Stell dir vor, du stehst im Laden und hältst zwei Gesichtscremes in der Hand. Die eine wirbt mit "rein pflanzlich", die andere mit "dermatologisch getestet". Beide kosten ähnlich viel. Welche nimmst du? Die meisten greifen zum schöneren Etikett oder zum bekannteren Namen. Das ist kein Vorwurf, sondern Realität: INCI-Listen lesen sich wie eine Mischung aus Latein und Chemie.
Genau das ändern wir in den nächsten sieben Tagen. Nicht mit einem Crash-Kurs in organischer Chemie, sondern mit alltagstauglichen Übungen, die du direkt an deinen eigenen Produkten durchführst. Am Ende dieser Woche wirst du INCI-Listen nicht nur lesen, sondern auch einordnen können. Du wirst wissen, welche Inhaltsstoffe unbedenklich sind, wo sich Greenwashing versteckt und wie du Naturkosmetiksiegel richtig deutest.
Der Zeitaufwand? Fünfzehn bis zwanzig Minuten pro Tag. Das ist weniger als eine Podcast-Folge und mehr als genug, um eine Fähigkeit aufzubauen, die dir bei jedem Kosmetikkauf hilft. Betrachte es als Investition in dich selbst: Wissen, das kein Verfallsdatum hat.
Warum du in einer Woche mehr lernst als in Jahren
Drei Prinzipien machen diese Challenge wirksam:
Ein Thema pro Tag
Inhaltsstoffwissen ist komplex. Wer alles gleichzeitig lernen will, gibt schnell auf. Deshalb bekommt jeder Tag genau einen Schwerpunkt. Am Ende der Woche greifen die Bausteine ineinander, ohne dass du zwischendurch das Gefühl hattest, überfordert zu sein.
Lernen an den eigenen Produkten
Abstrakte Listen vergisst man. Aber wenn du die Inhaltsstoffe deiner Tagescreme analysiert hast, bleibt das Wissen hängen. Du arbeitest die ganze Woche mit Produkten, die bereits in deinem Badezimmer stehen.
Fortschritt statt Perfektion
80 Prozent bewusst ist besser als null Prozent perfekt. Diese Challenge macht dich nicht zur Kosmetikchemikerin, aber sie gibt dir das Handwerkszeug, um fundierte Entscheidungen zu treffen. Und genau darum geht es.
Was du nach sieben Tagen kannst:
- INCI-Listen lesen und die Reihenfolge der Inhaltsstoffe verstehen
- Umstrittene Stoffe wie Parabene, Silikone und Mineralölderivate erkennen
- Naturkosmetiksiegel unterscheiden und einordnen
- Greenwashing von echten Standards trennen
- Deine Pflegeroutine bewusst und überlegt gestalten
Das brauchst du für die Challenge
Produkte sammeln
Räume alles zusammen, was du regelmäßig auf Haut und Haare gibst: Gesichtscreme, Serum, Bodylotion, Duschgel, Shampoo, Deo, Sonnenschutz und Make-up. Dekorativkosmetik zählt auch. Leg alles auf einen Tisch oder ein Tablett, damit du die ganze Woche schnell darauf zugreifen kannst.
Hilfsmittel bereitlegen
- Ein Notizbuch oder eine Notiz-App auf dem Smartphone
- Optional: INCI-Decoder (incidecoder.com) oder die CodeCheck-App
- Eine Lupe oder die Kamerazoom-Funktion deines Handys, denn die Schrift auf Produkten ist oft winzig
Die richtige Haltung
Es kann sein, dass du Inhaltsstoffe findest, die dich überraschen. Das ist kein Grund zur Panik. Es geht nicht darum, alles sofort auszusortieren, sondern darum, beim nächsten Kauf eine informierte Wahl zu treffen. Aufbrauchen ist immer nachhaltiger als Wegwerfen.
Zeitplan: Reserviere dir 15 bis 20 Minuten pro Tag, idealerweise zur gleichen Uhrzeit. Morgens beim Kaffee oder abends nach der Abendroutine eignen sich gut. Gewohnheit entsteht durch Wiederholung.
