Die meisten Siegel kleben auf einem Produkt. Dieses hier gilt der ganzen Firma. Wer im Bioladen oder in einem Onlineshop das kleine "Certified B Corporation" entdeckt, steht vor genau dieser Frage: Was sagt das eigentlich aus? Angefangen hat dieser Artikel mit einer Kosmetikmarke, deren Verpackung das B-Siegel trug, während über die Inhaltsstoffe selbst nichts Besonderes vermerkt war. Wir wollten wissen, was das Zeichen prüft und was nicht.
Die B-Corp-Zertifizierung wird von der gemeinnützigen Organisation B Lab vergeben. Sie bewertet nicht ein einzelnes Produkt, sondern wie ein Unternehmen als Ganzes wirtschaftet, gegenüber Mitarbeitenden, Umwelt, Lieferkette und Gesellschaft. Das unterscheidet sie grundlegend von Produktsiegeln, die nur ein T-Shirt oder eine Creme betreffen.
In diesem Artikel erklären wir, wie B Lab Unternehmen bewertet, was das Siegel garantiert und was nicht, warum sich die Standards 2025 stark verändert haben und woran sich Kritik entzündet. Danach kannst du das Zeichen einordnen, wenn es dir das nächste Mal begegnet.
Was ist die B-Corp-Zertifizierung?
B Corp steht für Benefit Corporation im Sinne einer Auszeichnung, nicht im Sinne einer Rechtsform. Vergeben wird sie seit 2006 von B Lab, einer gemeinnützigen Organisation mit Ablegern auf mehreren Kontinenten. In Europa koordiniert das 2013 gegründete B Lab Europe das Netzwerk, unter anderem für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Die Bewegung ist gewachsen. Nach dem Überblick von B Lab Europe sind weltweit über 10.780 Unternehmen zertifiziert, davon mehr als 2.700 in Europa, verteilt auf 162 Branchen. Vom kleinen Naturkosmetikhersteller bis zum internationalen Lebensmittelkonzern findet sich darunter fast jede Größe, was zugleich ein Teil der Debatte ist.
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Weltweit sind mehr als 10.780 Unternehmen als B Corp zertifiziert, davon über 2.700 in Europa, verteilt auf 162 Branchen mit zusammen mehr als 930.000 Beschäftigten.
Entscheidend ist der Bezugspunkt: Zertifiziert wird das Unternehmen, nicht das Regal. Ein B-Corp-Betrieb kann Produkte verkaufen, die für sich genommen keine besondere ökologische Eigenschaft haben, solange die Firma insgesamt die Anforderungen erfüllt. Wer ein Produktsiegel wie den GOTS-Standard sucht, das die Fasern eines konkreten Kleidungsstücks prüft, bekommt bei B Corp etwas anderes: eine Aussage über die Firma dahinter.
Wie B Lab ein Unternehmen bewertet
Kern der Prüfung ist ein Fragebogen, das B Impact Assessment von B Lab Europe. Es ist kostenlos und vertraulich und misst die Wirkung eines Unternehmens in fünf Bereichen. Um die Zertifizierung anzustreben, musste ein Betrieb bislang mindestens 80 von 200 möglichen Punkten erreichen und seine Angaben mit Nachweisen belegen, die B Lab überprüft. Zur Einordnung: Der Median aller Unternehmen, die den Test machen, liegt bei rund 50 Punkten.
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Das B Impact Assessment von B Lab ist kostenlos und vertraulich und bewertet ein Unternehmen in den fünf Bereichen Governance, Workers, Community, Environment und Customers. Für die B-Corp-Zertifizierung sind mindestens 80 von 200 möglichen Punkten nötig.
