskälte. Das Tückische an offenem Wasser ist nur, dass Insekten leicht ertrinken, wenn sie keinen sicheren Rand zum Landen und Wiederabfliegen finden.[2]

  • Nimm eine flache Schale oder einen Untersetzer statt eines tiefen Gefäßes, ein hoher Wasserstand ist für kleine Insekten gefährlich.
  • Leg ein paar raue Steine oder Kieselsteine hinein, sodass sie zur Hälfte aus dem Wasser ragen, und verteil etwas Moos am Rand, das gibt sichere Landeplätze.
  • Stell die Tränke an einen sonnigen, warmen und windstillen Platz in der Nähe deiner Blühpflanzen.
  • Wechsle das Wasser regelmäßig, am besten täglich, damit sich keine Keime und keine Mückenlarven bilden.

Ein Detail geht oft schief: Nimm keine Glasmurmeln als Landehilfe. Sie sehen hübsch aus, heizen sich in der Sonne aber so stark auf, dass darauf landende Insekten verbrennen. Raue, matte Steine, ein Stück Rinde oder Moos sind die bessere Wahl. Mehr Aufwand als ein Blumenuntersetzer und eine Handvoll Kiesel steckt in dieser ersten Maßnahme nicht, und sie wirkt am selben Tag.[2]

Setze auf spät blühende Pflanzen mit echtem Nektarwert

Die zweite große Stütze ist Nahrung, und hier machen viele unbewusst einen Fehler: Sie kaufen üppig gefüllte Zierpflanzen, die für Insekten so gut wie wertlos sind. Der NABU zum Insektengarten bringt es auf den Punkt: Gefüllte Zuchtblüten sind für die Tiere zu eng, und sie enthalten oft weder Nektar noch Pollen. Insekten bevorzugen die ungefüllten, einfachen Blüten, bei denen sie an die Staubgefäße herankommen. Wie stark die Pflanzenwahl zählt, zeigt eine dreijährige Gartenstudie aus dem Fachjournal Environmental Entomology: Dort zogen einzelne Pflanzenarten bis zu zwölfmal so viele Bestäuber an wie andere, und einheimische, einfach blühende Stauden schnitten deutlich besser ab als gezüchtete Zierpflanzen.[3] [4]

Für den Hochsommer kommt es außerdem auf den Zeitpunkt an. Ein insektenfreundlicher Balkon blüht nicht nur im Mai, sondern vom Frühjahr bis in den Herbst durchgehend, damit auch in den heißen Wochen und danach etwas zu holen ist. Gut geeignet sind Kräuter und Stauden, die spät und lange blühen und dazu wenig Wasser brauchen.

  • Lavendel, Thymian, Salbei und Oregano blühen den Sommer über und werden von Bienen und Schmetterlingen umschwärmt, wenn du sie blühen lässt statt sie ständig abzuschneiden.
  • Die Fetthenne, also Sedum, blüht spät in den Spätsommer hinein und ist eine der besten Nektarquellen für die letzte Flugzeit der Insekten.
  • Kapuzinerkresse rankt genügsam über den Kasten, blüht lange und liefert nebenbei essbare Blüten für dich.
  • Katzenminze, Kugeldistel und Wiesensalbei bringen Höhe und Struktur und blühen nach einem Rückschnitt oft ein zweites Mal.

Du musst den Balkon dafür nicht neu erfinden. Schon zwei oder drei ungefüllt blühende Kübel, die sich in ihrer Blütezeit ergänzen, sind mehr wert als ein Dutzend gefüllter Geranien. Welche pflegeleichten Kräuter sich für den Anfang eignen und wie du sie zusammenstellst, zeigen wir im Beitrag zum Anlegen eines Kräuter- und Gemüsebalkons für Anfänger.

Gärtnere torffrei und ohne Gift

So sehr Wasser und Blüten helfen, so sehr schadet das Gegenteil. Der NABU bringt es für den Balkon klar auf den Punkt, dass die Giftspritze dort nichts verloren hat. Insektizide und viele Pilzmittel treffen nicht nur die Blattläuse, gegen die man sie einsetzt, sondern genauso die Bienen, Schwebfliegen und Marienkäfer, die man eigentlich anlocken will. Gegen Läuse hilft im kleinen Rahmen oft schon ein kräftiger Wasserstrahl oder etwas Geduld, bis Marienkäfer und Florfliegen von selbst kommen und aufräumen.

Der zweite, unsichtbare Faktor ist die Erde. Torffreie Blumenerde ist für Insekten kein direktes Futter, aber sie schützt einen Lebensraum, ohne den es vielen von ihnen ans Leben geht: Für herkömmliche Torferde werden Moore trockengelegt, die enorme Mengen Kohlenstoff binden und ganz eigene, hochspezialisierte Insektenarten beherbergen. Wer zu torffreier Erde greift, die es längst in jedem Baumarkt gibt, gärtnert also auch für die Tiere weit über den eigenen Balkon hinaus.