Tag 1: INCI-Listen entschlüsseln
Dein Ziel heute: Verstehen, wie Zutatenlisten aufgebaut sind und was die Reihenfolge bedeutet.
Was ist INCI?
INCI steht für International Nomenclature of Cosmetic Ingredients. Die EU-Kosmetikverordnung 1223/2009 schreibt vor, dass alle Kosmetikprodukte ihre Inhaltsstoffe in diesem einheitlichen Format auflisten. Egal ob das Produkt aus München oder Mailand kommt: Die INCI-Liste folgt denselben Regeln.
Die Grundregel der Reihenfolge
Inhaltsstoffe stehen absteigend nach Konzentration. Der erste Stoff ist am meisten enthalten, bei Cremes ist das fast immer Aqua (Wasser). Ab einer Konzentration unter einem Prozent darf die Reihenfolge beliebig sein. Das erklärt, warum der beworbene Wirkstoff manchmal überraschend weit hinten auftaucht.
Sprache der INCI-Liste
- Lateinische Namen bezeichnen Pflanzenextrakte: Calendula Officinalis Flower Extract ist Ringelblumenextrakt
- Englische Namen stehen für chemisch verarbeitete Stoffe: Cetearyl Alcohol ist ein Fettalkohol und Emulgator
- CI-Nummern kennzeichnen Farbstoffe: CI 77891 ist Titandioxid
Praxisübung:
- Nimm deine Tagescreme und dein Duschgel zur Hand
- Lies jeweils die ersten fünf Inhaltsstoffe
- Übersetze sie mit dem INCI-Decoder oder CodeCheck
- Notiere: Was ist der Hauptbestandteil? Erkennst du pflegende Stoffe?
Häufiges Missverständnis: Das Wort "Alcohol" in der INCI-Liste bedeutet nicht zwangsläufig austrocknenden Alkohol. Cetearyl Alcohol und Cetyl Alcohol sind Fettalkohole, die als Emulgatoren wirken und die Haut geschmeidig halten.
Aufgabe: Analysiere heute mindestens drei Produkte und notiere jeweils die fünf häufigsten Inhaltsstoffe.

Tag 2: Umstrittene Inhaltsstoffe erkennen
Dein Ziel heute: Die wichtigsten diskutierten Stoffgruppen kennenlernen und in deinen Produkten identifizieren.
Ein wichtiger Grundsatz vorweg: Nicht jeder kompliziert klingende Name ist problematisch. Und nicht jeder natürliche Stoff ist automatisch verträglich. Ziel ist informierte Einordnung, nicht Alarmismus.
- Stoffgruppe 1: Parabene* (Methylparaben, Ethylparaben, Propylparaben, Butylparaben)
- Funktion: Konservierungsmittel, die Bakterien- und Schimmelpilzwachstum verhindern
- Diskussion: In der EU zugelassen und reguliert, aber Öko-Test empfiehlt seit Jahren Alternativen wegen möglicher hormonähnlicher Wirkung
- Erkennen: Endung "-paraben"
- Stoffgruppe 2: Mineralölderivate* (Paraffinum Liquidum, Petrolatum, Mineral Oil, Cera Microcristallina)
- Funktion: Bilden einen Film auf der Haut, der Feuchtigkeit einschließt
- Diskussion: Pflegen nicht aktiv, versiegeln die Haut. In Kosmetik dürfen nur hochraffinierte Mineralöle eingesetzt werden, die den Reinheitsanforderungen für Arzneimittel entsprechen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung erwartet bei der Anwendung solcher Öle auf der Haut keine gesundheitlichen Risiken, weil gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH) kaum durch die Haut aufgenommen werden. Die diskutierten EU-Höchstgehalte für Mineralöle betreffen Lebensmittel, nicht Kosmetik
- Erkennen: Begriffe mit Paraffin-, Petrolat-, Mineral-, Cera Microcristallina
- Stoffgruppe 3: Silikone* (Dimethicone, Cyclomethicone, Cyclopentasiloxane)
- Funktion: Glätten Haut und Haare, erzeugen seidiges Gefühl
- Diskussion: Schwer biologisch abbaubar, können Poren verschließen
- Erkennen: Endung "-cone", "-conol" oder "-siloxane"
Stoffgruppe 4: Synthetische Duftstoffe
- In der INCI-Liste als "Parfum" oder "Fragrance" deklariert
- Dahinter können sich hunderte Einzelstoffe verbergen, die nicht einzeln aufgelistet werden müssen
- Die EU-Verordnung 2023/1545 erweitert die Liste der einzeln kennzeichnungspflichtigen Duftstoff-Allergene von bisher 26 auf rund 80. Neue Produkte müssen die erweiterte Kennzeichnung bis zum 31. Juli 2026 umsetzen, alte Ware darf bis 31. Juli 2028 abverkauft werden
Praxisübung:
- Gehe drei Produkte durch und suche gezielt nach den vier Stoffgruppen
- Markiere Treffer mit kleinen Klebezetteln
- Notiere, in wie vielen deiner Produkte du fündig wirst
Behalte im Kopf: Ein Produkt mit einem dieser Stoffe ist nicht automatisch schlecht. Du baust gerade dein Bewertungsrepertoire auf.