- Governance: wie das Unternehmen geführt wird, wie transparent es entscheidet und ob Nachhaltigkeit in der Satzung verankert ist
- Workers: Löhne, Arbeitssicherheit, Weiterbildung und Mitbestimmung der Mitarbeitenden
- Community: Umgang mit der Lieferkette, dem lokalen Umfeld, Vielfalt und gesellschaftlichem Engagement
- Environment: Energie, Emissionen, Wasser, Abfall und der Umgang mit Ressourcen
- Customers: Nutzen und Sicherheit der Produkte für die Kundschaft
Zur Zertifizierung gehört mehr als der Punktestand. Unternehmen müssen ihre Satzung so ändern, dass die Geschäftsführung nicht allein den Interessen der Anteilseigner, sondern allen Stakeholdern verpflichtet ist. Das Zertifikat gilt anschließend nicht dauerhaft: Alle drei Jahre steht eine Rezertifizierung an, bei der erneut geprüft wird.

Warum sich die Standards 2025 verändert haben
Am Punktesystem gab es lange Kritik: Ein Unternehmen konnte in einem Bereich schwach sein und das durch Stärken in einem anderen ausgleichen. Nach einer Aufstellung der Beratung The Terrace hat B Lab dieses Modell am 8. April 2025 abgelöst. Statt einer Gesamtpunktzahl müssen Unternehmen nun Mindestanforderungen in sieben verbindlichen Themenfeldern erfüllen.
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Am 8. April 2025 löste B Lab sein bisheriges Punktemodell ab, bei dem Schwächen in einem Bereich durch Stärken in einem anderen ausgeglichen werden konnten. Seither müssen Unternehmen Mindestanforderungen in sieben verbindlichen Impact Topics erfüllen: Purpose & Stakeholder Governance, Fair Work, Justice, Equity, Diversity & Inclusion, Human Rights, Climate Action, Environmental Stewardship & Circularity sowie Government Affairs & Collective Action.
Diese sieben Impact Topics sind Purpose & Stakeholder Governance, Fair Work, Justice, Equity, Diversity & Inclusion, Human Rights, Climate Action, Environmental Stewardship & Circularity sowie Government Affairs & Collective Action. Vorgeschaltet sind sogenannte Foundation Requirements, etwa der Nachweis, dass das Unternehmen mindestens zwölf Monate besteht und geltendes Recht einhält.
Neu ist auch, dass Fortschritt nachgewiesen werden muss und nicht nur ein einmaliger Status. Unternehmen sollen nach drei und fünf Jahren belegen, dass sie sich weiterentwickelt haben. Wer heute ein B-Siegel sieht, kann es also noch nach dem alten oder schon nach dem neuen Standard erworben haben. Das ist beim Einordnen wichtig, denn die beiden Modelle sind unterschiedlich streng.
Was das Siegel garantiert und was nicht
Das Siegel steht für eine unabhängige, dokumentierte Prüfung des gesamten Unternehmens über Umwelt, Arbeitsbedingungen, Führung und gesellschaftliche Wirkung hinweg. Diese Breite ist die eigentliche Stärke. Kaum ein anderes Zeichen deckt so viele Dimensionen einer Firma auf einmal ab, und die Prüfung wird regelmäßig wiederholt.
Was es nicht garantiert, ist mindestens so wichtig. B Corp sagt nichts darüber aus, ob ein konkretes Produkt schadstofffrei, biologisch oder plastikfrei ist. Dafür sind Produktsiegel zuständig. Ein zertifiziertes Unternehmen kann durchaus Artikel im Sortiment haben, die selbst keine Umweltvorteile bieten.
Das Siegel ist außerdem keine Bestnote. Es belegt, dass ein Unternehmen bestimmte Mindeststandards erfüllt und offenlegt, nicht dass es in jedem Detail vorbildlich handelt. Wer das verwechselt, läuft Gefahr, dem Greenwashing aufzusitzen, das genau mit solchen Missverständnissen arbeitet.

Woran sich Kritik entzündet
Am deutlichsten wurde die Debatte 2022, als die Nestlé-Tochter Nespresso das Siegel erhielt. Ein offener Brief von über 20 zertifizierten B Corps, angeführt von der Organisation Fair World Project, forderte daraufhin strengere Standards, damit das Siegel nicht zum Greenwashing dient.
