75 Kilogramm. So viel wirft jeder Haushalt in Deutschland pro Person und Jahr an Lebensmitteln weg. Obst, das im Kühlschrank vergessen wird. Brot, das hart wird. Reste, die niemand mehr aufwärmen mag. Zusammengerechnet sind das 10,9 Millionen Tonnen im ganzen Land. 58 Prozent davon stammen nicht aus Restaurants oder Supermärkten, sondern aus unseren eigenen Küchen.
Die gute Nachricht: Genau dort lässt sich am meisten verändern. Diese Challenge gibt dir sieben Tage lang eine konkrete Aufgabe pro Tag, jeweils 15 bis 30 Minuten. Keine teuren Anschaffungen, kein perfekter Speiseplan. Nur ein paar Handgriffe, die sich sofort bemerkbar machen, in deinem Kühlschrank und in deinem Geldbeutel.
In Österreich landen jährlich über 1,2 Millionen Tonnen vermeidbarer Lebensmittelabfälle im Müll, das kostet Haushalte bis zu 800 Euro pro Jahr. In der Schweiz sind es 2,8 Millionen Tonnen. Die EU will bis 2030 eine Reduktion um 30 Prozent erreichen. Wir fangen heute an.
Warum 7 Tage deine Küche verändern
Lebensmittelverschwendung verursacht in Deutschland rund 22 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr, etwa 4 Prozent aller Treibhausgasemissionen. Hinter jedem Apfel stecken Wasser, Energie, Transport. Was in der Tonne landet, hat umsonst Ressourcen verbraucht. Der größte Hebel liegt bei Obst und Gemüse: 35 Prozent aller Abfälle entfallen auf diese Kategorie, gefolgt von Brot und Backwaren mit 13 Prozent.
Sieben Tage reichen, um die häufigsten Ursachen zu erkennen und gegenzusteuern. Verderbnis durch falsche Lagerung, zu große Portionen, ungeplante Einkäufe und das Missverständnis rund ums Mindesthaltbarkeitsdatum. Die meisten Menschen unterschätzen, wie viel eine einzige Verhaltensänderung bringt.
Diese Challenge baut Schritt für Schritt aufeinander auf. Jeder Tag führt eine Gewohnheit ein, die zur nächsten passt. Am Ende der Woche hast du nicht nur weniger weggeworfen, du hast ein System, das auch danach funktioniert.
Was du für die Challenge brauchst
Keine neuen Produkte, keine spezielle Ausstattung. Du brauchst nur, was bereits in deiner Küche steht. Ein paar Vorräte und die Bereitschaft, eine Woche lang genauer hinzuschauen.
- Einen Notizblock oder die Notiz-App auf dem Handy
- Aufbewahrungsdosen oder leere Schraubgläser
- Einen Stift für Beschriftungen (Datum, Inhalt)
- Optional: die App Zu gut für die Tonne vom Bundesministerium
Das Wichtigste ist dein Mindset: Es geht nicht darum, ab sofort null Gramm wegzuwerfen. Perfektion erzeugt Druck, Druck erzeugt Frust. Ziel ist es, am Ende der Woche deutlich weniger zu verschwenden als vorher und zu verstehen, warum Lebensmittel in deinem Haushalt im Müll landen.
Tag 1: Bestandsaufnahme
Öffne deinen Kühlschrank, dein Gefrierfach und deine Vorratsschränke. Nimm dir 20 Minuten und schreibe auf, was darin liegt: Was läuft bald ab? Was hast du vergessen? Was kaufst du regelmäßig, ohne es aufzubrauchen? Sortiere nach Dringlichkeit. Alles, was in den nächsten drei Tagen verbraucht werden sollte, kommt nach vorn.
Dieser erste Schritt ist der wichtigste. Die meisten Lebensmittel werden nicht weggeworfen, weil sie verdorben sind, sondern weil sie übersehen wurden. Ein Joghurt ganz hinten, eine angebrochene Packung Spinat unter dem Käse, Reste vom Wochenende in einer undurchsichtigen Dose.
Notiere dir außerdem, was in den letzten Tagen im Müll gelandet ist. Diese Liste wird dein Ausgangspunkt. Am Ende der Woche vergleichst du, was sich verändert hat.
Tag 2: Richtig lagern
Dein Kühlschrank hat verschiedene Temperaturzonen, und die meisten Menschen nutzen sie falsch. Unten, über dem Gemüsefach, ist es am kältesten: 2 bis 3 Grad. Hier gehören Fleisch, Fisch und Milchprodukte hin. In der Mitte herrschen etwa 5 Grad, ideal für Käse, Aufschnitt und Reste. Ganz oben und in der Tür ist es am wärmsten: 8 bis 10 Grad, passend für Butter, Eier und Getränke.
Tomaten, Bananen, Kartoffeln und Zwiebeln gehören nicht in den Kühlschrank. Tomaten verlieren Aroma, Kartoffeln wandeln Stärke in Zucker um, und Bananen beschleunigen die Reifung anderer Früchte durch Ethylen. Äpfel separat lagern, sie gasen ebenfalls Ethylen aus. Kräuter wie Basilikum stellt man wie Blumen in ein Glas Wasser bei Zimmertemperatur.