Tag 3: Dein erstes Produktprofil erstellen
Dein Ziel heute: Ein einzelnes Produkt vollständig analysieren und dokumentieren.
Heute gehst du in die Tiefe. Wähle das Produkt, das du am häufigsten benutzt, zum Beispiel deine Tagescreme oder dein Lieblingsserum.
Schritt-für-Schritt-Analyse:
1. Die Top 5 analysieren
Die ersten fünf Inhaltsstoffe machen den Großteil des Produkts aus. Sind es pflegende Wirkstoffe oder günstige Füllstoffe wie Wasser und einfache Emulgatoren?
2. Wirkstoffe lokalisieren
Wo steht der beworbene Wirkstoff? Wenn die Verpackung "mit Hyaluronsäure" verspricht und Sodium Hyaluronate erst an Position 18 von 25 steht, ist die Konzentration gering. Das muss nicht schlecht sein, Hyaluron wirkt auch in niedrigen Dosen, aber es relativiert das Marketing.
3. Konservierungssystem prüfen
Jedes wasserhaltige Produkt braucht Konservierung. Phenoxyethanol gilt als gut verträgliche synthetische Option. Naturkosmetik nutzt oft Kaliumsorbat, Natriumbenzoat oder alkoholbasierte Systeme.
4. Duft analysieren
Steht "Parfum" in der Liste oder erkennst du natürliche ätherische Öle am lateinischen Pflanzennamen mit dem Zusatz "Oil"? Zum Beispiel: Lavandula Angustifolia Oil ist echtes Lavendelöl.
5. Gesamtbild bewerten
Wie viele Inhaltsstoffe hat das Produkt insgesamt? Zertifizierte Naturkosmetik kommt oft mit 15 bis 25 Inhaltsstoffen aus. Konventionelle Produkte listen häufig 30 bis 45.
Erstelle dein Produktprofil:
- Produktname und Marke
- Anzahl Inhaltsstoffe gesamt
- Top 5 mit Übersetzung
- Gefundene umstrittene Stoffe
- Position der beworbenen Wirkstoffe
- Dein Fazit: Behalten, aufbrauchen oder künftig ersetzen?
Tipp: Fotografiere dein Profil. So baust du dir nach und nach eine persönliche Referenzbibliothek auf.
Tag 4: Naturkosmetiksiegel verstehen
Dein Ziel heute: Die wichtigsten Siegel kennen, ihre Unterschiede verstehen und Greenwashing erkennen.
Siegel sind dein stärkster Verbündeter beim Kosmetikkauf. Sie nehmen dir einen Großteil der Recherche ab, weil sie garantieren, dass bestimmte Stoffe nicht enthalten sind. Aber nicht jedes Siegel hält, was es auf den ersten Blick verspricht.