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Nachdem die Nestlé-Tochter Nespresso im April 2022 als B Corp zertifiziert worden war, forderten mehr als 20 zertifizierte B Corps in einem offenen Brief, angeführt von der Organisation Fair World Project, strengere Standards für das B Impact Assessment und das Zertifizierungsverfahren, damit das Siegel nicht zum Greenwashing dient.
Die Unterzeichner verwiesen auf dokumentierte Menschenrechtsverletzungen in der Lieferkette des Konzerns und auf die Umweltwirkung der Einweg-Aluminiumkapseln. Nach Darstellung von Fair World Project widersprechen solche Geschäftspraktiken der erklärten Mission von B Lab, die Wirtschaft zum Nutzen aller Menschen, Gemeinschaften und des Planeten umzubauen.
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Der von Fair World Project angeführte offene Brief gegen die B-Corp-Zertifizierung von Nespresso verweist auf dokumentierte Menschenrechtsverletzungen in der Lieferkette des Konzerns und auf die Umweltwirkung der Einweg-Aluminiumkapseln; nach Darstellung von Fair World Project widersprechen diese Geschäftspraktiken der erklärten Mission von B Lab.
B Lab hat das Verfahren inzwischen überarbeitet. Ob die neuen Mindestanforderungen die Lücke schließen, lässt sich seriös noch nicht sagen, dafür sind sie zu frisch. Eine unabhängige Langzeitstudie zur Wirkung der Reform haben wir zum Zeitpunkt der Recherche nicht gefunden.

B Corp ist kein Rechtsstatus
Ein verbreitetes Missverständnis betrifft die Rechtsform. Eine juristische Einordnung von B Corp und Benefit Corporation zeigt den Unterschied: Die Certified B Corp ist eine private Zertifizierung von B Lab, keine Gesellschaftsform. Die Benefit Corporation dagegen ist ein Rechtsstatus, den es nur dort gibt, wo ein Gesetzgeber ihn geschaffen hat, in den USA etwa in 34 Bundesstaaten plus dem District of Columbia.
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B Corp ist eine private Zertifizierung der gemeinnützigen Organisation B Lab und keine Rechtsform. Die Benefit Corporation dagegen ist ein Rechtsstatus, den es nur dort gibt, wo ein Gesetzgeber ihn geschaffen hat, in den USA aktuell in 34 Bundesstaaten plus dem District of Columbia.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz existiert diese Rechtsform so nicht. Unternehmen von hier können sich trotzdem als B Corp zertifizieren lassen und verankern die geforderte Verpflichtung gegenüber allen Stakeholdern in ihrer regulären Satzung. Wenn ein deutsches Unternehmen also "B Corp" ist, meint das die Zertifizierung und nicht seine Rechtsform.
Häufige Fragen zur B-Corp-Zertifizierung
Was bedeutet die B-Corp-Zertifizierung?
Ist B Corp ein Produktsiegel?
Wie viele Punkte braucht ein Unternehmen für B Corp?
Wie oft muss die B-Corp-Zertifizierung erneuert werden?
Ist B Corp dasselbe wie eine Benefit Corporation?
Ein Siegel, das man einordnen muss
Die B-Corp-Zertifizierung ist eines der wenigen Zeichen, das ein Unternehmen als Ganzes prüft und dabei Umwelt, Soziales und Führung zusammenbringt. Das ist ein sinnvoller Blickwinkel, weil sich viele Wirkungen einer Firma eben nicht am einzelnen Produkt ablesen lassen.
Ein Freifahrtschein ist es nicht. Das Siegel belegt geprüfte Mindeststandards und Transparenz, keine Perfektion, und es ersetzt kein Produktsiegel. Am meisten bringt es dir, wenn du es als einen von mehreren Hinweisen liest und bei großen Marken einen zweiten Blick auf die konkreten Produkte wirfst.
Quellen und Belege
Hier stehen die zugeordneten Aussagen und ihre Quellen. Wie eine Aussage geprüft wurde, lässt sich auf ihrer eigenen Seite nachlesen.