Räume heute deinen Kühlschrank einmal komplett um. Wisch die Fächer aus und sortiere nach dem First-in-first-out-Prinzip: Was zuerst gekauft wurde, steht vorn. Die Verbraucherzentrale empfiehlt genau diese Kühlschrankordnung, weil das meiste nicht verdirbt, sondern schlicht hinten übersehen wird. Wer sieht, was zuerst weg muss, wirft spürbar weniger weg.
Tag 3: Das Mindesthaltbarkeitsdatum verstehen
Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist kein Verfallsdatum. Es sagt: Bis zu diesem Tag garantiert der Hersteller volle Qualität. Danach kann das Produkt noch Tage, Wochen oder sogar Monate genießbar sein. Joghurt hält oft zwei bis drei Wochen über das MHD hinaus. Hartkäse noch länger. Reis, Nudeln und Konserven sind bei richtiger Lagerung praktisch unbegrenzt haltbar.
Anders sieht es beim Verbrauchsdatum aus. Die Angabe Zu verbrauchen bis steht auf leicht verderblichen Produkten wie Hackfleisch oder frischem Fisch. Dieses Datum solltest du einhalten, hier geht es um Lebensmittelsicherheit.
Mach heute den Sinnescheck für alles, was in deinem Kühlschrank das MHD überschritten hat: Sieht es normal aus? Riecht es unauffällig? Schmeckt eine kleine Probe gut? Dann ist es in Ordnung. Die Kampagne Zu gut für die Tonne des Bundesministeriums bietet eine kostenlose App mit Lagerungstipps und Rezepten für übrig gebliebene Zutaten.
Tipp für Österreich und die Schweiz: Die App Too Good To Go bietet neben vergünstigten Überraschungstüten auch eine Funktion, die beim Bewerten abgelaufener Produkte hilft. In allen drei Ländern verfügbar.
Tag 4: Reste verwerten
Heute kochst du ausschließlich mit dem, was bereits da ist. Öffne Kühlschrank und Vorratsschrank und mach daraus eine Mahlzeit. Klingt schwieriger als es ist: Aus altem Brot wird French Toast oder Brotsalat. Aus weichen Tomaten eine Sauce. Aus übrigem Reis gebratener Reis mit Gemüseresten.
Restekochen ist keine Notlösung, es ist eine Fertigkeit. Profiköche nennen es Fridge Cooking und betrachten es als kreative Herausforderung. Der Trick: Ein gutes Basisrezept, das fast alles aufnimmt.
- Gemüsepfanne: Jedes Gemüse funktioniert mit Knoblauch, Sojasauce und Reis
- Frittata: Eier plus beliebige Reste aus dem Kühlschrank
- Suppe: Weich gewordenes Gemüse pürieren, mit Brühe aufgießen
- Smoothie: Überreifes Obst mit Joghurt und Haferflocken mixen
- Brotauflauf: Altes Brot schichten, Eier-Milch-Mischung darüber, überbacken
Portioniere größere Mengen direkt beim Kochen in Boxen und friere ein, was du nicht innerhalb von zwei Tagen isst. Beschrifte jede Box mit Inhalt und Datum.
Tag 5: Bewusster einkaufen
Der größte Hebel gegen Foodwaste liegt vor dem Kühlschrank: im Supermarkt. Wer ohne Liste einkauft, kauft im Schnitt 20 bis 30 Prozent mehr als geplant. Sonderangebote verleiten dazu, Mengen zu kaufen, die kein Haushalt in einer Woche verbraucht. Und wer hungrig einkauft, greift zu mehr, als nötig ist.
Heute planst du deine nächsten drei bis vier Tage. Schau, was noch da ist, und ergänze nur, was fehlt. Ein Saisonkalender hilft bei der Auswahl von Obst und Gemüse: Saisonware ist nicht nur günstiger, sie hält auch länger, weil sie kürzere Transportwege hat.
- Schreibe einen Einkaufszettel und halte dich daran
- Kaufe loses Obst und Gemüse in der Menge, die du wirklich brauchst
- Greife zu den Produkten weiter hinten im Regal, wenn du erst in ein paar Tagen kochst
- Nimm die leicht angeschlagene Banane oder den krummen Apfel, sie schmecken genauso
- Plane eine Reste-Mahlzeit pro Woche fest ein
In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es inzwischen Angebote für gerettete Lebensmittel direkt im Supermarkt: reduzierte Ware kurz vor dem MHD, Retter-Regale oder Kooperationen mit Too Good To Go. Halt die Augen offen.
Tag 6: Teilen und retten
Nicht alles, was du nicht aufbrauchst, muss in den Müll. Heute geht es darum, Lebensmittel weiterzugeben statt wegzuwerfen. Die Plattform foodsharing.de vermittelt kostenlos Lebensmittel, die sonst entsorgt würden, von Privatpersonen und Betrieben. Über 500.000 Mitglieder in Deutschland, Österreich und der Schweiz retten so jährlich tausende Tonnen.