Die drei wichtigsten Siegel:
NATRUE
- Internationales Siegel mit Sitz in Brüssel, besonders in der DACH-Region verbreitet
- Drei Qualitätsstufen: Naturkosmetik, Naturkosmetik mit Bioanteil, Biokosmetik
- Verbietet Silikone, Mineralöle, synthetische Duftstoffe und PEGs
- Marken wie Weleda, Lavera und Dr. Hauschka tragen dieses Siegel
COSMOS (BDIH, ECOCERT, Soil Association)
- Seit 2017 europaweit harmonisierter Standard, der nationale Siegel wie BDIH und ECOCERT unter einem Dach vereint
- COSMOS NATURAL: Mindestens 95 Prozent natürlichen Ursprungs
- COSMOS ORGANIC: Zusätzlich Bio-Mindestanteil bei pflanzlichen Inhaltsstoffen
- Strenge Vorgaben für Verpackung und Herstellungsprozesse
Demeter
- Höchster Bio-Standard, basiert auf biodynamischem Anbau
- In der Kosmetik selten, aber einige Nischenmarken setzen darauf
- Strengere Anforderungen als EU-Bio
Gemeinsame Verbote aller anerkannten Siegel:
- Keine Tierversuche
- Keine Gentechnik
- Keine erdölbasierten Rohstoffe
- Keine synthetischen Farbstoffe
Greenwashing erkennen:
Begriffe wie "natürlich", "naturinspiriert", "mit pflanzlichen Wirkstoffen" oder "clean" sind rechtlich nicht geschützt. Ein grünes Etikett mit Blattmotiv ist kein Qualitätsbeweis. Nur unabhängig geprüfte Siegel garantieren Standards.
Praxisübung:
- Sortiere deine Produkte: Welche tragen ein anerkanntes Siegel?
- Recherchiere auf der Website des Siegels, was genau geprüft wird
- Vergleiche ein zertifiziertes und ein nicht zertifiziertes Produkt derselben Kategorie

Tag 5: Bewusst Alternativen finden
Dein Ziel heute: Für Produkte, die du ersetzen möchtest, gezielt Alternativen recherchieren, ohne sofort zu kaufen.
Mit dem Wissen der letzten vier Tage kannst du jetzt fundiert nach Alternativen suchen. Heute geht es ums Recherchieren und Vergleichen, nicht ums Einkaufen.
Strategie 1: Zertifizierte Drogeriekosmetik
Der einfachste und günstigste Einstieg. Alverde (dm) und Alterra (Rossmann) tragen NATRUE-Siegel und bieten ein breites Sortiment unter fünf Euro. Für den Anfang eine gute Möglichkeit, einzelne Produkte zu testen.
Strategie 2: Etablierte Naturkosmetikmarken
- Wenn du etwas mehr investieren möchtest, findest du bei Traditionsmarken oft besonders durchdachte Formulierungen:
- Weleda (Schweiz, gegründet 1921) setzt auf ganzheitliche Pflanzenkosmetik
- Dr. Hauschka (Deutschland, seit 1967) nutzt eigene Heilpflanzengärten
- Lavera (Deutschland, seit 1987) verbindet Bio-Qualität mit modernen Texturen
Diese Marken haben Jahrzehnte Erfahrung mit natürlichen Konservierungssystemen und Wirkstoffkombinationen.
Strategie 3: Weniger Produkte, bessere Qualität
Viele Menschen besitzen 15 bis 20 Pflegeprodukte, nutzen aber regelmäßig nur fünf bis sieben. Statt zehn günstige Produkte durch zehn zertifizierte zu ersetzen, überlege, ob du deine Routine verschlanken kannst. Weniger Produkte bedeuten auch weniger potenzielle Reize für die Haut.
Praxisübung:
- Wähle zwei bis drei Produkte von deiner Ersetzen-Liste
- Suche online nach zertifizierten Alternativen
- Vergleiche die INCI-Listen: Ist die Alternative tatsächlich besser formuliert?
- Erstelle eine Wunschliste mit Preis und Bezugsquelle, kaufe aber noch nicht
Merke: Aufbrauchen ist nachhaltiger als Wegwerfen. Notiere dir die Alternativen und kaufe sie erst, wenn das aktuelle Produkt leer ist.
Tag 6: Routine auf das Wesentliche reduzieren
Dein Ziel heute: Deine Pflegeroutine ehrlich analysieren und auf das konzentrieren, was wirklich wirkt.