Biete eine Nisthilfe an, die auch angenommen wird

Nisthilfen für Wildbienen sind beliebt, und leider steht in vielen Gärten und auf vielen Balkonen ein buntes Insektenhotel aus dem Baumarkt, das kaum ein Tier bezieht. Der Grund ist meist das Material. Die NABU-Tipps für wirksame Nisthilfen zeigen, worauf es ankommt: Am besten eignen sich Nisthölzer aus entrindetem Hartholz mit sauber gebohrten Gängen von 3 bis 8 Millimeter Durchmesser, die im Abstand von 1 bis 2 Zentimeter ins Längsholz gebohrt werden, damit das Holz nicht reißt. Die Löcher sollten innen glatt sein, ohne Splitter, an denen sich die Tiere die Flügel verletzen.[5]

  • Bohre ins lange Holz, nicht in die Stirnseite eines Astes, sonst reißt das Holz und die Gänge werden gemieden.
  • Verzichte auf Glasröhrchen zum Beobachten, in ihnen kann die Brut verpilzen, weil kein Wasserdampf entweicht.
  • Lass Tannenzapfen, Stroh und Lochziegel weg, dort nistet keine Wildbiene, sie füllen nur die bunten Kaufhotels.
  • Häng die Nisthilfe nicht frei schwingend auf, sondern befestige sie fest an einem sonnigen, regengeschützten Platz mit freier Anflugbahn.

Der wichtigste Punkt kommt zum Schluss: Eine Nisthilfe allein reicht nicht. Die Tiere brauchen zugleich ein lückenloses Angebot an Nektar und Pollen in der Nähe, sonst ziehen sie nicht ein. Nisthilfe und Blühpflanzen gehören also zusammen, das eine ohne das andere bleibt Deko.[5]

Denk an den Hitzestress an den heißesten Tagen

Auch Insekten leiden unter extremer Hitze. Bei praller Mittagssonne und großer Trockenheit stellen viele Bienen die Sammelflüge ein, weil ihnen die Hitze und der Wassermangel zusetzen, und genau dann werden Schatten und Wasser besonders wichtig. Ein Balkon, der sich am Nachmittag in einen Backofen verwandelt, hilft niemandem. Ein paar größere, schattenspendende Pflanzen, eine Ecke im Halbschatten und die Wasserstelle vom Anfang nehmen den Tieren an solchen Tagen den größten Druck.

Für die Pflanzen selbst gilt an Hitzetagen dasselbe wie für alle Kübel: früh gießen, mulchen, zusammenrücken. Wie du deinen Balkon durch die Hitze bringst, ohne literweise Trinkwasser zu vergießen, haben wir ausführlich im Ratgeber zum Bewässern von Garten und Balkon bei Hitze beschrieben. Hier soll es bei den Insekten bleiben, aber an heißen Tagen hängen beide Themen eng zusammen: Ein gut versorgter, halbschattiger Balkon ist auch der insektenfreundlichere.

Häufige Fehler auf dem Insektenbalkon

Manches ist gut gemeint und hilft den Insekten trotzdem nicht oder schadet sogar. Diese Fehler sehen wir immer wieder, auf dem eigenen Balkon wie im Bekanntenkreis.

  • Gefüllte Zierblüten kaufen: Sie sehen üppig aus, liefern aber weder Nektar noch Pollen. Besser ungefüllte, einfache Blüten wählen.
  • Nur im Frühling für Blüten sorgen: Im Hochsommer steht der Balkon dann leer. Besser mit spät blühenden Arten für Nachschub sorgen.
  • Ein tiefes Wassergefäß aufstellen: Darin ertrinken die Insekten. Besser eine flache Tränke mit Steinen und Moos als Landehilfe.
  • Zur Giftspritze greifen: Sie trifft auch Bienen und Nützlinge. Besser Blattläuse abbrausen und Marienkäfern die Arbeit überlassen.
  • Ein buntes Insektenhotel aufhängen und es dabei belassen: Ohne passendes Material und Blüten in der Nähe bleibt es leer. Besser auf gute Nisthölzer und ein Blühangebot achten.

Keiner dieser Fehler ist eine Katastrophe. In der Summe entscheiden sie aber darüber, ob dein Balkon für Insekten eine echte Anlaufstelle wird oder nur nett aussieht.