Too Good To Go funktioniert anders: Bäckereien, Restaurants und Supermärkte verkaufen Überraschungstüten mit überschüssiger Ware zu stark reduzierten Preisen. In allen drei Ländern verfügbar, oft schon ab 3 bis 4 Euro. Auch die Tafeln in Deutschland und die Tafel Österreich verteilen gespendete Lebensmittel an Menschen mit geringem Einkommen.
Fang heute klein an: Frag deine Nachbarn, ob sie die Zucchini übernehmen wollen, die du vor dem Urlaub nicht mehr schaffst. Stell übrige Backwaren in die Küche im Büro. Oder melde dich bei foodsharing.de an und werde selbst zum Lebensmittelretter. Teilen spart nicht nur Müll, es bringt Menschen zusammen.
Tag 7: Reflexion und drei Gewohnheiten behalten
Letzer Tag. Nimm dir 15 Minuten und vergleiche: Wie sieht dein Kühlschrank heute aus im Vergleich zu Tag 1? Was ist diese Woche im Müll gelandet und was nicht? Die meisten Teilnehmer solcher Challenges berichten, dass sie nach einer Woche etwa ein Drittel weniger wegwerfen.
Keine der sieben Aufgaben war besonders aufwändig. Trotzdem hast du jetzt ein System: Du weißt, wie dein Kühlschrank funktioniert, was das MHD wirklich bedeutet und wie du aus Resten eine Mahlzeit machst. Die Frage ist jetzt, welche Gewohnheiten bleiben.
- Einkaufszettel schreiben, bevor du losgehst
- Einmal pro Woche den Kühlschrank durchsehen und Reste verkochen
- Mindesthaltbarkeitsdatum hinterfragen statt blind wegwerfen
Drei Gewohnheiten reichen. Wer versucht, alles auf einmal umzustellen, hält selten durch. Wähle die drei Routinen aus, die bei dir den größten Unterschied gemacht haben, und behalte sie bei. Alles andere kommt mit der Zeit.
So bleibst du dran
Die Challenge ist nach sieben Tagen vorbei, die Gewohnheiten nicht. Häng deinen Einkaufszettel an den Kühlschrank. Nicht als App, als echtes Stück Papier, das du siehst, wenn du die Tür öffnest. Sichtbarkeit ist der stärkste Trigger für neue Routinen.
Mach dich nicht fertig, wenn etwas doch im Müll landet. Es geht um Reduktion, nicht um Perfektion. Selbst wenn du nur die Hälfte der bisherigen Menge einsparst, sind das pro Jahr rund 35 Kilogramm weniger Abfall und mehrere Hundert Euro gespart. Fortschritt ist kein Alles-oder-nichts-Spiel.
Binde andere ein. Erzähle Freunden oder der Familie von der Challenge. Wer gemeinsam kocht und plant, verschwendet weniger. Und wer seine Fortschritte teilt, bleibt motivierter. Die besten Gewohnheiten sind die, über die man spricht.
Wie es nach der Woche weitergeht
Du hast die Grundlagen geschaffen. Hier sind zwei Richtungen, in die du weitergehen kannst.
- Meal Prep einführen: Sonntags für die Woche vorkochen, Portionen einfrieren
- Saisonaler Einkaufsrhythmus: Nur kaufen, was gerade Saison hat
- Fermentieren lernen: Gemüse haltbar machen statt wegwerfen
- Bei foodsharing.de anmelden und regelmäßig Lebensmittel retten
- Die App Zu gut für die Tonne für Restekochen-Inspiration nutzen
- Einen monatlichen Eat-the-Fridge-Tag einführen
Die EU hat sich im Februar 2025 das Ziel gesetzt, Lebensmittelverschwendung bis 2030 um 30 Prozent zu senken. In der Schweiz liegt die bisherige Reduktion bei rund 5 Prozent. Es gibt also noch viel zu tun, und jeder Kühlschrank zählt.
Häufige Fragen zur Foodwaste Challenge
Was mache ich, wenn ich einen Tag verpasse?
Macht mein einzelner Beitrag wirklich einen Unterschied?
Wie viel Geld kann ich dadurch sparen?
Was, wenn meine Familie nicht mitmacht?
Brauche ich spezielle Apps oder Tools?
Quellen und Referenzen
- Lebensmittelabfälle verursachen 4 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen - Umweltbundesamt (2024) Stand 2026-06-01
- Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten unter die Lupe genommen (GfK-Studie) - Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Original (externe Seite) Stand 2026-06-01
- Aus den Augen, aus dem Sinn? So organisierst du deinen Kühlschrank - Verbraucherzentrale NRW Stand 2026-06-01
- Lebensmittelverschwendung kostet Haushalte im Schnitt rund 100 Euro pro Monat - WWF Österreich Stand 2026-06-01
- Lebensmittelabfälle - Bundesamt für Umwelt BAFU Stand 2026-06-01
- EU actions against food waste - Europäische Kommission Stand 2026-06-01