Die Kosmetikindustrie lebt davon, dass wir glauben, immer noch ein Produkt mehr zu brauchen. Toner, Essence, Serum, Ampulle, Creme, Maske, das kann schnell acht Schritte am Morgen bedeuten. Die Realität: Für gesunde Haut brauchst du deutlich weniger.
Die Basisroutine:
Morgens:
1. Sanfte Reinigung (pH-hautneutral, also um 5,5) 2. Feuchtigkeitspflege 3. Sonnenschutz (ab LSF 30, ganzjährig empfohlen)
Abends:
1. Gründliche Reinigung (bei Make-up doppelt reinigen) 2. Pflegendes Serum oder Öl 3. Optional: Reichhaltigere Nachtcreme bei trockener Haut
Das sind vier bis fünf Produkte. Alles darüber hinaus ist Ergänzung, kein Muss.
Marketing vs. Realität:
| Marketing erzählt dir | Was du wirklich brauchst | |---|---| | Tagescreme plus Nachtcreme plus Augencreme | Eine gute Allround-Creme, bei Bedarf nachts reichhaltiger | | Toner, Essence, Serum, Ampulle | Ein Serum mit dem Wirkstoff, der zu deinem Hauttyp passt | | Wöchentlich drei verschiedene Masken | Eine Maske bei Bedarf, etwa einmal pro Woche | | Peeling zweimal pro Woche | Enzymatisches Peeling einmal pro Woche reicht für die meisten |
Praxisübung:
- Breite alle deine Pflegeprodukte aus
- Sortiere in drei Kategorien: Täglich genutzt, gelegentlich genutzt, eigentlich nie
- Die Produkte aus Kategorie drei: aufbrauchen und nicht nachkaufen, oder verschenken
- Prüfe bei den täglichen Produkten: Gibt es Überschneidungen?
Die 80/20-Regel: 80 Prozent deiner Hautpflegeergebnisse kommen von 20 Prozent deiner Produkte. Deine Aufgabe ist es, diese 20 Prozent zu finden und ihnen die volle Aufmerksamkeit zu geben.

Tag 7: Dein persönlicher Clean Beauty Fahrplan
Dein Ziel heute: Die Erkenntnisse der Woche in einen konkreten Plan umwandeln, der über die Challenge hinaus funktioniert.
Sechs Tage Inhaltsstoffwissen liegen hinter dir. Heute fließt alles zusammen.
Dein Fahrplan in vier Schritten:
Schritt 1: Bestandsaufnahme abschließen
- Leg drei Stapel an:
- Produkte, die bleiben (gut formuliert, zertifiziert oder verträglich)
- Produkte zum Aufbrauchen (nicht optimal, aber kein Grund zum Wegwerfen)
- Produkte auf der Ersetzen-Liste (mit konkreter Alternative notiert)
Schritt 2: Prioritäten setzen
- Nicht alles gleichzeitig ersetzen. Beginne mit Produkten, die:
- Lange auf der Haut bleiben (Leave-on vor Rinse-off: Creme vor Duschgel)
- Große Hautflächen abdecken (Bodylotion vor Lippenpflege)
- Täglich verwendet werden
Schritt 3: Realistischen Zeitrahmen festlegen
Setze dir ein konkretes Ziel: In den nächsten drei Monaten zwei bis drei Produkte bewusst ersetzen. In einem Jahr ist deine Routine komplett durchdacht, ohne dass du dafür an einem einzigen Tag alles umkrempeln musstest.
Schritt 4: Wissen lebendig halten
Das Wichtigste: Lies bei jedem Neukauf die INCI-Liste. Das wird mit der Zeit zur Gewohnheit und kostet nur Sekunden. Folge Quellen, die Inhaltsstoffe sachlich erklären, etwa INCI-Decoder oder die Verbraucherzentrale.
Deine Abschlussübung:
- Schreibe auf:
- Die drei wichtigsten Erkenntnisse deiner Challenge-Woche
- Das erste Produkt, das du beim nächsten Kauf bewusst wählst
- Dein realistisches Ziel für die nächsten drei Monate
So bleibst du langfristig motiviert
Vergiss Perfektionismus
Du wirst nicht über Nacht eine makellose Routine haben, und das muss auch nicht sein. Jede bewusste Kaufentscheidung ist ein Fortschritt. Manchmal greifst du aus praktischen Gründen zum konventionellen Produkt, und das ist völlig in Ordnung.