Häufige Fragen zu Bienen und Insekten auf dem Balkon

Welche Pflanzen helfen Bienen im Hochsommer am meisten?
Spät und lange blühende, ungefüllte Arten mit viel Nektar und Pollen. Bewährt haben sich Lavendel, Thymian, Salbei, Oregano, Katzenminze und vor allem die Fetthenne (Sedum), die bis in den Spätsommer blüht, wenn andere Pflanzen längst durch sind. Wichtig ist, dass die Blüten ungefüllt sind, denn gefüllte Zuchtblüten enthalten laut NABU oft weder Nektar noch Pollen. Am meisten bringt eine Mischung, die vom Frühjahr bis in den Herbst durchgehend blüht.
Wie baue ich eine sichere Wasserstelle für Insekten?
Nimm eine flache Schale, leg raue Steine hinein, sodass sie zur Hälfte aus dem Wasser ragen, und verteil etwas Moos am Rand als Landeplatz. So können die Tiere trinken, ohne zu ertrinken. Stell die Tränke an einen sonnigen, windstillen Platz in Pflanzennähe und wechsle das Wasser täglich, damit sich keine Keime und Mückenlarven bilden. Glasmurmeln sind ungeeignet, weil sie sich in der Sonne stark aufheizen und landende Insekten verbrennen können.
Warum wird mein Insektenhotel nicht angenommen?
Meist liegt es am Material oder am Standort. Viele gekaufte Insektenhotels stecken voller Tannenzapfen, Stroh oder Glasröhrchen, die keine Wildbiene bezieht. Angenommen werden Nisthölzer aus entrindetem Hartholz mit glatt gebohrten Gängen von 3 bis 8 Millimeter, ins lange Holz gebohrt. Die Nisthilfe sollte fest an einem sonnigen, regengeschützten Platz hängen, und es müssen Blühpflanzen in der Nähe sein, sonst fehlt den Tieren die Nahrung.
Braucht ein kleiner Balkon überhaupt eine Nisthilfe?
Eine Nisthilfe ist schön, aber nicht das Wichtigste. Wenn der Platz knapp ist, helfen eine flache Wasserstelle und ein paar ungefüllt blühende Pflanzen den Insekten oft mehr als ein Nistkasten ohne Nahrung drumherum. Wildbienen brauchen zuerst Futter und Wasser; eine Nisthilfe lohnt sich vor allem dann, wenn schon genug blüht. Fang also mit Blüten und Wasser an und ergänze die Nisthilfe später.
Schadet es Insekten, wenn ich meine Balkonkräuter ernte?
Nur wenn du alles gleichzeitig abschneidest. Lässt du einen Teil von Thymian, Salbei oder Oregano blühen, hast du beides: Küchenkräuter und Insektenfutter. Am besten erntest du immer nur einzelne Triebe und lässt genug Blüten für die Bienen stehen. Nach der Blüte treiben die meisten Kräuter nach einem Rückschnitt ohnehin wieder neu aus.

Ein Balkon reicht, um zu helfen

Bienen und Insekten im Hochsommer zu unterstützen, ist kein großes Projekt, sondern die Summe kleiner, machbarer Dinge. Eine flache Wasserstelle mit Steinen und Moos, ein paar spät und ungefüllt blühende Pflanzen, torffreie Erde ohne Gift und eine gut gemachte Nisthilfe mit Blüten drumherum: Zusammen machen sie aus wenigen Quadratmetern eine verlässliche Anlaufstelle, gerade in den Wochen, in denen die Tiere draußen am wenigsten finden.

Fang mit dem an, was heute schon geht: Stell eine flache Schale mit Wasser und ein paar Steinen raus und sorg dafür, dass etwas Ungefülltes blüht. Das kostet fast nichts und wirkt sofort. Den Rest kannst du Stück für Stück ergänzen, und du wirst schnell merken, wie viel mehr auf deinem Balkon summt und brummt, wenn er den Tieren wirklich etwas bietet.

Quellen und Belege

Hier stehen die zugeordneten Aussagen und ihre Quellen. Ob und wie eine Aussage geprüft wurde, steht auf ihrer eigenen Seite.

  1. In deutschen Naturschutzgebieten ist die Biomasse fliegender Insekten über 27 Jahre saisonal um 76 Prozent zurückgegangen, im Hochsommer sogar um 82 Prozent.

  2. Eine sichere Insektentränke ist eine flache Schale mit Steinen, die zur Hälfte aus dem Wasser ragen, und etwas Moos am Rand als Landeplätze; Glasmurmeln sind ungeeignet, weil sie sich in der Sonne stark erhitzen und landende Insekten daran verbrennen können.

  3. Gefüllte Zuchtblüten sind für Insekten meist wertlos, weil sie zu eng gebaut sind und oft weder Nektar noch Pollen enthalten; ein insektenfreundlicher Garten oder Balkon sollte vom Frühjahr bis in den Herbst durchgehend blühen.

  4. Einheimische, einfach blühende Stauden ziehen deutlich mehr und vielfältigere Wildbestäuber an als nicht-heimische Zierpflanzen, wobei sich einzelne Pflanzenarten in ihrer Anziehungskraft um bis zum Zwölffachen unterscheiden.

  5. Eine wirksame Nisthilfe für Wildbienen braucht entrindetes Hartholz mit glatt gebohrten Löchern von 3 bis 8 Millimetern ins Längsholz, einen sonnigen und regengeschützten, fest montierten Standort sowie ein durchgehendes Blütenangebot in der Nähe; Glasröhrchen und ungelagertes Holz sind ungeeignet.