Apps als Werkzeug, nicht als Richter
CodeCheck, INCI-Decoder und ähnliche Tools sind hilfreiche Orientierungspunkte. Aber sie bewerten nach eigenen Kriterien und sind nicht unfehlbar. Manche Stoffe werden kritischer bewertet als von der wissenschaftlichen Mehrheit empfohlen. Nutze die Apps als Ausgangspunkt für eigene Recherche.
Vorsicht bei Hautproblemen
Diese Challenge ersetzt keine dermatologische Beratung. Wenn du unter Akne, Rosazea, Neurodermitis oder anderen Hauterkrankungen leidest, besprich Produktwechsel immer mit einer Hautärztin oder einem Hautarzt. Naturkosmetik ist wunderbar, aber sie ersetzt keine medizinische Behandlung.
Teile dein Wissen
Erzähle einer Freundin oder einem Freund von der Challenge. Nicht als Bekehrung, sondern als Erfahrungsaustausch. Oft entdeckt man im Gespräch Produkte und Marken, auf die man alleine nie gekommen wäre.
Feiere deinen Fortschritt
Du hast sieben Tage investiert und dir echtes Wissen aufgebaut. Beim nächsten Drogeriebesuch wirst du merken, wie viel sicherer du dich fühlst. Dieses Gefühl ist mehr wert als jedes Luxusprodukt.
Wie geht es nach der Challenge weiter?
Die sieben Tage waren dein Fundament. Jetzt geht es darum, das Gelernte in deinen Alltag zu integrieren.
Die ersten vier Wochen:
- Ersetze das erste Produkt von deiner Liste, wenn es leer wird
- Lies bei jedem Neukauf die INCI-Liste, selbst wenn du keine fünf Minuten investierst
- Empfehle einer Person in deinem Umfeld ein Produkt und erkläre, warum
Drei bis sechs Monate:
- Arbeite dich Stück für Stück durch deine Ersetzen-Liste
- Teste eine Naturkosmetikmarke, die du noch nicht kennst
- Optimiere einen Bereich komplett: zum Beispiel nur die Haarpflege oder nur den Sonnenschutz
Langfristig:
- INCI-Listen lesen wird zur Gewohnheit wie das Prüfen des Mindesthaltbarkeitsdatums bei Lebensmitteln
- Dein Badezimmer wird übersichtlicher und durchdachter
- Du triffst Kaufentscheidungen aus Wissen statt aus Werbung
Was du dir geschenkt hast:
Keine Creme, kein Serum und keine Maske ist so wertvoll wie die Fähigkeit, selbstbestimmt zu entscheiden, was auf deine Haut kommt. Dieses Wissen behältst du für immer.
Häufig gestellte Fragen zur Clean Beauty Challenge
Muss ich jetzt alle meine Produkte wegwerfen?
Sind alle chemisch klingenden Inhaltsstoffe schlecht?
Ist Naturkosmetik immer besser als konventionelle Kosmetik?
Wie erkenne ich Greenwashing bei Kosmetik?
Was bedeutet 'Parfum' in der INCI-Liste?
Kann ich die Challenge auch mit empfindlicher Haut machen?
Quellen und Referenzen
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates über kosmetische Mittel Original (externe Seite) Stand 2026-06-19
- Verordnung (EU) 2023/1545 der Kommission zur Kennzeichnung allergener Duftstoffe in kosmetischen Mitteln Original (externe Seite) Stand 2026-06-19
- Cosmacon - Neue Allergenliste und INCI-Deklaration von Duftstoffen Original (externe Seite) Stand 2026-06-19
- BfR - Hochraffinierte Mineralöle in Kosmetika: Gesundheitliche Risiken sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu erwarten (Nr. 008/2018) Original (externe Seite) Stand 2026-06-19
- Cosmos - das Siegel für Natur- und Biokosmetik (Utopia) Original (externe Seite) Stand 2026-06-19
- INCIDecoder - Skincare Ingredient Lists Explained Original (externe Seite) Stand 2026-06-19